Tierschützer sind fassungslos

Hamburgs Hühner-Drama: Tiere herzlos zum Sterben zurückgelassen

  • Fabian Raddatz
    vonFabian Raddatz
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Entsetzen beim Hamburger Tierschutzverein: Die Fälle von Tierquälerei häufen sich. Nun ist ein extrem schlimmer Fund öffentlich geworden.

  • Hamburger Tierschützer retteten zehn Tiere aus einem Karton.
  • Der Hamburger Tierschutzverein sieht einen gefährlichen Trend der Hühner-Entsorgung.
  • Auch landen immer mehr Hühner im Tierheim, die Gründe dafür sind vielfältig.

Hamburg – Der 26. November vergangenen Jahres. Der Wind ist kalt, Temperaturen um den Gefrierpunkt. Vor dem Kleingartenverein „Am Weinberg“ in Hamburg-Langenhorn stehen drei Kartons, aus denen es leise gackert und schnattert. Es muss ein Bild des Jammers gewesen sein, sagt der Hamburger Tierschutzverein. In den Kartons: nicht etwa Abfall – lebendige Tiere: acht Hühner, ein Hahn, eine Ente. Auf engstem Raum sich selbst und dem Tod überlassen.

Verein:Hamburger Tierschutzverein
Gründung:1841
Mitglieder:5000
Mitarbeiter:90
Adresse des Tierheims:Süderstraße 399, 20537 Hamburg
Telefon, E-Mail:040 211106 0, E-Mail: kontakt@hamburger-tierschutzverein.de
Öffnungszeiten:Mo, Mi, Do, Fr: 10 bis 16 Uhr / Sa, So, Feiertage: 9 bis 12 Uhr

„Skrupellos“, „gewissenlos“: Die Hamburger Tierschützer sind fassungslos. Ein gefährlicher Trend mache sich in der Hansestadt breit. Immer wieder würden Menschen Tiere, die sie sich unüberlegt oder aus Langeweile zugelegt haben, einfach wie Abfall entsorgen. 63 Hühner haben die Tierschützer im vergangenen Jahr gerettet. Fast doppelt so viele wie noch im Jahr davor.

Tiere in Hamburg: Corona steigert die Hühner-Not

Der heftige Anstieg könnte laut dem Tierschutzverein an mehreren Gründen liegen. Da wäre zum einen die Corona-Pandemie, die auch die Hansestadt fest im Griff hält: Immer mehr Menschen hätten sich Vögel zugelegt – zum Teil auch aus Langeweile. Die Hühner werden oft, teilweise ungewollt, weiter vermehrt. Die Folge: der Nachwuchs ist nicht mehr handelbar, die Tiere landen oft in der Tonne.

In Hamburg sorgt ein krasser Fall von Tierquälerei bei Tierschützern für Entsetzen. Mehrere Hühner wurden in Kartons einfach entsorgt. (Symbolbild/24hamburg.de-Montage)

Und: Aufgrund der Lockdown-Maßnahmen würden für Händler wichtige Verkaufsstellen entfallen, wie etwa auf dem Hamburger Fischmarkt. Auch im Fall der zehn Tiere im Karton gehen die Tierschützer von einem professionellen Händler aus – darauf würden die unterschiedlichen Arten und Rassen schließen lassen.

Tiere in Hamburg: „Kein Abfallprodukt!“

Aber auch die drohende Geflügelpest könnte ein Auslöser des fiesen Trends sein. Vorsichtshalber haben viele Züchter ihre Tiere getötet. Zudem haben es insbesondere Hähne in der zunehmenden Wohndichte in der Stadt Hamburg und auf dem Land immer schwerer: Ihre lauten Rufe stören Nachbarn.

Doch Hühner seien empfindsames Lebewesen mit Bedürfnissen, kein Abfallprodukt, mahnt der Hamburger Tierschutzverein. Genau wie andere Tiere hätten auch Hühner eigene Bedürfnisse, die ebenso wie die Kosten zur Versorgung der Tiere vor der Anschaffung bedacht werden müssen. Dazu gehörten ausreichend Platz in einem artgerechten Areal mit Rückzugs- und Schlafmöglichkeiten, geeignete Nahrung sowie bei Bedarf abwechslungsreiche Beschäftigungsangebote und eine medizinische Betreuung bei Krankheit.

Im Fall der zehn Tiere im November ging es noch einmal gut: Die Vögel wurden rechtzeitig gefunden, bevor Marder, Füchse, der Hungertod oder die Kälte kamen. „Sie sind wohlauf“, so das Hamburger Tierheim, in denen die Vögel aufgepäppelt wurden. Sie suchen nun nach einem neuen Zuhause. Leider läuft es nicht immer so glatt: Erst kürzlich starben mehrere Hundewelpen in Hamburg, nachdem ein Mann diese wissentlich todkrank verkauft hatte. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Peta/dpa

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