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Tierschutz: Wird Hamburger Horror-Labor zum Tierheim?

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Die Tierversuchsfirma LPT will das Gelände das ehemalige Skandal-Labor Mienenbüttel an eine gemeinnützige Organisation abgeben. Dieses Detail macht stutzig.

  • Hamburg:* LPT durfte keine Tiere mehr in Harburger Todeslabor halten.
  • Die Firma hatte daraufhin eine Klage gegen den Beschluss eingereicht.
  • Jetzt zieht LPT die Klage zurück – Soko Tierschutz hofft auf endgültiges Ende der Tierversuche.
  • So geht es mit dem Labor in Mienenbüttel weiter.

Update vom 21. November 2020, 11:45 Uhr: Hamburg-Harburg – Das umstrittene Tierversuchslabor des Unternehmens LPT in Hamburg ist geschlossen. Nun soll aus den Räumlichkeiten ein Tierheim werden laut Angaben der Firma.  

In Hamburg demonstrierten im September 2020 unter anderem vor dem Alsterhaus am Jungfernstieg zahlreiche Tierschützer gegen die Missstände im Labor und nicht unrechtmäßige Versuche unter anderem an Affen und Hunden. Nun soll das Gelände einem gemeinnützigen Vereinen überlassen werden.  

Eine Demonstration am Hamburger Jungfernstieg gegen das LPT Labor.

Auf ein kleines Detail legt LPT aber großen Wert: Das Labor will das Grundstück nur an Vereine abgeben, die nicht mit Tierrechtlern zusammenarbeiten und nicht gegen Forschungseinrichtungen aktiv vorgehen. Laut Recherchen des Hamburger Abendblatts ist sogar schon ein Antrag zur Nutzungsänderung bei der zuständigen Kreisverwaltung eingegangen.  

Ende der Tierversuche im Hamburger Todeslabor? Soko Tierschutz jubelt

Update vom 11. November 2020, 14:32 Uhr: Hamburg-Harburg – Die Skandal-Firma LPT zieht eine Klage gegen den Landkreis Harburg vor dem Oberverwaltungsgericht zurück. Damit könnte endgültig besiegelt sein, dass in dem Todeslabor Mienenbüttel keine Tierversuche mehr durchgeführt werden.

Forschungsinstitut in HamburgLPT - Laboratory of Pharmacology and Toxicology GmbH & Co. KG
AdresseRedderweg 8, 21147 Hamburg
Telefon040 702020

LPT Hamburg zieht Klage vor Gericht zurück: Keine Quälerei mehr in Harburger Tierversuchslabor?

Wie die Mopo berichtet, hatte der Landkreis Harburg im Januar 2020 beschlossen, dass das Tierversuchsunternehmen LPT keine Tiere mehr in seinem Skandallabor in Mienenbüttel (Landkreis Harburg) halten darf. Dies stand seit dem Jahr 2018 in der starken Kritik, nachdem Soko Tierschutz Tierquälerei im Labor aufgedeckt hatte. LPT hatte daraufhin vor dem Oberverwaltungsgericht gegen den Landkreis geklagt. Nun hat die Firma seine Klage wieder zurückgezogen.

Für Soko Tierschutz ist damit ein ganzes „Kapitel abgeschlossen“, wie die Tierschützer auf ihrer Facebook-Seite schreiben. Sie freuen sich über ein womögliches Ende der Tierversuche, kommentieren aber auch: „Wir bleiben aber wachsam, verfolgen die Situation in Neugraben und Löhndorf und lassen uns nicht beschwichtigen“. Wie 24hamburg.de/tiere bereits berichte, soll das Gelände künftig dem Tierschutz überlassen werden. An den LPT-Standorten Neugraben und Löhndorf soll mit alternativen Methoden zu Tierversuchen gearbeitet werden.

LPT Hamburg schließt Skandal-Labor: Soko Tierschutz misstrauisch – Nachmieter könnte Probleme machen

Erstmeldung vom 28. September 2020, 8:21 Uhr: Nachdem kürzlich bekannt wurde, dass das Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) den Betrieb in seinem Tierversuchslabor in Neugraben unter Auflagen wieder aufnehmen darf*, will das Unternehmen sein Skandal-Labor in Mienenbüttel bei Hamburg aufgeben. Dies geriet in der Vergangenheit vor allem wegen schlimmen Versuchen an Affen und Hunden unter Beschuss. Im Januar 2020 hatte der Landkreis Harburg die Erlaubnis zur Tierhaltung am LPT-Standort Mienenbüttel widerrufen. 

Hamburg: LPT gibt Tierversuchslabor in Harburg auf – Soko Tierschutz äußert Misstrauen

Am Freitag, 25. September 2020, gab LPT bekannt, dass es sein Tierversuchslabor in Mienenbüttel im Landkreis Harburg „dem Tierschutz überlassen“ werde und damit ein Zeichen „gegen falsch verstandenen Tierschutz-Aktivismus“ setzen möchte. Nach Mopo-Informationen sei geplant, das Labor einer Organisation zu übergeben, die sich dem Tierschutz und der tierversuchsfreien Forschung verschrieben hat. Unklar ist bislang, wer die Einrichtung in Harburg konkret übernehmen soll. Das macht vor allem die Aktivisten der Soko Tierschutz misstrauisch, die schon seit Jahren gegen die Aktivitäten von LPT protestiert.

Ein Tierschützer demonstriert gegen die Tierversuche von LPT (24hamburg-Montage)

Friedrich Mülln, Sprecher der Soko Tierschutz, die mit einer Undercover-Recherche Tierquälerei am LPT-Standort Mienenbüttel aufgedeckt hatte, äußerte seine Bedenken gegenüber dem NDR. Solange nicht klar sei, um welche Organisation es sich bei der Nachfolge im Harburger Labor handele, bleibe er skeptisch. In Tierschutzkommissionen oder Vereinen, die Tiere von Versuchslaboren übernehmen, gebe es trojanische Pferde, also heimliche Lobbyisten der Tierversuchsbranche. Mülln begrüße aber alles, was in der Einrichtung geschehe und keine Berührungspunkte mit Tierquälerei habe.

Hamburg: Tierschützer starten Demonstration gegen LPT am Jungfernstieg – Polizei zufrieden

Parallel dazu kritisieren Tierschützer weiterhin die Wiederöffnung des LPT-Labors in Hamburg-Neugraben. Die Vorbereitungen für die nächsten Tierversuche laufen hier bereits, 24hamburg.de/tiere* berichtete bereits ausführlich darüber. Am Sonntag, 27. September 2020, demonstrierten daher rund 200 LPT-Gegner am Jungfernstieg in der Hamburger Innenstadt. Laut Organisatoren sei es ein Skandal, dass LPT im Labor in Neugraben Tiere halten dürfe. Wie die Mopo berichtet, hielt auch Dr. Mark Benecke, ein bekannter deutscher Kriminalbiologe und bekannt aus Fernseh-Auftritten, eine Ansprache auf der Demonstration. Diese verlief nach Angaben der Polizei* friedlich.

Tierversuche in Hamburg: Bundesratsinitiative soll Regeln verschärfen – Forscher und Tierschützer skeptisch

Als Reaktion auf die Aufsehen erregenden Skandale um die LPT-Labore will der Hamburger Senat* eine Bundesratsinitiative starten und damit Tierversuche durch höhere Auflagen bekämpfen. Demnach sollen Forschungshäuser dazu verpflichtet werden, Alternativen zu Tierversuchen zu ermitteln oder tierversuchsfreie Forschung durch die Einzahlung in einen Fonds unterstützen. Auch eine Datenbank soll Forschern diese Alternativen künftig näher bringen. Unangekündigte Kontrollen in Laboren gehören ebenfalls zum Vorhaben der Initiative. Diese stößt seitens Forscher und Tierschützer insgesamt auf starke Kritik.

Friedrich Mülln zufolge sei die Bundesratsinitiative „eine krude Mischung aus Sachverhalten, die längst durch EU-Recht vorgeschrieben sind und Selbstverständlichkeiten. Die interessanten Punkte sind so schwammig formuliert, dass sie ins Leere laufen werden“, bemängelt der Gründer der Soko Tierschutz. In einem Facebook-Video wirft er der Politik in Hamburg ein „Desinteresse“ daran vor, „gegen die Tierversuchsindustrie an sich vorzugehen“. „An effektive Maßnahmen“ wolle sich der Senat „nicht wagen, weil das auch eigene Tierversuchsprojekte, wie den Neubau des Mega-Tierlabors am Hamburger UKE in Frage stellen würde“.

Auch Forscher kritisieren die Bundesratsinitiative. Gegenüber der taz verurteilt Stefan Treue, Neurobiologe am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen, die Initiative als „Populismus“. Sie würde ihr Ziel, das Tierwohl zu verbessern, verfehlen. Es sei der falsche Weg, kommerziellen Laboren wie LPT für die mangelnde Forschung an Alternativmethoden „eine indirekte Steuer aufzudrücken“. Tierschutz sei eine politische Entscheidung. „Selbstverständlich hat der Staat dafür Geld, wenn er diese Forschung unterstützen möchte“.

24hamburg.de/tiere berichtete auch über Friedrich Müllns Warnung vor Killer-Keimen in deutschen Schlachthöfen.* Das Coronavirus* nannte der Soko Tierschutz-Sprecher im Vergleich damit nur eine „harmlose Grippe“. *24hamburg.de/tiere ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa/picture alliance

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