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Hamburger Feuerwehr: Tiere sterben lassen statt retten?

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Hamburger Feuerwehr rettet oft Tiere aus Notlagen. Das war bisher kostenfrei. Jetzt verlangen die Retter ihren verdient Lohn. Welche Folgen hat das?

  • Der Hamburger Senat hat eine neue Gebührenverordnung beschlossen.
  • Darin steht: Die Rettung von privaten Tieren wird in Hamburg ab 2021 kostenpflichtig.
  • Die Hamburger Feuerwehr begrüßt den Schritt.

Hamburg – Eine Katze auf dem Baum, ein Hund im Erdloch oder sogar ein Reh im Alsterfleet: Jedes Jahr rückt die Hamburger Feuerwehr aus, um nicht Menschen, sondern auch Tiere aus brenzliger Situation zu befreien. Bislang waren die Einsätze für die Katzen- oder Hundehalter kostenlos. Doch seit dem Jahreswechsel ist das vorbei. Nach einem Beschluss des Hamburger Senats werden die Tierretter künftig Gebühren von den Besitzern verlangen, wie ein Sprecher der Hamburger Feuerwehr 24hamburg.de bestätigte.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Der Hamburger Senat hatte dieses Vorhaben bereits seit geraumer Zeit angekündigt. Nun ließ die rot-grüne Landesregierung den Worten auch Taten folgen. Gemäß eines Kabinettsbeschlusses wurde in einer Sammeldrucksache die Gebührenordnung für 2021 in der Hansestadt Hamburg angepasst. Unter Paragraf 1 heißt es darin nun zur Tierrettung: „Die bislang gebührenfreie Tierrettung wird künftig gebührenpflichtig.“

Zahl der Einsätze steigt: Das verursacht Kosten für den Steuerzahler

Der Grund: Die Kosten steigen seit Jahren. So nimmt die Zahl der Einsätze wegen Hund, Katze und Co. seit Jahren zu – und damit steigt auch der Beitrag der Steuerzahler. Allein im vergangenen Jahr rückte die Feuerwehr den Angaben zufolge zu 1000 Tierrettungen aus. Zwei Jahre zuvor lag die Zahl noch bei 824, wie die Hamburger Morgenpost kürzlich berichtete.

Die Tierrettungseinsätze der Hamburger Feuerwehr sind dabei ganz unterschiedlich. Unter anderem mussten die Einsatzkräfte im Frühsommer in Hamburg-Bergedorf einen Jagdhund stundelang freigraben, der sich unter einem Schulcontainer festgeklemmt hatte. Derweil hatte sich in Hamburg-Jenfeld die Katze „Püppi“ zu weit auf einen Baum gewagt und kam nicht mehr herunter. Da auf dem Gartengrundstück keine Drehleiter ausgefahren werden konnte, mussten die Feuerwehrleute selber stundenlang in dem Baum herumklettern.

Schwerer Einsatz in Hamburg-Neuengamme: Feuerwehrleute retten die Stute „Easy“. (24hamburg.de-Montage)

Und noch spektakulärer war ein Einsatz in Hamburg-Altona, wo eine Kindergartengruppe ein Eichhörnchen entdeckte, dass kopfüber in einer Mauerwand feststeckte. Wahrscheinlich war es auf der Suche nach Futter an der Wand hochgeklettert und dann in einem kleinen Mauerloch steckengeblieben. Die Erzieherinnen alarmierten die Feuerwehr, die umgehend mit zwei Fahrzeugen anrückte. Mit mehreren Leitern stiegen die Feuerwehrmänner zu dem Eichhörnchen empor und nahmen das Malheur unter die Lupe. Anschließend stemmten sie das Mauerwerk mit Hammer und Meißel auf.

Keine Angst: Feuerwehr warnt Tierbesitzer vor Großeinsatz

Einsätze wie dieser werden auch künftig kostenlos bleiben, betont die Feuerwehr. Niemand müsse Sorge haben, wenn er ein Wildtier in Not sehe und die 112 anrufe, dass er anschließend für den Einsatz aufkommen müsste. Da könnte nämlich einiges zusammenkommen – so wie vor einigen Jahren, als einmal ein Reh im Alsterfleet trieb und einen Großeinsatz auslöste. Dabei handelte es sich aber ebenfalls um ein Wildtier auf öffentlichen Grund. Auch in so einem Fall wird die Feuerwehr weiterhin kostenlos arbeiten.

Anders sieht es jedoch bei privaten Tieren in Not aus. Hier ist der gebührenfreie Service vorbei. Wie hoch die Gebühren tatsächlich sind, darüber kann die Feuerwehr jedoch keine Angaben machen. Wie der Sprecher 24hamburg.de sagte, berechnet sie sich aus dem Stundensatz für den Einsatz der Feuerwehrleute. Hinzu kommen dann auch noch mögliche Fahrzeugkosten. Bei der Gebührenordnung richte man sich an anderen Bundesländern wie Berlin oder Brandenburg, die ebenfalls die Tierrettung schon in Rechnung stellen.

„Wir werden vorab keine konkreten Angaben zu den Kosten machen“, sagte der Sprecher. Denn der Aufwand sei unterschiedlich groß. Die Katze im Baum mache weniger Arbeit als das Pferd, das aus dem Graben gezogen werden müsste. Anrufer würden aber vor Beginn des Einsatzes daraufhin hingewiesen, dass Gebühren anfallen könnten. Dann können sich die Besitzer jedenfalls noch überlegen, ob sie lieber abwarten wollen. Vielleicht kommt der geliebte Fellfreund dann ja doch noch selber vom Baum herunter.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa/picture-alliance

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