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Das Ende der Einsamkeit: Elefant Kaavan ist im Schutzgebiet angekommen

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Von: Mirja Mader

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Schlechte Haltungsbedingungen und Einsamkeit machten ihn weltberühmt. Nun ist Elefant Kaavan in seiner neuen Heimat angekommen. Einem Schutzgebiet in Kambodscha mit Artgenossen.

Islamabad/Phnom Penh - Selten wird ein Elefant weltberühmt. Im Falle Kaavans hat es einen traurigen Hintergrund: Seine miserablen Lebensbedingungen im Zoo der pakistanischen Hauptstadt Islamabad machten auf das Tier aufmerksam. Jahrelang war der 35 Jahre alte Dickhäuter in einem kleinen Gehege angekettet. Nun soll seine von Leid geplagte Geschichte ein Ende haben.

Staat:Königreich Kambodscha
Hauptstadt:Phnom Penh
Einwohnerzahl:16.005.000 (2017)
Staatsform:parlamentarische Wahlmonarchie
Fläche:181.040 km²

Nach monatelanger Vorbereitung durch Tierschützer auf die Reise, war Kaavan in Kambodscha angekommen. Dies teilte der Sprecher der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, Martin Bauer, der Deutschen Presse-Agentur mit. Am Tag zuvor war das Tier mit Tierärzten in Pakistan aufgebrochen. In Kambodscha findet Kaavan, der als „einsamster Elefant der Welt“ bekannt wurde, in einem Schutzgebiet ein neues Zuhause.

Schrittweises Kennenlernen der Elefantendamen im neuen Zuhause

Kaavan werde einige Zeit brauchen, um sich einzugewöhnen, sagte der kanadische Elefantenexperte Darrick Thomson. 35 Jahre lang habe er schließlich nur wenig Platz für sich gehabt. Der Elefant war als einjähriges Baby nach Pakistan gekommen, hatte jahrelang in einem kleinen Gehege im Marghazar-Zoo in Islamabad in Ketten gelegen. Er war ein Geschenk der Regierung Sri Lankas an den ehemaligen Diktator und General Zia ul-Haq.

Der Elefant Kaavan geht im „Kulen Prom Tep Wildlife Sanctuary“ in der Provinz Oddar Meanchey in einem Gehege.
In dem kleinen Gehege soll sich Kaavan zunächst an sein neues Zuhause gewöhnen. © picture alliance / dpa / Environment Ministry

Weil er so lange so isoliert war, könnte Kaavan anfangs möglicherweise aggressiv auf die neuen Bedingungen reagieren, sagte Thomson. „Aber es ist eine positive Veränderung für ihn, viel besser als sein tristes Dasein bisher. Und er hat sofort Gesellschaft, wenn auch zu Beginn durch einen Zaun und Wände getrennt.“ Niemand könne absehen, wir er auf die Elefantenkühe reagiert. „Wir wollen Verletzungen vermeiden.“ Später soll es dann schrittweise direkten Kontakt zu den Artgenossinen geben, „und dann sehen wir weiter.“

Kaavan muss zunächst in Quarantäne, später soll auch er sich frei bewegen können

„Wir haben ein 3000 Quadratmeter großes Quarantäne-Gebiet für ihn eingerichtet, samt Wasserloch“, sagte Thomson, der an den Arbeiten für Kaavans Ankunft mitgewirkt hat. „Da ist er ganz in der Nähe von unseren Elefantendamen, das wird ihm gefallen.“ Den ganzen Tag über können die Dickhäuterinnen in dem riesigen Schutzgebiet herumspazieren, nur abends kommen sie zurück in ihre kleineren Gehege. „Wir haben hier viel Platz, 12.000 Hektar“, erzählte Thomson. Später soll sich auch der „Neue“ frei in der herrlichen Natur bewegen dürfen.

Der Elefant Kaavan (l) berührt im „Kulen Prom Tep Wildlife Sanctuary“ in der Provinz Oddar Meanchey durch einen Zaun hindurch mit seinem Rüssel den Rüssel eines anderen Elefanten in einem anliegenden Gehege.
In dem Schutzgebiet in Kambodscha findet Kaavan, der als „einsamster Elefant der Welt“ bekannt wurde, ein neues Zuhause. Zunächst ist er in einem kleineren Gehege untergebracht, um sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen - und an seine neue Familie. Später soll sich Kaavan in dem Schutzgebiet frei bewegen können. © picture alliance / dpa / Four Paws

Schon vor drei Jahren seien in Kambodscha erste Arbeiten für Kaavan aufgenommen worden. Dann wurden sie wieder eingestellt. „Wir dachten: ‚Das wird nie passieren, sie werden ihn nicht gehen lassen‘“, sagte Thomson. Nun liege eine glückliche Zukunft vor dem Elefanten. „Er wird das Grasland, die Wälder und die Wasserlöcher lieben.“

Monatelange Vorbereitung für den Flug nach Kambodscha

Tierschützer hatten den Elefanten in den vergangenen Monaten auf seinen Flug nach Kambodscha vorbereitet. Dort soll Kaavan ein neues Zuhause finden. Er wurde an einen maßgefertigten Transportkäfig gewöhnt und auf Diät gesetzt. 

Amir Khalil, Tierarzt bei Vier Pfoten, der in den vergangenen Wochen nicht von Kaavans Seite gewichen ist, hatte den Elefanten auf Diät gesetzt. Langsam setzte er seinen täglichen Futterbedarf von 200 auf etwa 30 Kilogramm Zuckerrohr herunter. Mehrere Hundert Kilo Gewicht habe Kaavan dadurch geschätzt abgenommen. Ein riesiger Aufwand, um einem einzigen Elefanten die Freiheit zu schenken, Kritiker gibt es jedoch kaum.

Amir Khalil, Tierarzt der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, begrüßt im Zoo Islamabad den Elefanten namens Kaavan.
Amir Khalil, Tierarzt der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, begrüßt Elefant Kaavan im Zoo Islamabad. © Arne Immanuel Bänsch / picture alliance / dpa

Auch Pop-Ikone Cher reiste nach Pakistan, um den Elefanten zu begleiten. Sie hatte seit 2016 mit einer Kampagne für Kaavans Freiheit gekämpft. Die 74 Jahre alte Sängerin war nach Pakistan gereist, um das Tier dort zu verabschieden, flog dann weiter nach Kambodscha und wartete auf dem Flugfeld, wie Bauer bestätigte. Die Reise des Elefanten bereiteten zuletzt vor allem Mitarbeiter der Tierschutzorganisation Vier Pfoten vor. Das Team hatte Kaavan im September auf Reisetauglichkeit untersucht. Vor dem Flug gab es noch eine Reihe von Herausforderungen für den „einsamsten Elefanten der Welt“.

Elefantentrainer trainiert Kaavan für den Flug in der Transportbox ohne Betäubung

Um den tonnenschweren Fluggast transportfähig zu machen, war ein deutscher Elefantentrainer eingereist. Er bereitete Kaavan auf den Flug in einer maßgefertigten Transportbox vor. „Wir machen uns zunutze, dass sie Futter mögen“, sagte Ingo Schmidinger im Zoo am Fuße der Margalla-Hügel. So gewöhnt er Kaavan mit Melonen, Äpfeln und Gemüse an die Transportbox. „Elefanten lernen sofort“, sagte der Experte. „Und das Schöne dabei ist, dass sie es gerne machen“.

Elefantentrainer Ingo Schmidinger füttert Kaavan vor der Reise und gewöhnt ihn an die Transportbox.
Elefantentrainer Ingo Schmidinger füttert Kaavan vor der Reise und gewöhnt ihn an die Transportbox. © Arne Immanuel Bänsch / picture alliance / dpa

Das Training sei notwendig, erklärte Schmidinger. Einen Elefanten könne man während des mehrstündigen Flugs nicht einfach betäuben. „Kaavan soll bei der Reise völlig wach und bei Bewusstsein bleiben“. So könne der Elefant Bewegungen im Flugzeug ausgleichen. Tierärzte passten im Flugzeug auf und versorgten den Dickhäuter mit Wasser und Essen.

Zur Abreise aus dem Zoo waren schließlich Dutzende Gäste gekommen, als der Elefant in seiner Transportbox mit einem Kran aus dem Gehege gehievt wurde. „Wir entschuldigen uns dafür, dass wir uns nicht gut um ihn kümmern konnten, und verabschieden uns von Kaavan“, sagte Senator Faisal Javed vor Journalisten.

Ein Kran setzt den Dickhäuter in seinem Gehege im Marghazar-Zoo für den Weitertransport über.
Helfer hatten den Elefanten Kaavan auf seine Reise nach Kambodscha vorbereitet. Ein Kran setzte den Dickhäuter in seinem Gehege im Marghazar-Zoo für den Weitertransport über. © Arne Immanuel Bänsch / picture alliance / dpa

Während des Flugs sei alles gut gegangen: „Kaavan hat gegessen, war nicht gestresst, er schlief sogar ein wenig im Stehen, an die Wand der Transportkiste gelehnt. Er benimmt sich wie ein ‚Vielflieger‘“, sagte Amir Khalil. „Der Flug war ereignislos, was alles ist, was man sich wünschen kann, wenn man einen Elefanten transferiert.“

Cambodia Wildlife Sanctuary empfängt seinen neuesten Bewohner

Im Cambodia Wildlife Sanctuary im Norden Kambodschas wurden derweil ebenfalls seit Wochen Vorbereitungen getroffen. Das Team der Tierschützer musste in Kambodscha zunächst wegen der Corona-Pandemie in Quarantäne gehen. Unterdessen wurde Kaavan weiter in das Schutzgebiet transportiert. Zunächst soll Kaavan in einem kleineren Gehege untergebracht werden, um sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen und an seine neue Familie. Diese besteht vor allem aus drei Elefantenkühen namens Diploh, Arun Reah und Sarai Mia. Später soll sich sich der Elefantenbulle in dem Schutzgebiet frei bewegen können.

Kaavan habe infolge seiner Vergangenheit psychische Probleme entwickelt, sagte Tierarzt Amir Khalil. Nur wenige Pfleger hatten sich um den Elefanten so intensiv gekümmert. Außerdem war Kaavan nach dem Tod einer Elefantendame vor acht Jahren allein. Sein Vertrauen gewann Khalil mit Musik: Immer wieder hat er ihm Frank Sinatras Klassiker vorgesungen. Und tatsächlich wirkt der Elefant zutraulich. „Er ist viel ruhiger“, sagte der Österreicher Khalil.

„Ich fühle mich verpflichtet, ihm die Möglichkeit zu geben, Elefant zu sein“, sagte Khalil. Nur noch ein paar Tiere waren zuletzt im Marghazar-Zoo. Einige Affen, ein einsames Reh und zwei Bären, die nach Jordanien gebracht werden sollen. Viele andere Tiere im Zoo hatten wegen der schlechten Haltungsbedingungen ihr Leben verloren. Kaavan blieb als einer der Letzten, sagt der 56 Jahre alte Tierarzt. „Er ist ein Symbol für Hoffnung, Kaavan war der Botschafter für alle Tiere hier.“ Mit Material der dpa.

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