Tierschützer auf 180

Tierschutz-Skandal: Warum die Suche nach dem Coronavirus-Impfstoff Haie gefährden könnte

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus läuft auf Hochtouren. Weltweit testen Forscher derzeit verschiedene Mittel. Unter anderem wird mit Squalen experimentiert – einer Substanz, die in Haien zu finden ist. Tierschützer warnen daher vor einer Massentötung von Haien.

  • Forscher suchen weltweit nach einem Coronavirus*-Impfstoff.
  • Unter anderem wird mit einer Hai-Substanz experimentiert.
  • Tierschützer schlagen Alarm: Werden Millionen Haie für Forschung getötet?

Venice/Kalifornien – Müssen bald eine halbe Million Haie für einen Impfstoff gegen das Coronavirus sterben? Tierschützer der Organisation „Shark Allies“ befürchten genau dieses Szenario. Die Tiere produzieren in ihrer Leber den Wirkstoff Squalen, welcher für einen potenziellen Impfstoff gegen Covid-19 eingesetzt werden könnte.

Fische Haie
Wissenschaftlicher NameSelachimorpha
Lebenserwartung20 – 30 Jahre (In der Wildnis)
Geschwindigkeit50 km/h (Maximum, Erwachsener, Im Wasser, In kurzen Stößen)
Höhere KlassifizierungPlattenkiemer
KlasseKnorpelfische (Chondrichthyes)
RangÜberordnung

Coronavirus-Sars-Cov-2: Müssen Haie für Impfstoff sterben? Tierschützer befürchten Massenmord

Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus steigen weltweit, auch in Deutschland ist die zweite Welle, vor der ein UKE-Experte gewarnt hatte*, längst da. Die Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19 läuft auf Hochtouren. Unter anderem wird in der Forschung derzeit mit Squalen experimentiert, einer Substanz, welche vorwiegend in der Leber bestimmter Haiarten zu finden ist. Bei Squalen handelt es sich um Öl, welches laut Angaben der Tagesschau hauptsächlich in der Kosmetikindustrie und in Nahrungsergänzungsmitteln zum Einsatz kommt.

Müssen für die Herstellung eines Coronavirus-Impstoffs bald eine halbe Million Haie getötet werden? Tierschützer schlagen Alarm (24hamburg-Montage)

Squalen kann auch die Wirkung von Impfstoffen verstärkten. Das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) will bei der Suche nach einem Coronavirus-Impfstoff nach eigenen Angaben eine Milliarde Dosierungen des Wirkverstärkers AS03 produzieren, wobei große Mengen an Squalen zum Einsatz kämen.

Coronavirus-Impftoff: Tierschützer von „Shark Allies“ protestieren gegen Ausbeutung von Haien

Hier schreiten Tierschützer der Organisation „Shark Allies“ protestierend ein und zeigt ein drastisches Szenario auf: Wenn jeder Mensch auf der Welt eine Impfung erhalten, welche auch den Squalen-Wirkverstärker enthielt, dann müssten dafür eine Viertelmillion Haie getötet werden. Bei doppelter Dosierung müssten sogar eine halbe Million Haie dafür sterben. Stattdessen appellieren die Aktivisten, das Squalen aus anderen Quellen zu beziehen, da es beispielsweise auch in bestimmten Pflanzenarten wie Zuckerrohr auftritt.

Mit einer Petition wollen die Mitglieder von „Shark Allies“ die Forschung nach einem Coronavirus-Impfstoff mit nicht-tierischem Squalen erreichen. Darin schreiben sie, dass einige Haiarten sowieso schon bedroht seien und die Tierpopulation einer weiteren Ausbeutung nicht mehr standhalten könne. „Etwas von einem Tier zu gewinnen, ist niemals nachhaltig“, kritisiert Stefanie Brendl, die Vorsitzende der Organisation. „Besonders wenn es ein Raubtier ist, dass sich gar nicht in großen Zahlen weitervermehrt“

Müssen Haie für die Suche nach Coronavirus-Impfstoff sterben? Forscher kritisieren Tierschützer

Das Pharmaunternehmen GSK weist Vorwürfe der Tierschutzorganisation ab. Gegenüber dem ARD-Faktenfinder erklärte der Konzern, dass die Zahlen, mit denen „Shark Allies“ rechnen würde, falsch seien: Für die Herstellung von einer Milliade Impfstoff-Dosen würde weitaus weniger Squalen verwendet werden, als von den Aktivisten angegeben. Wieviel Squalen genau benötigt wird, darüber machte GSK keine Angaben.

Eine ähnliche Ansicht teilte Dr. Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut gegenüber der Bild: Die Zahlen, mit denen „Shark Allies“ rechnen würde, seien „übertrieben und unseriös“. Weiter erklärt die Forscherin: „Von den Impfstoffkandidaten, die gerade in der Phase III sind, ist mir kein einziger bekannt, der Squalen benutzt“

Auch am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE)* geht die Testung bestimmter Wirkstoffe in die heiße Phase, darüber berichtet unter anderem der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Die Coronavirus-Infektionszahlen steigen auch in der Hansestadt weiter an – Hamburg könnte ein zweiter Lockdown bevorstehen*, wie 24hamburg.de* berichtete. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/Global Finprint/dpa/picture alliance

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