Nach Wal-Strandungen in Australien

Massengrab Tasmanien: Schockierende Zahlen – So wenig Wale entkommen Tod

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Hunderte Grindwale sind vor der australischen Insel Tasmanien gestrandet. Rettern bleibt nur wenig Zeit, um die Tiere zu retten – die Todeszahlen sind schockierend. Experten spekulieren über die Ursachen hinter dem Wal-Sterben.

  • Australien: Fast 500 Grindwale vor Küste (Tasmanien) gestrandet.
  • Nur 108 Tiere davon überlebten.
  • Wal-Experten rätseln über Ursachen und stellen eine ernüchternde Prognose auf.

Update vom Montag, 28. September 2020, 15:18 Uhr: Tasmanien – Die Zahlen schockieren: Knapp 500 Wale sind insgesamt vor der Küste Australiens gestrandet. Nur 108 davon konnten Hilfskräfte vor dem Tod retten, alle weiteren Grindwale sind qualvoll am Strand verendet. Helfer gaben an, keine weiteren lebenden Wale mehr entdeckt zu haben. Die Kadaver der toten Wale sollen mithilfe von Booten hinaus ins Meer geschleppt werden. Bei der Massenstrandung soll es sich nach Informationen vom Schweizer Bauer um die Größte handeln, die Australien jemals verzeichnet hat.

TiereGrindwal
Wissenschaftlicher NameGlobicephala melas
Länge5,7 m (Erwachsener)
Gewicht800 kg (Erwachsener)
Höhere KlassifizierungGrindwale
Tragzeit16 Monate
FamilieDelfine (Delphinidae)

Australien: Plastikmüll und Lärm killen knapp 400 Wale – Experten mit Schock-Prognose

Erstmeldung vom Mittwoch, 23. September 2020, 15:48 Uhr:Tasmanien – Noch nie strandeten so viele Wale vor der Küste Australiens: Knapp 500 Grindwale wurden seit Montag, 21. September in der Port Macquarie-Bucht angespült. Die Ausmaße sind katastrophal: Örtlichen Behörden zufolge sind etwa 380 Tiere bereits gestorben. 30 Wale sind noch am Leben und 50 Tiere konnten bereits gerettet werden.

Massenhaft Grindwale sind seit Montag, 21. September 2020, vor der australischen Küste gestrandet. (Screenshot)

Wal-Sterben in Australien (Tasmanien): Experten sprechen von Rekordzahlen – Fotos zei

Experten sprechen von der größten Wal-Strandung, die der Kontinent je erlebt hat. Was sich vor der australischen Küste bei Tasmanien abspielt, „sprengt alle Dimensionen“, meint der Meeresbiologe Fabian Ritter von der Whale and Dolphin Conservation (WDC), gegenüber der Süddeutschen Zeitung Selbst die örtliche Presse (Sydney Morning Herald) spricht von einem „Walfriedhof“.

Fotos, die von australischen Medien veröffentlicht wurden, machen das verheerende Ausmaß der Wal-Katastrophe sichtbar: Eine Aufnahme vom Mittwoch, 23. September 2020, zeigen massenhaft gestrandete Tiere. Dicht an dicht treiben sie im seichten Wasser an einem Strand der Küstenstadt Strahan. Auch Fotos vorheriger Tage zeigen, wie die Flossen der gestrandeten Grindwale aus dem Wasser ragen. Ähnlich drastische Bilder gibt es auch von dem Tiersterben in Russland.*

„Wir haben es hier seit Tagen mit großen gestressten Tieren zu tun“, sagte der Biologe Kris Carlyon vom Tasmania Parks & Wildlife Service. Die noch lebendigen Wale würden sich aus ihrer Not heraus sogar untereinander zurufen. Örtliche Retter setzten bereits alles in Gang, um die Grindwale vor dem Tod zu bewahren. Mithilfe von Schlingen, die an Booten befestigt sind, werden die Tiere wieder zurück ins Meer gezogen. Doch leichter gesagt, als getan: Viele der gestrandeten Wale sind mit Booten kaum zugänglich, die Rettungsarbeiten werden wohl noch einige Tage andauern. Unklar ist außerdem noch, was mit den Wal-Kadavern geschehen soll.

Australien: Wale stranden vor Küste in Tasmanien – Experten spekulieren über Ursachen

Das massenhafte Wal-Stranden vor Australien macht sogar Experten stutzig: Es sei zwar nicht ungewöhnlich, dass gelegentlich Wale an der Küste Tasmaniens stranden – doch dass sich die Tiere in so großer Menge in die Macquarie-Bucht verirrt haben, ist laut Fabian Ritter, „höchst ungewöhnlich". Der Hintergrund: Der Buchteingang ist nicht besonders groß und das Wasser davor relativ flach – normalerweise gäbe es für die Grindwale keinen Anlass, sich dorthin zu bewegen.

„Die Desorientierung der Tiere muss also weit vor der Küste begonnen haben“, vermutet Fabian Ritter. Dass sie dann in die Bucht geschwommen sind, könne nur bedeuten, dass sie sich komplett verirrt haben und in Panik geraten sind. Über die genauen Hintergründe des Phänomens kann Ritter nur Vermutungen anstellen. Denkbar wäre, dass Leittiere der gestrandeten Walherden – beispielsweise durch den Verzehr von Plastikmüll im Meer – erkrankt sind und die Orientierung verloren haben.

Leittiere der gestrandeten Walherden könnten sich mit Plastikmüll vergiftet haben und die restlichen Tiere dadurch orientierungslos in die Bucht geführt haben. (24hamburg-Montage)

Eine andere mögliche Erklärung wäre, dass die Tiere durch Unterwasserlärm von militärischen Übungen oder Rohstoff-Suchen aufgescheucht wurden. „Ich vermute, dass verschiedene Faktoren in diesem Fall auf sehr ungute Weise zusammengespielt haben“, sagt Fabian Ritter, der sich seit mehr als 20 Jahren mit Grindwalen beschäftigt

Rettung der gestrandeten Grindwale in Australien: Experten liefern ernüchternde Prognosen

Viel Hoffnung, dass noch viele Wale überleben werden, bleibt den Beteiligten nicht. Grindwale seien soziale Tiere, die selbst nach ihrer Rettung wieder Richtung Strand zurückkehren, um in der Nähe der anderen kranken oder gestorbenen Artgenossen zu sein. „Weil sie wissen, dass sie als Individuen nicht überleben“, erklärt Fabian Ritter. Auch die Prognose des Meeresbiologen Kris Carlyon ist eher ernüchternd: „Es gibt wenig, was wir tun können, um solche Vorfälle in der Zukunft zu vermeiden“.

Das massenhafte Sterben der Grindwale in Australien erinnert auch an ein trauriges Phänomen, das sich in der deutschen Ostsee breit macht: Wie 24hamburg.de/tiere* berichtete, entdeckten Spaziergänger nahe Flensburg zahlreiche tote Fische*. Auch an der englischen Küste gab es im Sommer 2020 einen ekeligen Fund: Eine rätselhafte, übel riechende Kreatur wurde am Strand von Ainsdale angespült* und machte Anwohner stutzig. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Stefan Sauer/dpa/picture alliance & TASMANIA POLICE/AP/dpa/picture alliance

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