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Tropische Riesen-Zecke in RLP aufgetaucht – Blutsauger überträgt tödliche Krankheit

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Von: Marten Kopf

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Rheinland-Pfalz - Hyalomma-Zecken mögen trockene Hitze, leben eigentlich in Afrika – tauchen immer häufiger aber auch hierzulande auf. Ihr Biss kann ein tödliches Fieber übertragen.

Das Wörtchen „invasiv“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „einfallen“ oder „eindringen“. Wenn Biologen von invasiven Tierarten sprechen, sind solche Arten gemeint, die sich in einem Ökosystem ausbreiten, in dem sie sonst nicht heimisch sind. Das passiert immer wieder auf unterschiedlichste Art und Weise – und betrifft die unterschiedlichsten Arten. In diesem Sommer sind es unter anderem tropische Zecken, die Forschern Sorgen bereiten, berichtet LUDWIGSHAFEN24. Die nämlich tauchen vermehrt in Rheinland-Pfalz auf.

Tropische Riesen-Zecke in Rheinland-Pfalz aufgetaucht: „Sie rennt, sie ist schnell“

Das heiße und trockene Sommerwetter begünstigt die Ausbreitung einer bislang vor allem in Afrika heimischen Zeckengattung. Die nach ihrem Gattungsnamen als Hyalomma bezeichnete Zecke werde in diesem Jahr häufiger beobachtet als im vergangenen, eher feuchten Jahr, sagt die Stuttgarter Forscherin Ute Mackenstedt nach aktuellen Hinweisen aus der Vorderpfalz. Hyalomma befällt vor allem Pferde und andere große Säugetiere, aber auch Menschen.

„Dieses Tier ist uns bisher nie untergekommen“, berichtet die Reiterin Susanne Mengelberg in Bobenheim-Roxheim (Rhein-Pfalz-Kreis) der Deutschen Presse-Agentur. Auffallend seien die besondere Größe und die gestreiften Beine. Innerhalb von wenigen Tagen sei die Zeckenart fünfmal aufgetaucht, habe Bisswunden und Saugstellen an besonders empfindlichen Stellen der Pferdehaut hinterlassen. „Sie rennt, sie ist schnell.“

Gemeiner Holzbock und Hyalomma marginatum
Die Zecken Gemeiner Holzbock (links, Ixodes ricinus) und Hyalomma marginatum liegen zum Größenvergleich nebeneinander. Funde mehrerer tropischer Zecken in Deutschland beunruhigen Forscher. © Lidia Chitimia-Dobler/dpa

Rheinland-Pfalz: Afrikanische Zeckenarten gelangen mit Zugvögeln zu uns

In der Nähe der Reiterwiesen bei Bobenheim-Roxheim gibt es mehrere Weiher mit vielen Kanada- und Graugänsen. „Wir gehen davon aus, dass Hyalomma mit Zugvögeln in unsere Breiten gelangen“, sagt Expertin Mackenstedt, die im Fachgebiet Parasitologie an der Universität Stuttgart-Hohenheim forscht. Im Entwicklungsstadium der Nymphe saugen sich die Zecken an den Vögeln fest, fallen dann ab und entwickeln sich bei günstigen Wetterbedingungen zu erwachsenen Tieren.

„Das Auftreten von Hyalomma stimmt sehr gut mit den Strecken des Vogelflugs überein“, sagt Mackenstedt. Dazu gehört das Rheintal. Nachweise gibt es auch für Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. „In den nächsten Jahrzehnten könnte es mit dem Klimawandel dazu kommen, dass sich eine Hyalomma-Art hier festsetzen und heimisch werden kann“, so die Wissenschaftlerin. Der Klimawandel ist auch einer der Gründe, weshalb sich gefährliche Giftspinnenarten zunehmend in Europa ausbreiten, wie echo24 berichtet. Enge Verwandte der Zecken übrigens, denn auch die gehören zu den Spinnentieren.

„Hyalomma marginatum“: Riesenzecke kann tödliches Krim-Kongo-Fieber übertragen

Ähnlich wohl unter den zunehmend wärmeren Umweltbedingungen im Südwesten unseres Landes fühlen sich aber auch andere eingeschleppte Tierarten. Die durchaus gruselig anmutende Nosferatu-Spinne etwa wird seit einigen Jahren ebenfalls immer häufiger in Rheinland-Pfalz gesichtet. Aber auch im benachbarten Baden-Württemberg breitet sie sich mittlerweile aus.

Dort wiederum sorgt man sich in diesem Jahr vor allem um die Ausbreitung der Kalifornischen Kettennatter, die dem Ökosystem zusetzt. Für den Menschen allerdings ist die Natter – übrigens ebenso wie die Nosferatu-Spinne – ungefährlich. Anders die Zecke: Hyalomma-Zecken können das Krim-Kongo-Fieber übertragen, eine Virusinfektion mit hoher Sterblichkeit. In der Türkei etwa sind seit 2002 Tausende von Menschen daran erkrankt.

Eingeschleppte Zeckenarten: „Hoffe sehr, nie wieder einer Hyalomma zu begegnen“

Je nach der Menge gesogenen Blutes legt Hyalomma bei jeder Eiablage nahezu 2.000 Eier. „Die hohe Zahl von Nachkommen ist ein Faktor, der der Zecke die Eroberung eines neuen Lebensraumes erleichtern kann“, erklärt das Robert Koch-Institut.

Das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz warnte schon 2018 vor den Hyalomma-Zecken – auch damals war der Sommer besonders trocken und heiß. Das Auftreten von Hyalomma ist aber weder melde- noch anzeigepflichtig. Die Behörden haben damit auch keine Informationen über die aktuelle Verbreitung. Reiterin Susanne Mengelberg ist besorgt: „Ich hoffe sehr, nie wieder einer Hyalomma zu begegnen.“ (mko/dpa)

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