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ZDF will Mannschaft jetzt Frauschaft nennen – und kassiert Shitstorm

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Von: Ulrike Hagen

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ZDF-Sportstudio startet Debatte, ob es Nationalfrauschaft statt Frauen-Nationalmannschaft heißen sollte. Gender-Irrsinn oder zeitgemäß? Das Netz jedenfalls tobt.

Mainz – Gendern bleibt auch im noch ganz jungen 2022, in dem einige neue Gesetze und Änderungen unseren Alltag ändern werden, ein Riesenthema. Nachdem gerade erst ein Gutachten über Gender-Sprache Behörden quasi via Grundgesetz in die Pflicht genommen hat, legt das ZDF mit einer Frage nach, die im Netz die Gemüter hochkochen lässt: „Ihr denkt meistens an Männer-Teams, sobald von einer Nationalmannschaft die Rede ist? Das ist nachvollziehbar. Schließlich beinhaltet das Wort selbst auch schon den „Mann“. Bei den weiblichen Teams ist dann häufig von Frauen-Nationalmannschaften oder Damen-Nationalmannschaften die Rede. Aber könnte nicht auch einfach von einer Frauschaft gesprochen werden?“ lautet der Instagram-Post.

Fernsehnetzwerk:Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)
Hauptsitz:Mainz
Gründung:1961
Intendant:Thomas Bellut

ZDF regt an, Frauschaft statt Mannschaft zu sagen – Shitstorm für Gendersprache-Vorschlag

Und während in Hamburg bereits offiziell gegendert wird und inzwischen auch jedes dritte Unternehmen gendert*, zeigt sich in den Reaktionen auf den ja eigentlich recht unschuldigen Post schnell deutlich, dass dieser Vorstoß für viele Fans des „Sportstudios“ deutlich über die Schmerzgrenze geht: „Ich weiß nicht, wo dieser Quatsch noch enden soll. Dieses Gegender geht mir langsam auf die Säckin“, watscht eine Userin die Sportredaktion ab. „Frauenmannschaft??!! Jetzt fehlen nur noch die Sternzeichen Wasserfrau, Steingams/-ziege , Schützin, Löwin, Jungmann/frau,....“, lästert ein anderer.

Mannschaftsfoto: Das Team der deutschen Fußball-Frauen-Nationalmannschaft.
Elf Frauen, eine Fußball-Nationalmannschaft? Oder doch eher eine Nationalfrauschaft, wie das ZDF-„Sportstudio“ anregt? © Karsten Lauer / Imago

ZDF Sportstudio – Fans lästern: „Absolut albern. Räumt eure Büros auf und plant Brückentage 2022“

Andere ätzen: „Wenn zwischen den Jahren in den Redaktionen Langeweile aufkommt! Absolut albern! Räumt lieber die Büros auf und plant eure Brückentage 2022“, äußert sich ein Instagram-Follower genervt über die Debatte. Und ausgerechnet auf dem Twitter-Account der Bild-Zeitung, die den Sportstudio-Post zitiert, regt sich User-Widerstand, der ganz andere gute Gründe gegen die Umbenennung anführt: „Frauschaft ist ein Wort. Es wurde in einer dunklen Zeit vor über 80 Jahren gern benutzt“. Tatsächlich war die NS-Frauenschaft die Frauenorganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei.

Der ZDF-Instagrampost mit dem Vorschlag, Frauschaft zu sagen
Frauschaft oder Mannschaft? ZDF-Sportstudio startet bei Instagram eine brisante Debatte. © Sportstudio/Instagram

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ZDF Sportstudio reagiert auf Shitstorm wegen Frauschaft-Vorschlag: „Auf Tugend der Sachlichkeit besinnen“

Das Sportstudio zeigt sich indes konsterniert ob des gewaltigen Echos: „Well, that escalated quickly. Noch einmal ein kurzer Hinweis von unserer Seite: Wie aus der Konzeption dieses Beitrags eigentlich hervorgehen sollte, stellen wir die Frage nach einer Begriffsänderung lediglich offen zur Diskussion. Also lasst uns doch einfach mal alle zusammen einmal durchatmen und auf die Tugend der Sachlichkeit besinnen, ok?“, heißt es.

ZDF verteidigt Gender-Vorschlag für Sport-Teams: „Frauschaft steht bereits im Duden“

Das ZDF erklärt weiter: „Ganz so abwegig ist das Ganze jedenfalls nicht. Denn der Begriff ‚Frauschaft‘ ist keine Erfindung unsererseits, sondern steht bereits im Duden und bedeutet ‚aus weiblichen Mitgliedern bestehendes Team‘.“ Ob das die Wogen glätten wird, bleibt abzuwarten. Auch schon große Unternehmen haben von Kunden harsche Kritik für ihre gendergerechte Sprache einstecken müssen: Edeka für sein „Student*innenfutter“*, der Discounter Penny für seinen gender-neutralen „Zipfelmensch“-Weihnachtsmann* oder der Versandhausriese OTTO, der einen Shitstorm für Gendersternchen erntete*,

Aber in Zeiten, in denen selbst Lego sein Spielzeug gendereutral gestalten will*, und sogar die katholische Jugend so progressiv ist, dass sie Gott gendern möchte*, ist das Selbstverständnis für die gendergerechte Anpassung von gebräuchlichen Worten wohl nur noch eine Frage der Zeit. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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