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„Wir suchen coole Typen“: Frau klagt wegen Job-Anzeige – 6.000 Euro „Entschädigung“

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Von: Ulrike Hagen

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Baufirma sucht „Mechaniker und Bauleiter“ und muss wegen Diskriminierung nun 6.000 Euro Entschädigung an Transgender-Frau zahlen.

Koblenz – Deutschland fehlen 465.000 Arbeitskräfte, der Fachkräftemangel ist dramatisch. Um im Wettbewerb um geeignetes Personal zu punkten, greifen viele Arbeitgeber darum zu ungewöhnlichen Methoden. Doch bei der Formulierung ihrer Stellenanzeigen treten dabei einige kräftig ins Fettnäpfchen. So auch ein Handwerksbetrieb, der von einer Bewerberin verklagt wurde, weil sie sich durch die Suche nach „coolen Typen“ diskriminiert fühlte. Ein Gericht entschied jetzt über den Fall.

Bundesgesetz:Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
Geltungsbereich:Bundesrepublik Deutschland
Erlassen am:14. August 2006
Rechtsmaterie:\tPrivatrecht, Arbeitsrecht

„Coole Typen gesucht“ – Frau klagt wegen Diskriminierung: 6.000 Euro Schadensersatz

„Wir suchen coole Typen – Anlagenmechaniker – Bauhelfer“, lautete die Stellenanzeige des Betriebes. Eine transsexuelle Elektrotechnikerin bewarb sich per E-Mail und unterzeichnete ihr Bewerbungsschreiben mit „Frau Markus“. Sie sei zwar ihrem biologischen Geschlecht nach ein Mann, fühle sich aber als Frau, so die Bewerberin. Ein Umstand, der nicht selten ist und zu bewussterem Umgang mit Sprache führt: „Kolleg*innen“ – jedes dritte Unternehmen gendert schon.

Handwerker und Jobaufruf „Wir suchen dich“.
„Wir suchen coole Typen“: Frau klagt wegen Job-Anzeige – 6.000 Euro „Entschädigung“ © Aviation-Stock/imago & Shotshop/imago

Transgender-Elektrotechnikerin bewirbt sich – Geschäftsführer leitet Mail an Kunden weiter

Doch nicht allein die Stellenausschreibung stieß der Bewerberin sauer auf, wie „handwerk.com“ berichtet. Sie erfuhr nämlich: Der Geschäftsführer des Betriebes leitete ihre Bewerbung per WhatsApp an eine Kundin weiter und kommentierte sie herablassend mit den Worten „Was läuft da nur falsch“ sowie einem Emoji mit heruntergezogenen Mundwinkeln. Das bringt das Fass zum Überlaufen. Die Elektrotechnikerin verklagt den Betrieb und fordert eine Entschädigung – wegen Alters- und sexueller Diskriminierung.

Wegen Alters- und sexueller Diskriminierung: Transsexuelle Elektrotechnikerin verklagt Handwerksbetrieb

Zum einen warf die Frau dem Betrieb Diskriminierung des Alters durch die Formulierung „Wir suchen coole Typen“ vor. Dies drücke aus, dass lediglich junges Personal gesucht werde. Zum anderen fühle sie sich ob ihrer sexuellen Identität und ihres Geschlechts diskriminiert, denn die Ausschreibung verwende nur die männliche Form. Ein Vorwurf, den sich nicht mal mehr Katholiken gefallen lassen möchten. Die männliche, weiße Vorstellung von Gott sei überholt und diskriminierend, darum soll Gott umbenannt werden.

Bewerberin klagt: Stellenanzeige verletzt das Allgemeine Gleichstellungsgesetz AGG

Die Bewerberin verklagte den Handwerksbetrieb vor dem Arbeitsgericht Koblenz auf Schadensersatz in Höhe von 10.200 Euro – unter Berufung auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Dieses verbietet unter anderem, Personen wegen ihres Alters, ihres Geschlechts oder ihrer ethnischen Herkunft zu diskriminieren. Das Gesetz ruft allerdings immer mal wieder Spaßvögel auf den Plan. „Das gibt ‘ne Anzeige“: Vater findet Mutter-Kind-Parkplatz diskriminierend.

Nicht-gegenderte Stellenanzeige ist diskriminierend, urteilt das Gericht

Das Gericht entschied – und gab der Klägerin in zwei von vier Punkten recht. Teilweise verstoße die Stellenausschreibung eindeutig gegen das AGG. Zwar sah das Gericht in der Formulierung „coole Typen“ kein Indiz für Alters-Diskriminierung, und auch der Begriff „Typ“ sei geschlechtsunspezifisch.

„Wir suchen coole Typen“: Frau klagt wegen Job-Anzeige – 6.000 Euro Entschädigung

Aber die Richter urteilten: Es liege tatsächlich eine Geschlechter-Diskriminierung vor, im Besonderen durch die „Wörter ‚Anlagenmechaniker‘ und ‚Bauhelfer‘ … die nahelegten, „dass die Beklagte tatsächlich männliche Typen sucht. […] Dies deutet darauf hin, dass sie sich auch nur an Männer und nicht an Personen anderen Geschlechts richten will“, zitiert „arbrb.de“ den Rechtsspruch.

Gericht entscheidet: Betrieb muss Frau 6.000 Euro Entschädigung zahlen

Zudem habe der Arbeitgeber mit der an die Kundin mit abfälligen Äußerungen weitergeleiteten WhatsApp gegen den Datenschutz verstoßen. Das Gericht fand zwar die eingeklagte Entschädigung von 10.200 Euro als zu hoch angesetzt, verurteilte den Betrieb jedoch, eine Entschädigung von 6.000 Euro zu zahlen.

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