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Wer viel putzt, stirbt früher: schädlich wie 20 Zigaretten am Tag

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Von: Christian Einfeldt

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Putzen und die hintersten Ecken von Staub befreien, war schon immer eine lästige Haushaltsaufgabe. Einer Studie zufolge ist es auch ungesund – wie 20 Zigaretten.

Bergen – Es ist eine Meldung, die pünktlich zum Frühjahrsputz sämtliche Motivation für ein sauberes Zuhause rauben könnte: Putzen würde der Gesundheit genauso schaden wie tägliches Zigarettenrauchen. Ob man sämtliche Schränke vom Staub befreien will, oder es sich mit einer Schachtel Zigaretten im Park gemütlich macht – beides hat demnach denselben Effekt. Schuld haben die ganzen Chemikalien. Sie schwächen die Lungenfunktion, wie es sonst nur 20 Zigaretten zustande bringen könnten.

Öffentliche Universität in Bergen, Norwegen:Universität Bergen
Studentenzahl:17.050 (2020)
Rektor:Margareth Hagen
Gründung:1946

Warum Putzen der Gesundheit schadet: „Wie Raucher, die täglich 20 Zigaretten konsumieren“

Über bestimmte Aktivitäten denken wir im Alltag gar nicht mehr nach. Man macht es einfach. Pflichtbewusste Menschen starten morgens ihren Tag, indem sie das Bett machen. Auf dem Weg zur Arbeit kratzen sie vielleicht ihre Autoscheibe frei – und abends könnten sie in ihrer Wohnung die Wäsche aufhängen. Dass sie dabei genau so eine Gefahr eingehen, wie wenn sie beim Putzen warmes Putzwasser benutzen, wissen jedoch nur die wenigsten.

Apropos putzen: Faulenzer verzichten auf diese alltägliche Aktivität gut und gerne mal. Und nun haben sie dafür sogar einen wissenschaftlichen Grund: Einer norwegischen Studie zufolge macht es für die Gesundheit keinen Unterschied, ob man seinen Tag mit Putzen – oder Zigarettenrauchen verbringt. Beide Handlungen würden die Lungenfunktion laut Online-Portal „heilpraxisnet.net“ gleichermaßen in Mitleidenschaft ziehen.

Wissenschaftler überprüfen gesundheitliche Auswertungen der Lungenfunktion nach dem Putzen

Die wissenschaftliche Fachzeitschrift „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“ dokumentiert die zitierte Studie aus Norwegen aus dem Jahr 2018. In einer Mitteilung sagte Øistein Svanes, federführender Studienautor der Universität von Bergen: „Menschen, die 20 Jahre lang als Reinigungskräfte gearbeitet oder im Haushalt geputzt haben, haben eine ähnlich stark reduzierte Lungenfunktion, wie Raucher, die täglich 20 Zigaretten konsumierten.“

Zu diesem zunächst überraschenden Ergebnis kamen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach entsprechenden gesundheitlichen Auswertungen, die die Lungenfunktion überprüft hatten. Konkret befassten sie sich dahingehend mit Daten der „European Community Respiratory Health Survey“.

Frau putzt Küche.
Laut einer norwegischen Studie ist Putzen genauso schädlich wie starkes Rauchen. (Symbolbild) © IMAGO / Cavan Images

Studie bestätigt: Putzen kann „Abnahme der Lungenfunktion beschleunigen“

Zwar fehlten der Forschung Daten, um Antworten über die langfristigen Auswirkungen des Putzens auf eine Asthma-Erkrankung zu finden – dass die Reinigungschemikalien das Risiko einer Asthma-Erkrankung um 40 Prozent erhöhen, würde jedoch genauso feststehen wie eine weitere besorgniserregende Folge: „Wir befürchteten, dass solche Chemikalien, indem sie Tag für Tag, Jahr für Jahr, die Atemwege stetig schädigen, die mit dem Alter auftretende Abnahme der Lungenfunktion beschleunigen könnten“, wird Forscherin Cecile Svanes, MD, PhD im Fachmagazin „EurekAlert!“ zitiert.

Tatsächlich fanden die Autoren heraus, dass sich die Lungenfunktion bei Reinigungskräften enorm verschlechterte. Ihre Lungenwerte seien demnach ähnlich schlecht wie die von Personen, die rund 20 Jahre lang täglich eine Packung Zigaretten rauchten.

Tipps für den Frühjahrsputz: „Eimer mit Wasser und Seife – Sie brauchen nicht viele Chemikalien“

Schuld haben also die Chemikalien. Wie man durch das Putzen konkret seine Gesundheit gefährdet, erklärt Wissenschaftler Øistein Svanes: „Wenn man sich vorstellt, kleine Partikel aus Reinigungsmitteln zu inhalieren, die dazu bestimmt sind, den Boden und nicht die Lungen zu reinigen, ist das vielleicht gar nicht so überraschend“. Darüber hinaus bestätigt der Forscher, dass „die kleinen Partikel aus den Sprays nach der Reinigung stundenlang in der Luft bleiben können“. Wenig später könnten sie dann „tief in die Lunge gelangen und Infektionen verursachen und die Alterung der Lungen beschleunigen“.

Einen Service-Tipp für alle, die sich jetzt vor dem Putzen fürchten, hat Øistein Svanes dennoch: „Ich würde bei der Reinigung einen Eimer mit Wasser und Seife empfehlen. Sie brauchen nicht viele Chemikalien zum Putzen. Mikrofasertücher können genauso effektiv sein.“ * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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