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Weltweit einzigartig: In Österreich gibt es bald sechs Geschlechter

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Von: Yannick Hanke

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Österreich will zum Vorreiter werden und künftig sechs Optionen für die Wahl des eigenen Geschlechts anbieten. Wie schaut es in Deutschland aus?

Wien – Was für ein Novum: Als erstes Land der Welt will Österreich bei der behördlichen Meldung für die Angabe des eigenen Geschlechts sechs Optionen anbieten. Das hat die Regierung in Wien im Juni 2022 beschlossen. Gemäß dem Entwurf für eine Novelle des Meldegesetzes soll künftig die Auswahl zwischen „männlich“, „weiblich“, „divers“, „inter“, „offen“ und „keine Angabe“ bestehen. Bisher gab es – anders als in Deutschland nur „männlich“ und „weiblich“.

Land in Europa:Österreich
Hauptstadt:Wien
Vorwahl:+43
ISO-Code:AUT
Bevölkerung:8,917 Millionen (2020)
Kanzler:Karl Nehammer

Österreich will sechs Geschlechter einführen – als weltweit erstes Land überhaupt

Wie unter anderem die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, kommt die österreichische Regierung damit einem Urteil des Verfassungsgerichtshofes aus dem Jahr 2018 nach. Menschen, die sich weder als eindeutig männlich noch weiblich identifizieren, hätten nach Auffassung der juristischen Instanz ein Recht auf eine entsprechende Eintragung im Personenstandregister sowie in Urkunden. Das dachten sich wohl auch die Eltern von dem Kind, das ohne Geschlecht aufwächst und schlicht „es“ genannt wird.

Im kleinen Bild ist eine Regenbogenflagge zu sehen. Im großen Bild ist die Skyline von Wien, Österreichs Hauptstadt, zu sehen. Das Land will als erstes weltweit sechs Geschlechter einführen.
Das wäre ein Novum und würde weltweit seinesgleichen suchen: Österreich will künftig sechs Geschlechter zur Auswahl stellen. (24hamburg.de-Montage) © imago

„Recht auf individuelle Geschlechtsidentität“ – Gericht beruft sich auf Menschenrechtskonvention

Das Gericht beruft sich auf Artikel 8 aus der Europäischen Menschenrechtskonvention (Achtung des Privat- und Familienlebens). Diese schützt auch die menschliche Persönlichkeit in ihrer Identität, Individualität und Integrität. Somit bestehe eben auch ein „Recht auf individuelle Geschlechtsidentität“. Das Grundsatzurteil erstritten hatte eine Person, die sich als intergeschlechtlich bezeichnet. Damit ist gemeint, dass sie körperliche Geschlechtsmerkmale aufweist, die nicht eindeutig männlich oder weiblich sind. Ebenfalls vor Gericht ging auch eine Person, die gegen die Deutsche Bahn klagte, da sich an der Anrede „Herr und Frau“ störte. Und das mit Erfolg, das Unternehmen muss ab 2023 gendern.

Österreich „erweitert“ die Geschlechter um „divers“, „inter“, „offen“ und „keine Angabe“

Darauf fußen künftig auch die neuen Auswahlmöglichkeiten bei der Angabe des eigenen Geschlechts in Österreich. Die neuen Optionen stehen allerdings nur den Menschen zur Verfügung, die auf Grundlage eines Fachgutachtens nachweisen können, dass sie körperlich nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuzuordnen sind. So geht es übrigens auch den Personen, die sich an der obligatorischen „Meine Damen und Herren“-Durchsage im Zug stören.

Die offizielle Anerkennung wurde vom der/dem intergeschlechtlich geborenen Alex Jürgen und dem „Rechtskomitee Lambda“ erstritten. Letzteres ist ein Verein dar, der sich in Österreich unter anderem für die Gleichberechtigung von homosexuellen und transidenten Menschen einsetzt.

Deutschland erlaubt nur vier Angaben: „männlich“, „weiblich“, „divers“ und „ohne Angabe“

Laut einem Bericht von „Die Presse“ ist die Gültigkeit der Novelle aber noch nicht final. Es handele sich bislang lediglich um eine interne Anweisung an Behörden. Eine verbindliche Rechtswirkung bestehe demzufolge noch nicht. Und doch besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass in Österreich bei der behördlichen Meldung für die Angabe des eigenen Geschlechts künftig sechs Optionen zur Verfügung stehen – „männlich“, „weiblich“, „divers“, „inter“, „offen“ und „keine Angabe“. Hierin würde sich wohl auch der transsexuelle Mann wiederfinden, der ein Kind zur Welt gebracht hat, aber nicht als „Mutter“ bezeichnet werden möchte.

Wie aber schaut es in Deutschland aus? Seit Dezember 2018 erlaubt das Personenstandsgesetz (PStG) vier Angaben zum Merkmal „Geschlecht“. Diese sind „männlich“, „weiblich“, „divers“ und „ohne Angabe“. Die beiden letztgenannten Optionen dürfen jedoch nur dann eingetragen werden, wenn weder eine Zuordnung zum männlichen noch zum weiblichen Geschlecht möglich ist.

Divers in Deutschland: Angabe zum Geschlecht zum Schutz vom „allgemeinen Persönlichkeitsrecht“

Laut den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder geht die Einführung der zusätzlichen Merkmalsausprägung „divers“ dabei auf ein Urteil vom Bundesverfassungsgericht zurück. Dieses hatte nämlich entschieden, „dass das allgemeine Persönlichkeitsrecht auch die geschlechtliche Identität derjenigen schützt, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen“. Das erinnert an den Streit zwischen einem Mann und seiner transsexuellen Nachbarin, die nach einem Gerichtsbeschluss eben nicht mehr „Rüdiger“ genannt werden darf.

Und eben jenen Personen wird mittlerweile das Recht eingeräumt, einen „positiven Geschlechtseintrag“ registrieren zu lassen. Die Angabe „divers“ würde den nunmehr dritten positiven Geschlechtseintrag darstellen. Gemeint ist hiermit eine Merkmalsausprägung des Geschlechts, die auf körperlichen, also primären und sekundären, Geschlechtsmerkmalen basiert. Von den Optionen „inter“ und „offen“, wie sie künftig in Österreich auswählbar sein sollen, ist jedoch keine Rede.

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