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Weil sie zu teuer sind: VW-Tochter Seat will keine E-Autos produzieren

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Von: Bjarne Kommnick

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Seat will mit Produktion von E-Autos noch warten. Erst, wenn die Herstellungskosten sinken, könne man über elektrische Modelle „nachdenken“.

Martorell – Wer auf die Automarke Seat schwört, der wird vorerst wohl nicht zum E-Auto Fahrer. Denn der Automobilhersteller kündigte an, sich mit elektrischer Energie noch Zeit lassen zu wollen. Gegenüber autocar.co.uk erklärte Werner Tietz, Vorstand für Forschung und Entwicklung bei Seat: „Die Elektrifizierung ist im Moment noch etwas teuer“. Ein möglicher Einstieg sei demnach erst denkbar, wenn die Produktionskosten gesunken sind.

AutomobilherstellerSeat
HauptsitzMartorell, Spanien
Gründung9. Mai 1950, Barcelona, Spanien
GründerInstituto Nacional de Industria

VW-Tochter Seat zögert noch mit E-Auto-Produktion: „Erst wenn Preise billiger sind“

Deshalb wolle der spanische Autohersteller zunächst seinen Fokus in Sachen Elektromobilität auf sein Tochterunternehmen legen, die sportliche und hochpreisige Marke Seat Cupra. „Wir denken, wir müssen uns auf die Elektrifizierung von Cupra konzentrieren, und wenn die Preise für die Komponenten sinken und Batterien und E-Autos billiger sind, dann können wir diskutieren und über Seat nachdenken“, so Tietz. Ist Elektroenergie also nur etwas für Reiche?

Seat will mit der Produktion von E-Autos warten, bis die Preise wieder fallen
Seat will mit der Produktion von E-Autos warten, bis die Preise wieder fallen. © Marijan Murat/dpa/Sebastian Geisler/Andreas Erhard/David Zorrakino/imago/Montage

VW-Tochter Seat gilt als günstige Marke – hohe Produktionskosten könnten Zielgruppe verprellen

Seat gilt als günstige Marke für preisbewusste Verbraucher. Diese Zielgruppe scheint die Volkswagen AG, zu der Seat gehört, nicht verlieren zu wollen. Denn teure Produktionskosten würden sich selbstverständlich auch auf den Endpreis für Käufer und Käuferinnen auswirken, deshalb gibt es Seat-Modelle in elektrischen Varianten vorerst nur bei der Rennsportmarke Cupra.

E-Autos nur in Sportmarke „Cupra“ von Seat– spricht aber „eine ganz andere Art von Kunden“ an

Wohl auch deshalb geht Tietz davon aus, dass es keine Überschneidungen bei den Zielgruppen geben werde, selbst wenn der elektrische Fokus nicht bei den Standardmodellen von Seat liegt. Das Angebot der beiden Marken würde laut Tietz eine unterschiedliche Art von Kunden ansprechen. „Wir haben eine sehr kleine Überschneidung von 10 bis 15 Prozent zwischen Seat- und Cupra-Kunden. Der Rest sind Neukunden. Auch im Volkswagen Konzern gibt es kaum Überschneidungen mit anderen Marken. Die Cupra-Kunden sind ganz anders.“

Doch selbst wenn Seat sofort auf Elektroenergie umsteigen wollen würde, wäre das wahrscheinlich gar nicht möglich. Denkbar, dass auch deshalb der Volkswagen-Konzern die Priorität für Elektroautos nicht bei Seat sieht. Denn VW kämpft derzeit mit langen Wartezeiten, Kunden droht Wegfall der Förderung, das Problem reicht so weit, dass E-Autos bei Audi, Porsche, VW und Skoda mit Wartezeiten bis für 2023 ausverkauft sind. Würde Seat nun auch auf Elektro umsteigen, würde sich das Problem wohl möglich noch erweitern.

E-Autoss oft mehr als doppelt so teuer wie Verbrenner

Doch auch mit Blick auf andere Hersteller wird klar, dass ein E-Auto immer noch eine hochpreisige Angelegenheit ist. Während auf dem deutschen Markt Verbrenner wie beispielsweise der Dacia Sandero für bereits 8.600 Euro oder der Fiat Panda für rund 11.000 Euro erhältlich sind, müssen Verbraucherinnen und Verbraucher für Elektroautos deutlich mehr Geld ausgeben. So stellt Dacia zwar auch das billigste Elektroauto auf dem deutschen Markt, jedoch müssen Fahrerinnen und Fahrer mit knapp über 20.000 Euro mehr als doppelt so viel für die elektrische Variante zahlen.

Auch der Fiat 500e ist mit rund 26.000 Euro mehr als doppelt so teuer als die günstigste Verbrenner-Variante des italienischen Autoherstellers. Doch es geht auch anders. Schaut man nach Asien wird klar: Wenn die Bedingungen stimmen, geht Elektroenergie auch billig. Das chinesische Versandunternehmen Alibaba wirbt mit einem Elektroauto für nur 1.600 Euro.

Elektroauto: Fahren in Europa weiterhin Luxus-Angelegenheit

Der Konkurrent und Autohersteller Changan Automobile startete zuletzt sogar die erste Massenproduktion für Wasserstoffautos. Für den Preis des billigsten Elektroautos auf dem deutschen Markt kann man in den USA ein Elektroauto mit Solarzellen kaufen und so sogar bis zu 65 Kilometer kostenlos fahren. In Europa hingegen bleiben Elektroautos vorerst eher eine Luxus-Angelegenheit. Doch so wie es scheint, können Seat-Fans hoffen. Denn zuletzt kündigte der Ford-Chef an, dass die Produktionskosten für Elektroautos in den kommenden Jahren signifikant sinken werden.

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