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Hirschhausen: „Zu jedem Kilo Fleisch sollte es 20 Liter Gülle dazugeben“

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Von: Anika Zuschke

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Fleischkonsum ist schlecht für die Umwelt. Das weiß auch Eckart von Hirschhausen und äußert eine irre Idee, den Fleischverzehr in Deutschland runterzufahren.

Frankfurt am Main – In den vergangenen Jahrzehnten ist der Fleischkonsum in Deutschland tendenziell zurückgegangen. Im Jahr 2020 lag der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch mit 57,3 Kilogramm so niedrig wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1989. Doch dem bekannten deutschen Arzt, Fernsehmoderator und Schriftsteller Eckhart von Hirschhausen ist das nicht genug. Er will mit deutlichen Worten dazu anregen, den Fleischkonsum in Deutschland zurückzufahren. Zum Wohle der Gesundheit jedes Einzelnen – und natürlich des Klimas. Dabei malt der Wissenschaftsjournalist ein sehr plastisches Bild von Fleisch mit Gülle an der Supermarktkasse – was dieser Vorschlag wohl bewirken soll?

Deutscher Arzt, Fernsehmoderator, Zauberkünstler, Kabarettist, Comedian und Schriftsteller:Eckart Axel von Hirschhausen
Geboren:25. August 1967 (Alter: 54 Jahre) in Frankfurt am Main
Geschwister:Christian von Hirschhausen
Neustes Buch:Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben\"

Eckhart von Hirschhausen ätzt gegen Fleischkonsum – für Umwelt und eigene Gesundheit

Dr. Eckart von Hirschhausen ist neben seinen Tätigkeiten als Autor, Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator auch Gründer der Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, die Zusammenhänge von Klimawandel, Umwelt und Gesundheit anschaulicher zu gestalten. Ebenfalls für das Klima setzt sich ein Fußballverein in England ein, der nur noch vegane Würstchen im Fußballstadion verkauft.

Auch das letzte Buch, das der Arzt herausgebracht hat, trägt den Titel „Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben“. Außerdem ist von Hirschhausen Mitglied bei „Scientists for Future“, Unterstützer der „Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit“ und setzt sich bereits seit 2018 für eine medizinisch und wissenschaftlich fundierte Klimapolitik ein.

Zusätzlich zu seinem umweltbewussten öffentlichen Engagement ernährt sich der deutsche Moderator von „Hirschhausens Quiz des Menschen“ auch privat vegan – zumindest diesen Januar. Schließlich ist der sogenannte „Veganuary“, bei dem Teilnehmer sich die ersten vier Wochen des Jahres nur rein pflanzlich ernähren dürfen*, ein wachsender Trend in der klimafreundlichen Filterblase. In einem „ganz persönlichen Text“ im „Focus“ möchte Hirschhausen die Leser davon überzeugen, auf den veganen Zug aufzuspringen und den eigenen Fleischkonsum drastisch zurückzufahren.

Von Hirschhausen: Industrielle Massentierhaltung ist ein Klimakiller – „Schlimmer als alle Autos, Schiffe und Flugzeuge zusammen“

Die industrielle Massentierhaltung gilt schon lange als Klimakiller: Im Jahr 2020 war die deutsche Landwirtschaft für etwa 8,2 Prozent der gesamten ⁠Treibhausgas⁠-Emissionen des Jahres verantwortlich. Laut Hirschhausen kommt die Massentierhaltung weltweit sogar auf einen höheren Ausstoß von Treibhausgasen als alle Autos, Schiffe und Flugzeuge zusammengerechnet.

Obwohl dieses Ausmaß inzwischen vielen Menschen bekannt ist und der Fleischkonsum in Deutschland stetig abnimmt, gilt global noch das absolute Gegenteil. Denn über Deutschland hinweg hat der jährliche Fleischverbrauch in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Lag der durchschnittliche weltweite Jahreskonsum 1990 noch bei 33,5 Kilogramm pro Kopf, waren es 2018 bereits 42,9 Kilogramm. Grund dafür sind vielerorts die geringen Kosten für Fleisch. Dass der pflanzliche Lebensstil nicht überall gut ankommt, stellt auch ein Spitzenkoch in Österreich unter Beweis, der keine Veganer in seinem Restaurant haben will*.

Von Hirschhausen macht einen bildlichen Vorschlag: „Zu jedem Kilo Fleisch sollte es 20 Liter Gülle dazugeben“

An dieser Stelle malt Dr. von Hirschhausen ein sehr deskriptives Bild der Folgen von billigem Fleisch, die sich in Kollateralschäden der Umwelt niederschlagen. Seiner Meinung nach werden diese Schäden nicht in den Preis für Fleisch einkalkuliert und sind deswegen für die Konsumenten unsichtbar. „Machen wir es mal anschaulich und stellen uns Folgendes vor“, schreibt der Arzt im „Focus“ und fährt fort: „Ab sofort gibt es an der Supermarktkasse für jedes Kilo Fleisch verpflichtend zwanzig Liter Gülle mit dazu. Und die Verkäuferin sagt: ‚Das haben Sie mit verursacht. Das nehmen Sie jetzt mit. Wollen Sie einen Deckel drauf oder geht das so? Viel Spaß beim Grillen!‘“. Die Anekdote beendet Hirschhausen mit den Worten: „Klingt lustig – und wir verstehen: Unser Fleischkonsum hat einen Preis. Den wir aber an der Supermarkttheke nicht sehen.“

Schweine stehen auf einem Acker und Eckart von Hirschhausen lächelt in die Kamera.
Arzt und Autor Eckart von Hirschhausen will ein neues Bewusstsein für den Fleischkonsum in Deutschland schaffen. (24hamburg.de-Montage) © Sina Schuldt/Monika Skolimowska/dpa

Deswegen wäre der 54-jährige Moderator dafür, bei Lebensmitteln eine CO2-Angabe dazuzuschreiben. Um „so ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass eine Rindfleischsuppe zehnmal so viel Treibhausgase erzeugt wie eine Gemüsesuppe“, erklärt Hirschhausen. Heimlich austauschen sollte man reguläres mit veganem Essen jedoch definitiv nicht – das machte eine junge Frau in den USA und landete dafür vor Gericht.

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Nicht nur das Klima spricht für fleischlose Ernährung – laut Hirschhausen auch die eigene Gesundheit

Ein weiterer Aspekt, der dem Arzt zufolge für eine fleischlose Ernährung spricht, ist die Gesundheit. „Eine pflanzenbasierte Ernährung bedeutet weniger Übergewicht, Diabetes und Herzkrankheiten“, zählt Hirschhausen auf und erklärt: „Eine Ernährung ist gesund, wenn sie eine vielfältige und abwechslungsreiche Auswahl an pflanzlichen Lebensmitteln enthält.“ Ausreichend Proteine würde man statt aus Fleisch auch beim Verzehr von Brokkoli, Rosenkohl, Linsen, Erbsen, Bohnen, Kürbiskernen, Walnüssen oder Mandeln erhalten.

„Weniger Fleisch zu essen ist also ein echter Verzicht, nämlich auf Herzinfarkt und Schlaganfall“, schließt von Hirschhausen in seinem „Focus“-Beitrag und statuiert deswegen: „Das Fleisch und ich – wir haben uns auseinandergelebt.“ Der Verzicht von Fleisch wäre vielleicht auch Tim Mälzer besser bekommen, der kassierte nämlich von Veganern einen regelrechten Shitstorm für Fleisch-Fotos auf Facebook. Ob Eckhart von Hirschhausen mit seiner Idee von Fleisch mit Gülle im Supermarkt andere Menschen von einer veganen Ernährung überzeugen kann, steht jedoch in den Sternen. * 24hamburg.de, kreiszeitung.de und bw24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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