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Veganer kauft Obdachlosem kein Brötchen – weil er Salami will

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Von: Ulrike Hagen

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Ein Obdachloser bittet um Salamibrötchen. Passant kauft es ihm nicht, weil es Fleisch enthält. Auf Twitter toben heftige Debatten um Moral und Scheinheiligkeit.

Berlin – Auf der Straße zu leben, ist kein Zuckerschlecken. Es ist noch nicht einmal Wurstbrötchenessen – zumindest, wenn es nach dem Willen eines Veganers namens Toni geht. Der verweigerte einem Obdachlosen eine Salamibrötchen-Spende, da diese offensichtlich nicht vegan ist. In den sozialen Medien kocht nun eine Diskussion um Überheblichkeit und Pseudo-Moral hoch. Dabei dreht es sich ausnahmsweise mal nicht um die Frage, ob es richtig oder falsch ist, sich vegan zu ernähren. Sondern – ähnlich wie bei dem Metzger, der von Veganern wegen harmloser Werbung als „Psychopath“ attackiert wurde – um das Thema, ob man eigene Werte zum Maß aller Dinge erklären kann und wortwörtlich über alles und jeden stellen darf.

Unternehmen:Twitter Inc.
Gründung:21. März 2006, San Francisco, Vereinigte Staaten
Gründer:Jack Dorsey, Biz Stone, Evan Williams, Noah Glass
Aktive Nutzer pro Tag (weltweit):211 Millionen
Umsatz:5,08 Milliarden US-Dollar

Veganer verweigert Obdachlosem Salamibrötchen, weil es nicht vegan ist

Doch was genau war passiert? Ein überzeugter Veganer wurde von einem Bedürftigen gebeten, ihm vom Einkauf beim Bäcker ein Salamibrötchen mitzubringen. Das lehnte der Fleischverächter ab, weil es – der Natur eines Wurstbrötchens entsprechend – Fleisch enthält. Der hungrige Obdachlose ging damit leer aus. Doch offensichtlich wachsen in dem Hardcore-Vegetarier zumindest später die Zweifel an der Richtigkeit seiner Entscheidung, die der 270-Kilo-Russe, der sich aus Protest gegen die Schließung bei McDonald‘s festkettete, bestimmt anders getroffen hätte.

Ein Obdachloser bettelt mit einem Becher, ein Schild und ein durchgestrichenes Salamibrötchen
Vegan oder hungern: Ein Mann will einem Obdachlosen kein Salamibrötchen kaufen, weil es nicht vegan ist. (kreiszeitung.de-Montage) © Andres Benedicto/dpa/Udo Herrmann/imago

Obdachloser bekommt Salamibrötchen-Spende von Veganer verweigert: „War eine Gewissensentscheidung“

Darum schickt der Veganer, der wiederum sicher begeistert auf die Nachricht reagiert hätte, dass der Hamburger Fischmarkt vegan werden soll, wenig später auf Twitter die Frage in die Runde: „Ich stand heute vor der Gewissensentscheidung, einem Obdachlosen ein Salami-Brötchen zu kaufen, um das er mich bat, oder nicht. Mit einer veganen Alternative war er nicht einverstanden. Habe mich dagegen entschieden. Was hättet ihr getan?“

Angewiderte Twitter-User ätzen: „Genau der Sinn von Hilfsbereitschaft: Hilfe zu meinen Bedingungen“

Die User lassen nicht lange mit Antworten auf sich warten. Und die fallen unisono ziemlich erzürnt aus. „Du bist der Überzeugung, zu Tieren darf man nicht grausam sein und lässt dann einen obdachlosen Menschen hungern. Spürst du dich eigentlich noch?“, fragt „Bafta Rhymes“. „Sandor“ antwortet: „Gestern dachte ich, der Tweet mit dem Salamibrötchen wäre ein Trolltweet gewesen. Da der nun gelöscht ist, fürchte ich, er meinte dies ernst.“ Er fügt hinzu: „Genau, nutzen wir die Not anderer Menschen aus, um unsere Wertvorstellungen zu verbreiten, damit wir uns dabei gut fühlen. Ist ja auch der totale Sinn von Hilfsbereitschaft. Hilfe unter meinen Bedingungen.“

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„Geistige, moralische Verblödung, gepaart mit der Abgehobenheit der Wohlstandsgesellschaft“

„Monika“ ist der Meinung: „Solche Taten resultieren aus dem Zustand einer geistigen, moralischen Verblödung, gepaart mit der Abgehobenheit der Wohlstandsgesellschaft.“ User „Heiko“ setzt noch einen drauf: „Obdachlosen ein belegtes Brötchen nicht kaufen, weil er gerne Salami hätte und es in das vegane Lebensbild nicht reinpasst? Ernsthaft, diese Vegan-Nazis geben alles, dass man diese Arschlöcher nur verachten kann. WAS FÜR WI***ER.“

„Kexi“ tobt: „Nö, nimm vegan oder hungere weiter, weil ich das Privileg habe zu entscheiden, was ich warum esse. Dann musst Du nehmen, was ich gut finde.“ Und „Sila“ verzweifelt gleich insgesamt an der Menschheit: „Ok, Chlorbleiche gegen ein Virus, Sonnenblumenöl in den Tank, ich entscheide, welchen Belag das Brötchen für einen Obdachlosen haben darf. Alles in nur einem Tag auf Twitter gelernt!“ Und dabei haben es Obdachlose ohnehin gerade schwer. Wegen des Ukraine-Kriegs und gestiegenen Spritpreisen läuft es bei Hilfsangeboten wie der Hamburger Tafel nämlich derzeit nicht besonders gut.

Harte Reaktion erschreckt Veganer, er tweetet noch „Habe ihm doch Geld gegeben“, dann löscht er den Post

Auf die harte Resonanz war der vegane Thread-Ersteller offensichtlich nicht gefasst: Bevor er den Beitrag löschte, erklärte er, dass er dem Obdachlosen am Ende Geld gegeben hat anstelle des Brötchens. Ob das tatsächlich der Wahrheit entspricht, oder sich nur um nachträgliche Gutmensch-Politur handelt – man weiß es nicht. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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