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Vegane Soldaten fordern Extra-Menü – und kassieren Klatsche und Spott

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Von: Patricia Huber

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Ein Extra-Gericht für Veganer fordert eine Soldaten-Initiative in Österreich. Der Wunsch, in anderen Ländern schon Wirklichkeit, erhält massiven Gegenwind.

Wien – Vegetarisch, vegan, pescetarisch, frutarisch – neben der klassischen omnivoren Ernährungsform gibt es mittlerweile etliche andere. Besonders die Zahl der Vegetarier und Veganer ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Kein Wunder also, dass sich auch unter der Vielzahl an Soldaten einige Veganer finden. Doch diese haben beim Essen in der Kantine das Nachsehen – so gut wie nie gibt es Gerichte komplett ohne tierische Produkte. Die Uni Hamburg ist bei diesem Thema schon fortschrittlicher. Dort gibt es eine rein vegetarische und vegane Mensa.

Soldat startet Bürgerinitiative für vegane Gerichte beim österreichischen Heer – Shitstorm

Wie in anderen Armeen setzt man auch in Österreich auf die „klassische“ Küche. Dort haben die Soldaten des Bundesheers die Auswahl zwischen einem Gericht mit und einem Gericht ohne Fleisch. Mehr gibt es nicht – doch das stößt einigen sauer auf, wie der „ORF Report“ berichtet. Ein genervter Soldat rief eine Bürgerinitiative zur „Bereitstellung einer rein pflanzlichen, wahlweisen Verpflegungsoption im Bundesministerium für Landesverteidigung“ ins Leben. Das käme bei einem Schweizer Wirt nicht infrage. Er weist Veganer ab und rechnet im Netz sogar mit ihrem „Theater“ ab.

Tatsächlich wird die vegane Ernährung nach Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention als „Weltanschauung“ betrachtet. Deshalb müsse auch auf diese Rücksicht genommen wird, schließlich ist das bei Religionen auch der Fall, argumentiert der Heeresangehörige. Muslime erhielten beispielsweise immer eine Speise ohne Schweinefleisch.

Verteidigungsministerium gegen den Vegan-Vorschlag: „Kein Gastronomieunternehmen“

Doch das Verteidigungsministerium sieht den Vorschlag kritisch, wie der „Standard“ berichtet. Ein Sprecher habe demnach gesagt, dass das Bundesheer für den Einsatz ausgerichtet sei und „kein Gastronomieunternehmen“. Außerdem sei auch alles, was dort gekocht werde, für den Einsatz vorgesehen – und hier könne schließlich auch keine Rücksicht genommen werden.

Das Netz schimpft: „Verhätschelte Soldaten sollen essen, was auf den Tisch kommt“

Im Netz erhält die Vegan-Initiative des Soldaten mindestens genauso viel Gegenwind wie vom Ministerium. Ein Facebook-Nutzer schreibt: „Wenn diese verhätschelten Uniformträger mal in einem ihrer Funktion angemessenen Umfeld tätig werden, dann werden sie den Verzehr von Fleisch zu schätzen lernen.“ Ein anderer schimpft: „Die sollen essen, was auf den Tisch kommt! Im Ernstfall wird auch kein extra Süppchen gekocht!“ Auch die Mutter aus Stuttgart, die ihr Kind vegan ernährt, kassierte einen Shitstorm.

Ein österreichischer Soldat und das Vegan-Logo.
Soldaten in Österreich fordern ein veganes Gericht auf dem Speiseplan. Doch dafür werden sie scharf kritisiert. © Fredrik Von Erichsen/dpa/Sepa.Media/Imago Images

„Können grasen“ – Social-Media-Nutzer machen sich über vegane Soldaten lustig

Während sich viele Social-Media-Nutzer sich über den Vorschlag des Soldaten ärgern, nehmen manche es auch mit Humor. Es finden sich etliche Kommentare wie: „Die sollen durchs Gelände robben, so wie wir es früher auch mussten. Da können sie dann grasen.“ Auch der Autobauer Hyundai machte sich in einem Werbespot über Veganer lustig, doch auch das zog einen Shitstorm nach sich.

Veganes Gericht für Soldaten in anderen Armeen schon Wirklichkeit

Doch so absurd ist die Idee einer veganen Armee-Mahlzeit gar nicht. In Israel oder England gibt es bereits vegane Optionen. Die israelischen Streitkräfte betiteln sich sogar als „Most Vegan Army in the World“, mit etwa 10.000 Soldaten, die auf tierische Produkte verzichten. Aber nicht nur bei den Speisen haben die israelischen Soldaten die Wahl. Sie können sogar entscheiden, ob sie Lederstiefel oder vegane Stiefel tragen möchten, und ob das Barett aus Wolle bestehen soll, oder nicht. Ziemlich fortschrittlich.

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