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Vegan-Eltern zahlen veganes Schulessen einfach nicht: „Aminosäuren fehlen“

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Von: Ulrike Hagen

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Einer vegan lebenden Familie ist das vegane Schulessen nicht gut genug – die 2,20 Euro pro Gericht verweigern sie. Dafür kassieren sie einen Shitstorm im Netz.

Hattingen – Dass Veganer sehr... durchsetzungsstark für ihre Ernährungspräferenzen einstehen, ist in letzter Zeit zunehmend zu beobachten. Sei es die Veganerin, die auf einen Supermarkt losging, weil er sie zum Fleischverzehr verführt habe*, die vegane Britin, die ein Krankenhaus anklagte, da sie nichts zu essen bekommen habe oder die Veganerin, die ihre Freunde dafür anzeigte, dass sie betrunken Chicken-Nuggets aß*. Jetzt hat auch das beschauliche Hattingen sein „Vegan-Gate“. Die Eltern zweier Grundschulkinder beschweren sich über das extra auf die veganen Bedürfnisse ihrer Zöglinge zugeschnittene Schulessen für 2,50 Euro – und wollen es nicht mehr zahlen. Die Community der Bericht erstattenden Lokalpresse tobt.

Ernährungsform:Veganismus
Erste Erwähnung:1944, Donald Watson (The Vegan Society)
Verbreitung in Deutschland:2,6 Millionen Menschen (Veganz Ernährungsstudie 2020)
Anteil an der Bevölkerung in Deutschland:3,2 % (Veganz Ernährungsstudie 2020)

Vegane Eltern wollen veganes Schulessen nicht zahlen: „Es fehlen Aminosäuren!“

„Enno und Lilly leben seit einem Jahr vegan“, erzählen die Eltern Jasmin Maschke und Steffi Häusler-Maschke in der WAZ, „sie mögen die veganen Apetito-Gerichte absolut nicht, aus unserer Sicht sind sie ernährungsphysiologisch auch nicht ausreichend zusammengesetzt.“ Die Sprösslinge der veganen Familie gehen zur Offenen Ganztags-Grundschule (OGS) Bruchfeld im Ennepe-Ruhr-Kreises in Nordrhein-Westfalen, Apetito ist dort für das Catering zuständig. Nun beschweren sich die erziehungsberechtigten Frauen über das Essen: „Wir möchten nicht weiterhin 112 Euro pro Monat für etwas zahlen, was wir seit fünf Monaten überhaupt nicht nutzen“, so Jasmin Maschke in der WAZ.

Ein Junge und ein Mädchen, die unzufrieden mit dem veganen Essen sind und ein Daumen nach unten
Die Kinder der Familie Maschke sind unzufrieden mit dem veganen Essen in ihrer Grundschule in Hattingen. (24hamburg.de-Montage) © imago

Eltern geben Kindern täglich Vegan-Food mit – und wollen 2,50 Euro für das vegane Schulessen nicht bezahlen

Sie gebe ihren Kindern täglich das Mittagessen mit, dennoch zahle sie noch immer für beide Kinder den vollen Beitrag von je 2,50 Euro pro Mahlzeit. „Der offene Ganztag sieht in dieser Betreuungsform das Mittagessen verbindlich vor“, erklärt Christin Beran, Gebietsleiterin des Trägers der Schule, an der trotz neuer Corona-Regeln wie in Hamburg die Aussetzung der Präsenzpflicht vorerst nicht geplant ist. Bei ärztlichem Attest jedoch, das eine besondere Ernährungsform vorgibt, die in der Schule nicht geleistet werden kann, bestünde die Möglichkeit einer anderweitigen Versorgung und auch gegebenenfalls der Erlass des Essensgeldes.

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Spott im Netz für nörgelnde Vegan-Familie: „Müssen ja Wunderkinder sein“

Auf ein Attest des Sohnes hin, das vorgibt, dass er nicht nur vegan, sondern auch zuckerarm und glutenfrei ernährt werden solle, seien die Gerichte zwar mehrfach angepasst worden, gibt Jasmin Maschke zu – aaaaber: Ihre Kinder würden das Essen nicht mögen und es fehle an Proteinen oder Aminosäuren. Nach der WAZ-Lokalberichterstattung über den Apetito-Beef an der Grundschule ist das „Vegan-Gate“ eröffnet: Es hagelt Spott und Häme in den Kommentarzeilen der Zeitung: „Die Kinder mögen die Gerichte nicht und es fehle oftmals an Proteinen oder Aminosäuren? Das müssen ja Wunderkinder sein, die so etwas feststellen“, meint ein Leser.

Netz wütet gegen Veganer-Familie, denen veganes Schulessen nicht gut genug ist: „Sehr suspekte Eltern“

„Vegan lebende Familie. Und da hört es auch schon auf. Sollen die selber kochen und für 2,20 ein Gericht zaubern, was ihren Gaumen entspricht“, watscht ein anderer User die Eltern ab. Heiterer sieht es ein anderer: „Ist da keine Waldorfschule in der Nähe?“, „Nee, aber eine Kornbrennerei! Und die brennen veganen Korn!“, kontert der nächste. Immerhin eine ähnlich absurde Idee wie der neue vegane Food-Trend „Frittiertes Wasser“*.

Das Hattinger „Vegan-Gate“ eskaliert schnell: Im Netz tobt der Zoff zwischen Veganern und „Allesfressern“

Schnell ufert die Diskussion zum Klassiker „Allesfresser versus Veganer“ aus: „Hallo! Die Kinder werden zu Veganern gezwungen, weil ihre sehr suspekten Eltern das so wollen. Jugendamt bitte einschreiten!“ Die vegane Gemeinde pariert: „So viele Kinder werden zum Verzehr toter Tiere gezwungen. Jugendamt bitte einschreiten!“ und: „Da kommt dann das Notfall-Kit mit Currywurst, Mettbrötchen und frischem Schweineblut.“ Gar nicht so unrealistisch: Gerade musste in Bergamo eine Frau eine herbe Schlappe wegen ihrer rein pflanzlichen Kindesernährung einstecken. Die Veganer-Mutter wurde nämlich per Gericht dazu verdonnert, ihrem Kind dreimal die Woche Fleisch zu kochen*. Nun bleibt zu hoffen, dass sich die Gerichte nicht auch noch mit dem Hattinger „Vegan-Gate“ befassen müssen. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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