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Kinder sollen nicht mehr Mama und Papa sagen – aus Rücksicht

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Von: Bona Hyun

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Gender-Debatte auf neuem Level: Statt „Mama“ oder „Papa“ sollen Kinder nur noch von „Erwachsenen“ sprechen. Denn nicht in allen Familien gibt es Mutter und Vater.

Brighton – Die Begriffe „Mama“ und „Papa“ sind für so gut wie jeden ziemlich geläufig – wie auch sonst, sollte man seine Elternteile ansprechen? Nachdem eine Rechtsexpertin die Ansprache „Damen und Herren“ als verfassungswidrig verurteilte, ist nun aber auch die klassische Eltern-Ansprache in Beschuss geraten: Statt „Mama“ und „Papa“ soll es künftig „Erwachsene“ heißen, wenn Kinder über ihre Erziehungsberechtigten sprechen. Grund: Damit soll Rücksicht auf diverse Familien genommen werden, in denen es vielleicht gar keine Mama oder keinen Papa gibt. Hier erreicht die Gender- und Diversity-Debatte nun also nochmal ein ganz neues Level. Erste Eltern sind entsetzt über den bevorstehenden Sprachwandel und fallen dabei fast vom Glauben ab.

BrightonStadt in England
Fläche82,79 Quadratkilometer
Einwohner273.400
Vorwahl01273

Statt „Mama“ und „Papa“ sollen Kinder „Erwachsene“ sagen – um diverse Familien nicht zu diskriminieren

Dass Kinder „Mama“ und „Papa“ zu ihren Eltern sagen, ist bisher unumstritten und so gut wie auf der ganzen Welt kultiviert gewesen. Jetzt aber gibt es nochmal neue Denkanstöße, wie die Elternteile angesprochen werden sollen: Anstelle von „Mama“ und „Papa“ soll sich der übergreifende Begriff „Erwachsene“ etablieren – mindestens immer dann, wenn Kinder über ihre Eltern sprechen. Befürworter begründeten diesen Diskursantrieb damit, dass heutzutage immer mehr diverse Familienbildungen als Gegenentwurf zur „traditionellen“ Konstellation mit einer Mutter und einem Vater als Köpfe der Familie möglich sind. „In Fällen, wo die Familienbildung eines Kindes unbekannt ist, kann der Begriff Erwachsene zum Beispiel auch Großeltern, Adoptiveltern, gleichgeschlechtliche Eltern und Alleinerziehende mit einschließen“, heißt es in einem Statement.

Eine glückliche Familie mit zwei Eltern und zwei Kindern
Kinder sollen nicht mehr „Mama“ und „Papa“ zu ihren Eltern sagen, sondern „Erwachsene“. Geht die Sprachanpassung einen Schritt zu weit? © Jose Carlos Ichiro/imago

Die Diskussion rund um Gender- und Diversity-Sprache gewinnt also immer einen höheren Stellenwert und erfordert die Hervorhebung von Diversität. Neulich musste ein Mann sogar rechtliche Konsequenzen tragen, weil er eine Transgender-Frau nach wiederholter Aufforderung nicht als Frau anerkannte – ein Mann nannte seine Nachbarin Rüdiger – der Streit endet vor Gericht*. Für die Nachbarin und auch den Transgender-Mann, der ein Kind zur Welt brachte und nicht Mutter genannt werden will gelten natürlich das Recht auf Anerkennung und dazu gehört auch eben auch die sensible Ansprache, die kein Geschlecht vorschreibt udn auch keines diskriminiert. Um genau das zu erreichen, ist zum Beispiel bei der Lufthansa Schluss mit der Anrede „Willkommen an Bord, meine Damen und Herren“ *.

Kinder sollen nicht mehr „Mama“ oder „Papa“ sagen – Eltern sind über Diversiy-Debatte stinksauer

Viele Eltern verstehen die Welt nicht mehr: „Die Mütter und Väter sind die wichtigsten Personen im Leben eines Kindes! Das ist doch einfach nur verrückt, wann wird das denn aufhören?“ wetterte ein Elternteil in einem Interview mit „DailyMail“. Eine weitere Person befand den Begriffsersatz einfach nur „verwirrend“– vor allem für die Kinder selbst. „Die Mehrheit hat ja eine Mutter und einen Vater, auch wenn sie vielleicht getrennt leben. Warum dürfen die Kinder die Eltern nicht einfach „Mama“ und „Papa“ nennen?“ Die Kritiker halten von der ganzen Sache gar nichts – zuletzt äußerten sich auch zahlreiche Prominente lautstark und kritisch zum Thema Gender-Sprache und Diversity: Scooter-Frontman H.P. Baxxter findet Gendern zum Kotzen* – damit steht er nicht alleine da.

Schulen wollen durch Begriff „Erwachsene“ statt Mama und Papa diverse Familienbildung berücksichtigen

Erstmals hatten Lehrkräfte von vier Grundschulen aus Brighton die Einführung des Begriffs „Erwachsene“ gefordert und sich gezielt als Befürworter eingesetzt. „Schulen haben eigene Richtlinien zum Thema Gleichstellung“, lautet ein Statement, was der „DailyMail“ vorliegt.

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Mit einem einheitlichen Begriff wollen die Schulen sicherstellen, dass kein Kind in der Schule ausgeschlossen wird und alle möglichen Familienkonstellation berücksichtigt werden. Zustimmung bekamen sie auch vom Brighton & Hove Council, der Gemeindeverwaltung, die auch Verantwortung für alle lokalen Schulen trägt. Das Gendern an Schulen führt andersort zu weit weniger Einigkeit – sondern eher zu erbitterten Streits: An Hamburgs Schulen gab es zwischen CDU, SPD und Grüne Zoff wegen Gendern. Der Mama-Papa-Verzicht aus Brighton könnte dagegen schon bald sehr weit Schule machen – mal ganz wortwörtlich gesagt.* 24hamburg.de und kreiszeiung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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