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Umweltschützerin fordert: „Reiche sollten höchstens zwei Kinder bekommen“

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Von: Ulrike Hagen

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Der Lebensstil Wohlhabender ist ein Klimakiller, mahnt Forscherin Jane Goodall. Sie fordert: Reiche sollten nicht mehr als zwei Kinder bekommen dürfen.

München – Für viele sind Kinder die Krönung ihres persönlichen Lebensglücks. Und vor allem besser Begüterte neigen dazu, den Nachwuchs in Watte zu packen und ihnen jeden Wunsch von den Lippen ablesen zu wollen – Pädagogen zerreißen die heutige Kinder-Erziehung deswegen und bezeichnen Kinder als „aufgeweichte Jammergestalten“. Nun fordert die Klima- und Umweltaktivistin Jane Goodall, dass genau jene Wohlhabenden ihren Lebensstil radikal verändern – und nicht mehr als zwei Kinder in die Welt setzen sollten.

Britische Verhaltensforscherin und Umweltschützerin:Jane Goodall
Geboren:3. April 1934 in London, Vereinigtes Königreich
Organisationen:Jane-Goodall-Institut
Sitze:Großbritannien, Hongkong, Australien, Shanghai, Deutschland, Österreich, Schweiz

Umweltschützerin fordert: „Reiche sollten nicht mehr als zwei Kinder bekommen!“

In einem Interview mit der Nachhaltigkeit-Plattform „utopia.de“ erklärt die Wissenschaftlerin, dass die Menschheit sich vier Kernproblemen stellen muss, um die Welt zu retten – darunter eben auch dem Bevölkerungswachstum: „Viele Reiche denken, es sei in Ordnung, fünf oder sechs Kinder zu bekommen, weil ihre Kinder ja die Welt verändern werden. Aber: Das Kind einer wohlhabenden Familie verbraucht mehr Ressourcen als zehn Kinder, die in einem Dorf in Afrika aufwachsen. Also müssen wir auch den Lebensstil der Wohlhabenden verändern – sie sollten nicht mehr als zwei Kinder bekommen“, so die berühmte Verhaltensforscherin.

Zwei Kinder am Pool, Verhaltensforscherin Jane Goodall
Umweltschützerin Jane Goodall fordert: Reiche sollten nicht mehr als zwei Kinder bekommen dürfen. (24hamburg.de-Montage) © IMAGO/YAY/Alessandro Della Valle/dpa

Kinderkriegen: In der Klimakrise plötzlich ein gesellschaftspolitisches Thema

Doch ab wann ist man eigentlich „reich“? Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat für den „Spiegel“ Antworten auf diese Frage gefunden: „Schon“ ab 3.347 Euro im Monat gilt man laut dieser Studie als reich. Die Forderung Goodalls trifft also mehr Menschen, als man vermuten könnte. Und tatsächlich wird das Thema Kinderkriegen nicht nur für Wohlhabende angesichts der Klimakrise zu einem immer relevanteren, gesellschaftspolitischen und auch persönlichen Thema.

Die vier Grundprobleme der Menschheit laut Jane Goodall:

1. Armut. Wer arm ist, tut alles dafür, um zu überleben, Essen oder Geld zu bekommen, um seine Familie zu ernähren. Dazu gehört auch, letzte Bäume zu fällen, um Nahrungsmittel anzubauen, Tiere zu töten oder billigste Lebensmittel zu kaufen.

2. Konsum, unnachhaltiger Lebensstil und der Glaube daran, dass allein wirtschaftlicher Wachstum zählt. Mit begrenzten natürlichen Ressourcen kann es kein unbegrenztes Wirtschaftswachstum geben.

3. Korruption und Bestechlichkeit. Sie schadet der Gesellschaft, nutzt Autoritäten aus und bringt das Schlechteste im Menschen zum Vorschein: Gier.

4. Bevölkerungswachstum. Vor allem Kinder in wohlhabenden Ländern verbrauchen besonders viele Ressourcen – „Darüber wollen die Leute nicht sprechen, aber wir müssen.“

Quelle: utopia.de

„BirthStrike“-Bewegung: „Wir brauchen weniger Leute. Dann entspannt sich alles komplett“ 

Immer mehr Frauen verzichten in der Klimakrise bewußt auf Nachwuchs: Der von der britischen Sängerin Blythe Pepino gegründeten Bewegung „BirthStrike“ schließen sich viele Menschen an, die beschließen, keine Kinder zu bekommen, um das Klima zu schützen. Auch die Regensburger Autorin Verena Brunschweiger vertritt in ihrem Buch „Kinderfrei statt kinderlos“ die These, dass Kinder einfach nur schlecht für das Klima sind – und ultimative CO2-Schleudern darstellen: „Ich kann nicht sagen, wir essen nur weniger Fleisch. Nein, wir brauchen weniger Leute. Dann entspannt sich alles komplett.“

Provokante Klimaschutz-Studie: lieber Schluss mit dem Kinderkriegen als weg mit dem Auto

Sowohl Pepino als auch Brunschweiger und Goodall berufen sich dabei auf eine schwedisch-kanadische Nachhaltigkeitsstudie, die Szenarien zum Einsparen von Treibhausgasen in Industrieländern untersuchte. Das Fazit der Wissenschaftler: Die beste Strategie für die Zukunft unseres Planeten sei, keine weiteren Menschen in die Welt zu setzen. Wer auf ein Auto verzichte, spare circa 5,3 Tonnen CO2-Ausstoß jährlich – wer auf ein Kind verzichte, verhindere hingegen bis zu 117,7 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr.

„Nur weil wir uns wie Kaninchen vermehren können, heißt es nicht, dass wir das auch tun sollten“

Doch Jane Goodall beschränkt sich in ihren Forderungen nach dem Verzicht auf Nachwuchs nicht ausschließlich auf wohlhabende Industrienationen. Sie erklärt dazu gegenüber „utopia“: „Es hat sich auf der ganzen Welt gezeigt, dass die Familien kleiner werden, wenn sich die Bildung von Frauen verbessert.“ Hilfsprogramme in Ländern wie Afrika, unter anderem ihr Projekt „Tacare“, die Informationen zur Familienplanung anbieten und die Schulbildung von Mädchen unterstützen, seien wichtige Schritte. „Wir müssen Verständnis dafür erreichen, ohne etwas zu verbieten. Das dürfen wir niemals tun.“ Der Begriff Bevölkerungskontrolle sei darum auch das falsche Wort.

„Freiwillige Bevölkerungsoptimierung“ für die Rettung des Planeten

„Deswegen habe ich den Begriff ‚freiwillige Bevölkerungsoptimierung‘ erfunden.“ Dieses Wort zeige, dass die Entscheidung für weniger Kinder eine freiwillige und eigene Wahl sei. Für diese Forderung sei sie noch nie angegangen worden, nicht einmal von Katholiken: „Sogar Papst Franziskus hat zu mir gesagt: ‚Nur, weil wir uns wie Kaninchen vermehren können, heißt es nicht, dass wir das auch tun sollten.‘“ Vielleicht ohnehin eine schlechte Idee, glaubt man Forschern, die Helikoptereltern eine „Generation lebensunfähig“ heranziehen sieht. * 24hamburg.de, fr.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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