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Exoten zum Dumpingpreis: Hamburger Fleischtempel macht dicht

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Von: Kevin Goonewardena

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Im Restaurant „Flammen“ stand Fleisch im Mittelpunkt. Vom Grill gabs auch Krokodil, Zebra & Co zum Dumpingpreis. Jetzt schließt der Hamburger Fleischtempel.

Hamburg/Kolding – Flammen. Bei der gleichnamigen dänischen Restaurantkette ist der Name Programm. Denn es bedarf vieler Flammen – oder besser Energie – das gar oder bissfest zu kriegen, was der Gast dort konsumieren kann. Fleisch nämlich. Jede Menge Fleisch. Ganze Berge davon. (Fast) egal von welchem Tier.

Denn: Neben Rind, Schwein, Pute oder Wild servieren die Dänen von „Flammen“ auch das Fleisch von Zebra, Krokodil, Känguru und anderen exotischen Tierarten. Und die landen bei „Flammen“ nicht etwa zum Premiumpreis vom Grill auf den Teller – auch wenn der Standort Hoheluft-Ost genau das vermuten lässt.

Umstrittenes Restaurant für exotisches Fleisch in Hamburg macht dicht

Billig, billiger, „Flammen“ – ist die Devise des Fleischtempels, trotz der exotischen Tierkadaver hauen die Dänen ihr Fleisch zum Geiz-ist-geil-Preis raus, bringen es mit dem bei Deutschen bewährt beliebten All-you-can-eat-Konzept unter die Leute. An den extra großen Portionen hätte auch der Strunk seine Freude gehabt. Nun ist der Laden dicht.

Name:Flammen Restaurant
Herkunft:Kolding, Dänemark
Eröffnung des ersten Restaurants:2009
Hamburger Standort:Hamburg-Hoheluft-Ost (2018-2022)
Anzahl verbliebener Filialen in Dänemark:15

Restaurant „Flammen“ in Hamburg: Gäste freuen sich auf Eröffnung - und bewerten Laden gut

Zur Eröffnung des Hamburger Standorts 2018 zeigten sich Besucherinnen und Besucher nicht nur auf den Social-Media-Plattformen wie Facebook angetan. „Unser nächstes Fress-Date!?“, fragte Userin Annika D. Timo N. etwa; dass das Vorhaben ein sprichwörtliches „Fressen-bis-man-platzt“ und kein vorsichtiges Probieren der angebotenen Speisen meinte, liegt nahe. Ein anderer User kommentierte gar knapp „Paradies“. Und auch die Bewertungen bei Google oder Tripadvisor zeigen, dass die Gäste des Fleischtempels durchaus zufrieden mit dem Angebot gewesen sind.

Ein Koch bereitet Fleisch auf dem Grill zu und ein „Geschlossen“-Schild
Das dänische Restaurant „Flammen“ in Hamburg gibt aufgrund der veränderten Gastro-Situation durch die Corona-Pandemie auf und zieht sich auf den Heimatmarkt zurück. Das gaben die Betreiber kürzlich bekannt. © Galina Barskaya/imago

Konzept aus der Zeit gefallen? Unternehmen gibt pandemiebedingte Gründe für das Aus an

Schon vor Jahren fielen Fleischtempel aus der Zeit, heute wirkt das Konzept von „Flammen“ umso mehr antiquiert. Ist zurückgegangener Publikumszuspruch der Grund für den Rückzug der Kette aus Deutschland? Denn mit dem Aus der Hamburger Filiale zieht sich das Unternehmen auch ganz vom deutschen Markt zurück. Man wolle sich bis auf Weiteres auf den Heimatmarkt Dänemark konzentrieren, gab die Restaurantkette bekannt. Dort betreibt das in Kolding beheimatete Gastro-Unternehmen 15 Restaurants. Das Unternehmen selbst gibt durch die Pandemie „grundlegend veränderte Rahmenbedingungen“ als Ursache für die Geschäftsaufgabe in Hamburg an.

Vegane-Ernährung: Seit Jahren in Deutschland auf dem Vormarsch – auch Tönnies setzt wieder auf Fleischersatzprodukte

Wie hoch der Wahrheitsgehalt dieser Aussage ist, lässt sich nicht überprüfen. Tatsache ist: Einzuräumen, dass das Interesse der Kundschaft zurückgegangen sei, würde das ganze Konzept infrage stellen. Vorstellbar wäre es, denn nirgendwo wächst der Markt für Fleischersatzprodukte in Europa so stark wie in Deutschland. Der Umsatz von Fleischalternativen stieg hierzulande laut einem Bericht der Zeitung Handelsblatt 2021 auf 611 Millionen Euro und damit um 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Entwicklung ist keine Eintagsfliege, sie hält bereits seit Jahren an.

Selbst der skandalumwitterte größte deutsche Fleischproduzent Clemens Tönnies – der zuletzt durch den Massen-Corona-Ausbruch in seinen Schlachthöfen in die Schlagzeilen geriet, laut Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel und der Wochenzeitung Die Zeit in den Cum-Ex-Skandal verstrickt sein soll und auch schon mal mit rassistischen Aussagen auffällt, setzt wieder auf pflanzliche Alternativen.

Wurst ohne Fleisch – das ist einfach nichts für mich

Clemens Tönnies, Miteigentümer Tönnies Holding

Dabei hatte sein Unternehmen noch vor Jahren die Produktion pflanzlicher Wurst- und Fleisch-Alternativen nahezu eingestellt. Nun rechnet der Konzern in diesem Segment wieder mit einem Umsatz von 31 Millionen Euro - 2025 sollen es bereits 160 Millionen Euro sein.

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Hamburg: In den Top10 Veganer-freundlichsten Städte in Deutschland

Dazu kommt: Die 1,9-Millionen-Metropole Hamburg ist nicht zu vergleichen mit einer 67.000-Seelengemeinde wie dem englischen Taunton: Dort hatte ein veganes Restaurant die drohende Pleite erst abwenden können, nachdem die Betreiber wieder anfingen auf Fleisch zu setzen. Im Gegenteil: Die Hansestadt ist unter den Top10 der veganerfreundlichsten Städte Deutschlands.

Nach Aus von Fleischpalast: Fleisch-Fans in Hamburg weiterhin bestens versorgt

Nun hat das Flammen-Restaurant in Hamburg also dauerhaft geschlossen. Bereits am 4. August wurde die Schließung auf den sozialen Netzwerken der Filiale bekannt gegeben. Ob das Familienunternehmen einen neuen Versuch starten wird, in Deutschland Fuß zu fassen, ließ die Ankündigung offen.

Die Gastro-Szene Hamburg wird das Aus des Fleisch-Palastes verschmerzen können – rund 7500 Unternehmen der Branche listet die IHK für April 2021 auf. Wenn auch auf Zebra, Känguru oder Krokodil zum Tiefpreis, auf Riesenportionen Billigfleisch müssen Hamburger Fleischliebhaber trotz des Aus des Restaurant „Flammen“ nicht verzichten: Restaurants wie das Schnitzelhus Hamburg, XXL Burger oder die Kette Schweinske, mit stadtweiten 33 Standorten, bieten weiterhin Fleisch satt.

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