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Um Benzin zu sparen: Umweltministerin fordert autofreie Sonntage

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Von: Anika Zuschke

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Deutschland ist extrem abhängig von russischen Energie-Importen. Um den Verbrauch zu verringern, schlägt Umweltministerin Thekla Walker autofreie Sonntage vor.

Stuttgart – Der Angriff von Wladimir Putin auf die Ukraine erschüttert seit nunmehr zwei Wochen die ganze Welt. Aus Solidarität zu den Menschen in der Ukraine haben Supermärkte bereits russische Lebensmittel aus ihren Regalen genommen und Bars weltweit verbannen russischen Wodka aus ihrem Sortiment. Derzeit werden in Deutschland auch Forderungen nach einem sofortigen Importstopp von Energie aus Russland laut. Ob es so weit kommen wird, ist fraglich – aber um die Abhängigkeit immerhin zu verringern, schlägt die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker nun autofreie Sonntage vor. Mit der Idee ist sie nicht allein.

Mitglied des Bundesrates der Bundesrepublik Deutschland:Thekla Walker
Geboren:28. März 1969 (Alter 52 Jahre), Dülmen
Partei:Bündnis 90/Die Grünen
Seit Mai 2021:Baden-württembergische Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft

Umweltministerin will autofreie Sonntage: für weniger Abhängigkeit von russischem Öl

Deutschland ist momentan noch extrem von russischen Energie-Importen abhängig. Über die Hälfte des Gases und etwa 40 Prozent der Kohle kommen bisher aus Russland. Der Anteil von Rohöl, das aus russischen Gebieten nach Deutschland importiert wird, liegt ebenfalls bei etwa einem Drittel. Aufgrund der eindeutigen Abhängigkeit ist die Bundesregierung deswegen auch noch gegen ein Energie-Embargo* – ganz anders als die Vereinigten Staaten, die als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg am Dienstag bereits einen Importstopp für Öl aus Russland beschlossen haben.

Deutschland scheint sich ob dieser Thematik bisher uneinig zu sein. Ex-Bundespräsident Joachim Gauck machte sich beispielsweise erst kürzlich in der ARD-Talkshow „Maischberger“ für einen Stopp russischer Energie-Importe stark*. Dabei appellierte er an die Bevölkerung mit den Worten: „Wir können auch einmal frieren für die Freiheit.“ Außenministerin Annalena Baerbock warnte hingegen vor einem sofortigen Energie-Importstopp aus Russland*.

Umweltministerin Thekla Walker schlägt Autofahrverbot am Sonntag vor – Ressourcen sparen

Insgesamt rufen immer mehr Politiker inzwischen aber auch die Bevölkerung dazu auf, in Bezug auf diese schwierige Thematik einen eigenen Beitrag zu leisten. So auch die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker. Sie schlägt in dem Zuge autofreie Sonntage vor – um den Spritverbrauch zu drosseln und damit die Abhängigkeit russischer Energieimporte zu verringern.

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart erwähnte sie auch das Energiesparen als wichtigen Beitrag. So solle man lieber die Wäscheleine statt den Trockner benutzen und öffentliche Verkehrsmittel dem eigenen Auto vorziehen – die Palette an Möglichkeiten sei groß. „Und warum keine Tempolimits oder autofreie Sonntage wie in den 70er-Jahren? Ein Erfolg – damals wurde der Ölverbrauch stark reduziert“, äußert die Umweltministerin gegenüber dpa. Für die Stadt Hamburg standen Tempolimits auch bereits zuvor im Raum – die Koalition wollte damals flächendeckend Tempo 30 einführen*.

Radfahrer auf der Straße und die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker (Bündnis 90/Die Grünen)
Hohe Benzinpreise: Umweltministerin Thekla Walker (Bündnis 90/Die Grünen) schlägt autofreie Sonntage vor, um den Spritverbrauch zu verringern. (24hamburg.de-Montage) © Bernd von Jutrczenka/Marijan Murat/dpa

Autofahrverbot – Verkehrsminister appelliert an die Bevölkerung: „Statt im eigenen Auto mehr mit Bussen und Bahnen fahren“

Mit dieser Einstellung ist Walker nicht allein: Verkehrsminister Winfried Hermann unterstützt den Ansatz, dass jeder sich an einer Reduzierung des Energieverbrauchs beteiligen sollte. „Statt im eigenen Auto mehr mit Bussen und Bahnen fahren, Fahrgemeinschaften bilden oder öfter das Auto mal stehen lassen“, sagte er laut Stuttgarter Zeitung. Zugleich müsse ihm zufolge aber auch auf politischer Ebene ein Bündel von Maßnahmen auf den Weg gebracht werden, um die Ölimporte zu senken. „Dazu zählen unter anderem autofreie Sonntage und Tempolimits“, so Hermann.

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Auch Umweltministerin Walker vertritt die Meinung: „Nicht zu vergessen, dass ein Verzicht aufs Autofahren die Umwelt schont, vor allem aber auch ein starkes Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine wäre.“ Dabei betonte sie jedoch, dass es für Menschen, die dringend auf ein Auto angewiesen sind, Sonderregelungen geben könne.

Um Abhängigkeit von russischem Öl zu reduzieren: Greenpeace verlangt Tempolimits und autofreie Sonntage

Der Umweltorganisation „Greenpeace“ schweben ähnliche Maßnahmen vor, um den Ölverbrauch kurzfristig zu senken und damit die Abhängigkeit von russischem Öl zu reduzieren. In einem Maßnahmenpaket der Non-Profit-Organisation findet sich beispielsweise ein temporäres Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen, 80 km/h auf Landstraßen und 30 km/h in Städten wieder. „Jede Tankfüllung, jede Heizöllieferung spült Geld in Putins Kriegskasse“, statuiert Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan laut „rtl.de“. Das solle vermieden werden.

Außerdem schlägt Greenpeace eine Verlängerung der Homeoffice-Pflicht vor, um Autofahrten zum Arbeitsplatz zu vermeiden – und wirft ebenfalls die Idee von zwei autofreien Sonntagen im Monat in den Raum.

Den Weg zu einer – immerhin teilweise – autofreien Stadt sucht auch Hamburg immer wieder. Im Zuge des Projektes „Superbüttel“ sollen Autos beispielsweise aus dem Hamburger Stadtteil Eimsbüttel verbannt* werden. Außerdem heizte das Video eines Künstlers die Forderung nach einer autofreien Innenstadt* von Neuem an. Der bekannte Jungfernstieg an der Alster wurde bereits als autofrei* erklärt.

Nicht nur Bürger gefordert – auch Bundesregierung bemüht sich um mehr Unabhängigkeit von Russland

Unabhängig von dem Eigenaufwand jedes einzelnen Deutschen unternimmt auch die Bundesregierung laut Umweltministerin Walker aktuell alle nötigen Anstrengungen, die Energieversorgung auf ein breiteres Fundament zu stellen – sodass Deutschland möglichst schnell unabhängig von russischem Gas, Öl und Kohle wird. Dazu zählen ihr zufolge das Anlegen von Reserven, die Suche nach neuen Lieferwegen sowie der Ausbau der Erneuerbaren Energien, den sie vorantreibe. * 24hamburg.de, kreiszeitung.de, fr.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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