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„Trete in die zweite Reihe zurück“: Chef tauscht Posten mit seiner Stellvertreterin

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Von: Bjarne Kommnick

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Der Unternehmer Marc Raschke hat genug davon, Chef zu sein. Er räumt freiwillig den Platz für seine Stellvertreterin und tritt in die zweite Reihe.

Hamburg – Wer ein Unternehmen führt, tut dies nicht selten bis zum Ende seines Arbeitslebens. Marc Raschke, ehemaliger Geschäftsführer der Agentur Blaulicht in Hamburg, geht einen anderen Weg. Er tritt freiwillig zurück und sagt: “Nun ist meine langjährige Stellvertretung meine Chefin. Richtig so.” Diesen Schritt macht er öffentlich und erntet dafür viel Aufmerksamkeit. Was sind die Beweggründe für diese Entscheidung?

StadtHamburg
Fläche755,2 km²
Bevölkerung1,841 Millionen
Gegründet500 n. Chr.

„Lasse eine Frau vor“: Chef räumt seinen Posten für Stellvertreterin

Auf LinkendIn, einer sozialen Plattform für die Pflege bestehender Geschäftskontakte und zum Knüpfen von neuen geschäftlichen Verbindungen, teilt Raschke sein Statement: „Ich trete zurück. Und lasse eine Frau vor“. Weiter schreibt er: „Nicht irgendeine, sondern jene, die mich die letzten fünf Jahre hat ruhig in Urlaub fahren und ruhig schlafen lassen“. Gemeint ist seine Stellvertreterin Lisa Müller.

Lisa Müller und Marc Raschke
Lisa Müller ist neue Chefin der Agentur Blaulicht in Hamburg, weil ihr bisheriger Chef seinen Platz geräumt hat. © Agentur Blaulicht

Raschke erklärt: „Wenn sie die Abteilung führt, läuft es“ und attestiert ihr „einen Draht zu den Mitarbeitenden, wie ich ihn so nicht hatte“. Doch er beschreibt auch, dass Müller es als Frau in der Arbeitswelt nicht immer leicht hatte: „Umgekehrt sah ich durch sie, wo eine Frau in einer Organisation an gläserne Decken und Wände stößt, da haben wir Männer ja nicht selten blinde Flecken“. Also habe er versucht, „ihr vielfach ein Glasschneider zu sein“.

„Frauen vor, nicht nur in der Sonntagsrede“: Unternehmer macht Vize-Chefin zur Geschäftsführerin

Mit der Beförderung von Müller will Raschke auch ein Zeichen setzen: „Warum? Weil ich es für sinnvoll erachte, dass man ‚Frauen vor‘ nicht nur in Sonntagsreden platzieren sollte, sondern auch montags und den Rest der Woche danach handeln sollte“. Er stellt fest, dass es mit der Gleichberechtigung nicht funktioniere, wenn die Männer nicht mitspielen würden.

Weiter führt er aus: „Und bricht mir ein Zacken aus der Krone, wenn ich ‚nur‘ Vize bin? Nein. Aber macht es für viele Menschen leider immer noch einen Unterschied, wer nun Chef:in und wer ‚bloß‘ Vize ist? Ja.“ Aus diesem Grund sei Lisa Müller nun Geschäftsführerin.

„Auch ein Thomas lässt sich hochhelfen“: Neue Chefin reagiert auf Kritik aus dem Netz

Das Netz reagiert geteilt auf den Schritt der Agentur Blaulicht. Ein User stimmt nicht mit den Ansichten von Raschke überein: „Natürlich kann man das feiern. Aber warum so herausstellen, dass man eine Frau in diesen Posten hebt? Gleichberechtigung ist dann, wenn es niemandem mehr auffällt, wer welche Position hat“. Ein anderer Nutzer kritisiert: ‚Lisa Müller wird neue CEO bei der Agentur Blaulicht‘ wäre eine wertschätzende Kommunikation gewesen. So reiht sich der Post nur in die Meme-Kategorie ‚how can I make this about me‘ ein. Ich verblasse vor Scham“.

Die neue Chefin Müller reagiert auf diese Vorwürfe und erklärt, dass es sich in ihren Augen sehr wohl um Gleichberechtigung handelt. Sie erklärt: „Auch ein Thomas lässt sich bekanntermaßen von einem Thomas hochhelfen. Gleichberechtigung ist, wenn der Thomas ebenso einer Birgit hochhilft. Nur so geht es. Und es ist dadurch nicht weniger eine Kraftanstrengung“.

Netz unterstützt neue Chefin: „Besser, wenn solche Moves Normalität werden“

Dennoch gibt es auch viel Zuspruch aus dem Netz für diese Entscheidung. Ein User schreibt: „Noch besser wird es, wenn solche Moves Normalität werden“. Ein anderer Nutzer kommentiert: „Bevor ich das hier gelesen hatte, konnte ich mir nicht einmal vorstellen, dass so was passiert - ich meine, dass ein Mann eine Frau vorlässt aus freien Stücken“.

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