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Tödliches Erbgut: Biotech-Firma setzt genmanipulierte Stechmücken aus

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Von: Bjarne Kommnick

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Eine britische Biotech-Firma startet ein umstrittenes Flächenexperiment. Dabei werden genmanipulierte Moskitos freigelassen. Das Ziel: weniger Stechmücken.

Florida – Stechmücken, auch Moskitos genannt, werden nicht selten als die gefährlichsten Tiere der Welt bezeichnet. Fast eine Million Menschen sterben im Jahr durch die kleinen Zweiflügler. Denn Moskitos sind gefährliche Krankheitsüberträger, die Liste ist lang: Malaria, Chikungunya-Fieber, Dengue-Fieber, Gelbfieber, Japanische Enzephalitis, West-Nil-Fieber oder eine Zika-Virus-Infektion, all das sind mögliche Erreger, die Stechmücken jährlich hunderttausendfach an Menschen übertragen. Um dagegen anzukämpfen, hat die britische Biotech-Firma Oxitec in den USA ein umstrittenes Experiment gestartet: Das Unternehmen setzt genmanipulierte Stechmücken in die freie Natur aus. Ziel sei es, die Moskitopopulation zu verringern.

US-BundesstaatFlorida
HauptstadtTallahassee
Fläche170.312 km²
Bevölkerung21,48 Millionen

Biotech-Unternehmen lässt genmanipulierte Stechmücken mit tödlichem Erbgut frei

Forscherinnen und Forscher des britischen Biotech-Unternehmens Oxitec haben im Labor lebensfähige genmanipulierte Stechmücken-Männchen kreiert, die allesamt ein besonderes Merkmal in ihrer DNA tragen: Dieses Merkmal sei ein Gen, das bei der Fortpflanzung in jedem Fall vererbt werden würde. Das Gen sorge bei der Vererbung dafür, dass die Nachkömmlinge der genmanipulierten Moskitos nicht überlebensfähig seien, anders als ihre Erzeuger. Alleine in Deutschland hat es vergangenes Jahr besonders viele Stechmücken gegeben*. Vielen kommt eine reduzierte Nachkommenschaft der Quälgeister also sicher wie gerufen.

Stechemücke, gefährlichstes Tier der Welt
Mithilfe eines umstrittenen Projektes soll die Stechmücken-Population auf der Inselgruppe Florida Keys reduziert werden. © Patrick Pleul/dpa

Die genmanipulierten Moskito-Männchen können also ungehindert viele Eier befruchten, ohne dass dabei Nachkommen entstehen, denn das Gen würde dafür sorgen, dass die Mücken im Larvenstadium sterben würden. Damit nehmen die genmanipulierten Mücken überlebensfähigen Mücken die Chance sich fortzupflanzen, sodass die Mücken-Population schrumpfen soll. Der Testort für das Mücken-Experiment soll die Inselkette Florida Keys an der Südspitze des US-Bundesstaates Florida sein. Die Inseln liegen auf der Grenze zwischen Atlantik und dem Golf von Mexiko und reihen sich in einer Länge von über 290 Kilometern aneinander.

Biotechf-Firma setzt mehr als 20 Millionen genmanipulierte Mücken frei

Die Inseln gelte in Urlauberkreisen als tropische Traumlandschaft und deshalb auch als beliebter touristischer Ort zum Angeln, Schnorcheln und Tauchen. Nur leiden die Tourismus-Branche sowie natürlich die Einwohnerinnen und Einwohner immer stärker unter der Ägyptischen Tigermücke, denn das Tier sei ein aggressiver Krankheitsüberträger. Ähnlich wie die Asiatische Tigermücke – „tödlichstes Tier der Welt“, das sich rasant ausbreitet. Deshalb wurden an sechs Standorten auf der Inselkette zahlreiche Boxen mit den genmanipulierten Mückeneiern aufgestellt. Daraus sollen jeweils 12.000 Mücken in die freie Natur entweichen.

Doch im Laufe des Jahres sollen ganze 20 Millionen weitere Mücken folgen. Bis es zu dem Versuch kommen konnte, brauchte es viel Geduld: Mehrere Jahre musste das Biotech-Unternehmen auf eine Zulassung von den amerikanischen Behörden warten. Molekularbiologe Anthony James von der University of California sagt: „Wenn etwas Neues und Revolutionäres auftaucht, dann ist erste Reaktion bei vielen: ‚Moment mal‘. Daher ist es schon eine große Sache, dass Oxitec mit seinem Versuch in den Vereinigten Staaten loslegen kann.“

Mit genmanipulierte Mücken normale Stechmücken bekämpfen: Biotech-Projekt ist umstritten

Doch trotzdem bleibt das Projekt umstritten. Einwohnerinnen und Einwohner der Inselkette befürchten, dass sich das Problem durch das Experiment nur noch verschärfen könnte. Und ganz unrecht scheinen sie damit nicht zu haben. Denn bei einem identischen Versuch in Brasilien hatte das Unternehmen das gleiche Ziel wie nun auf den Florida Keys. Damals sei das Projekt jedoch gescheitert, wie Studien gezeigt hatten. Ähnliche Versuche mit durchwachsenen Erfolgen probierte das Unternehmen außerdem in Panama, Malaysia und auf den Cayman Inseln.

Es sollen bei den Versuchen einige der Nachkommen trotz des tödlichen Gens überlebt haben. Dabei hätten die überlebenden Stechmücken sogar noch eine Resistenz gegen dieses Erbmaterial entwickelt. Dadurch seien die Insekten noch widerstandsfähiger und gefährlicher geworden, sodass die Population sogar noch gewachsen sei. Deshalb ist Schutz gegen Mücken durchaus sinnvoll, eine bestimmte Pflanze soll wirklich gegen Mücken helfen*, während viele angebliche Wundermittel ihr versprechen eher nicht halten. Die Pflanzenlösung kommt für das Biotech-Unternehmen aber offenbar nicht infrage.* kreiszeitung.de, 24hamburg.de und BW24sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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