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Stadt verbietet McDonald’s Drive-in – weil Anwohner zu dick werden

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Von: Bjarne Kommnick

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McDonald‘s-Filiale in Cremorne, einem Vorort von Sydney.
Sydney verhindert Pläne für einen neuen Drive-in einer McDonald‘s-Filiale in Cremorne, weil die Bevölkerung zu übergewichtig werden könnte . © Sun Wuyuan

Eine McDonald‘s-Filiale darf den Drive-in nicht ausbauen. Die Gesundheitsbehörde befürchtet Folgen für die Gesundheit der Anwohner. Ein dickes Ding.

Cremorne – Eigentlich wollte die gut besuchte australische McDonald‘s-Filiale in Cremorne, einem Vorort von Sydney, nur ihren Drive-in zweispurig auszubauen. Nun will die Regierung das Vorhaben allerdings stoppen. Denn die Gesundheitsbehörde befürchtet, dass die Bevölkerung zunehmend mit Fettleibigkeit zu kämpfen hat und die Pläne der Fast-Food-Kette dazu beitragen würden, das Problem zu verschärfen. McDonald‘s, das sich zuletzt auch aus Russland vollständig zurückgezogen hatte, selbst wehrt sich gegen das Veto des Staates.

StadtSydney
Fläche12.368 km²
Bevölkerung5,312 Millionen (2019)
Höhe3 m

McDonald‘s darf Drive-in nicht ausbauen – damit Anwohner nicht zu dick werden

Die Leiter der Gesundheitsbehörde des North Sydney Countys erklären: „Es besteht die Sorge, dass die zunehmende Zugänglichkeit von Fast-Food über einen erweiterten Drive-in die Essgewohnheiten von Kindern und Erwachsenen negativ beeinflussen könnte“, zitiert dailymail.com Andrew Wheeler und Mary McCafferty, Leiter der Behörde. Zudem würde dadurch die bestehende Gesundheitsstrategie für die Bekämpfung von Fettleibigkeit in der Bevölkerung untergraben werden.

Die Regierung bezieht sich dabei auf Daten des Australian Urban Observatory. Diese zeigen, dass die Bevölkerung in Cremorne bereits ausreichend Zugang zu Fast-Food habe: „Es ist unwahrscheinlich, dass die Bereitstellung eines besseren Zugangs zu Fast-Food über eine erweiterte, zweispurige Durchfahrt zu positiven Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung führt“, so die Gesundheitsbehörde. Doch kann ein Verbot das Essverhalten der örtlichen Bevölkerung wirklich beeinflussen? Ein Beispiel aus London zeigt, wie fanatisch Menschen nach der Fast-Food-Kette sein können, als Kunden regelrecht ausrasteten, weil McDonald‘s einen Burger von der Karte streichen musste.

McDonald`s versus Gesundheitsbehörde: Neuer Drive-in im Konflikt mit Gesundheitszentrum

Der geplante Drive-in würde Menschen davon abhalten, zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren. Doch nicht immer müssen Kunden mit dem Auto kommen, wie eine kuriose Drive-in Bestellung einer Frau auf einem Pferd in Wales bewiesen hatte.

Auch die Nähe zu dem „etablierten“ Cermorne Community Health Centre, das verschieden Gesundheitsdienste anbietet, würde laut Gesundheitsbehörde ebenfalls ein Problem darstellen: „Dementsprechend können die schutzbedürftigen Personen des Zentrums möglicherweise nicht in der Nähe des Zentrums parken, um an ihren Terminen teilzunehmen.“

„Dies kann dazu führen, dass sich der Gesundheitszustand der schutzbedürftigen Personen verschlechtert“, erklärt die Regierung. Die Verantwortlichen von McDonald‘s sehen das jedoch, wie zu erwarten, etwas anders. Eine Unternehmenssprecherin erklärt: „McDonald's ist seit mehr als 40 Jahren Teil der Cremorne-Community. Wir investieren erneut in das Restaurant, um es für unsere Kunden und unsere Crew zugänglicher und bequemer zu machen“, so eine Sprecherin. Denn aufgrund der Corona-Pandemie habe sich die Essgewohnheit der Kundschaft verändert.

Während Corona-Pandemie: McDonald‘s verzeichnet Anstieg von Drive-in-Kunden

„Während der gesamten Pandemie haben wir einen erheblichen Anstieg der Drive-In-Kunden erlebt. Eine zusätzliche Fahrspur wird die Effizienz verbessern und Staus für unsere Kunden reduzieren“, so das Unternehmen. In den vergangenen Jahren habe McDonald‘s einen Anstieg der Drive-in-Transaktionen in Höhe von 8,3 Prozent verzeichnen können. Es ist nicht das erste Mal, dass der Fast-Food-Riese Gegenwind bekommt, eine Frau verklagte McDonald‘s sogar, weil sie zum Fastenbrechen verführt worden sein soll.

Radiomoderator über Baustopp für McDonald‘s-Drive-in: „Beispiel für Übertreibung der Regierung“

Kritik gegen die Gesundheitsbehörde kam auch von Ben Fordham, einem regionalen Radiomoderator des Senders 2GB. Fordham erklärte in seiner Sendung: „Ernsthaft? Was für ein lächerliches Beispiel für die Übertreibung der Regierung“. Zudem habe er darauf hingewiesen, dass die meisten Filialen jetzt ohnehin zwei Durchfahrtsspuren hätten, sodass es wohl keinen großen Unterschied mehr machen dürfte, wie der Drive-in in Cremorne aussehen würde.

Insgesamt sollte die Renovierung rund 550.000 US-Dollar kosten. Mit dem neuen Drive-in sollten demnach 14 zusätzliche Personen gleichzeitig bedient werden können. Die Anzahl der Parkplätze sollte zudem von 35 auf 26 reduziert werden und eine Außenterasse mit 22 Sitzplätzen sollte entfernt werden. Erst kürzlich erntete McDonald‘s wegen einer PR-Aktion einen Shitstorm im Netz. Zu einem außergewöhlichen Vorfall kam es in Großbritannien, als die gesamte McDonald‘s-Belegschaft einer Filiale während der Schicht gekündigt hatte.

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