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„Sind die verrückt geworden?“: Mann ruft Polizei – weil ihm Espresso in Café zu teuer ist

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Von: Bjarne Kommnick

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Weil der Espresso in einem berühmten Café in Florenz für einen Kunden zu teuer ist, ruft der Mann die Polizei. Nun muss der Inhaber 1000 Euro Strafe zahlen.

Florenz – Der Espresso ist ein kulturelles und soziales Ritual, das für viele Italienerinnen und Italiener zum Alltag dazu gehört. Anfang des Jahres hatte die Region Kampanien sogar einen Antrag eingereicht, dass der italienische Espresso, genau wie die neapolitanische Pizza, zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wird. Wie ernst es um den Espresso steht, beweist ein Vorfall aus Florenz: Ein Mann hat die Polizei gerufen, weil ihm der Espresso in einem Café zu teuer war. Doch nicht nur das: Als Strafe müssen die Inhaber 1000 Euro Bußgeld zahlen, wie der „Guardian“ berichtete.

Stadt:Florenz
Fläche:102,4 km²
Höhe:50 m
Bevölkerung:382.258

Mann ruft Polizei, weil Espresso in einem Café zu teuer ist – und bekommt Recht

In Italien liegt der übliche Preis für einen Espresso bei etwa einem Euro. In dem bekannten Café „Ditta Artigianale“, das auch international einen guten Ruf genießt, müssen Kundinnen und Kunden dafür jedoch zwei Euro zahlen – also doppelt so viel, wie an den meisten anderen Verkaufsstellen. Für einen Mann war das Anlass genug, die Polizei zu rufen, denn er sei davon ausgegangen, dass sich auch das Café an die Preisabsprachen für Espresso halten würde.

Eine Tasse Espresso.
Weil ihm der Espresso „zu teuer“ war, hat ein Mann in Florenz die Polizei gerufen. © dpa/Frank Rumpenhorst

Dabei handelt es sich zwar nicht um ein festgeschriebenes Gesetz – dennoch haben die Beamtinnen und Beamten der Carabinieri, also der italienischen Polizei, dem Mann recht gegeben. Zum Verhängnis sei dem Café geworden, dass der Preis weder vor noch hinter dem Tresen offen für Kundinnen und Kunden einzusehen gewesen sei und dann der Preis in Höhe von einem Euro üblich wäre.

Preise für zwei-Euro-Espresso nicht ausgeschrieben: Café „Ditta Artiginale“ muss 1000 Euro Strafe zahlen

Deshalb kam es für die Inhaber des „Ditta Artigianale“ faustdick. Denn die Polizei sah darin einen klaren rechtlichen Verstoß. Das Café wurde für die „zu hohen“ Espresso-Preise bestraft und musste ein Bußgeld in Höhe von 1000 Euro zahlen. Rechnet man die Strafe auf Espressi um, müsste das „Ditta Artigianale“ ungeachtet der Produktionskosten 500 Espressi verkaufen, damit diese Summe wieder beglichen wäre.

Das will der Inhaber Francesco Sanapo nicht auf sich sitzen lassen. Auf Facebook meldete er sich im Namen seines Cafés zu Wort. Mit einem Schreiben der Polizei in der Hand drehte er ein Video und richtete sich an seine Community: „Sie haben mir ein Bußgeld aufgedrückt, weil sich jemand darüber aufgeregt hat, dass er zwei Euro für einen koffeinfreien Espresso bezahlen musste. Ist das zu glauben?“ Kuriose Rechtsfälle gibt es immer wieder: In Indien verklagte ein Mann seine Eltern, weil er geboren wurde. In Perth hingegen verklagte eine Frau einen Mann, weil er Fleisch grillte.

Café-Besitzer appelliert wegen Bußgeld für teuren Espresso an die Politik: „Gesetz muss geändert werden“

„Auch heute noch kann sich jemand so sehr darüber aufregen, dass er die Polizei einschaltet, die dann feststellt, dass wir aufgrund eines überholten Gesetzes im Unrecht sind. Dieses Gesetz muss geändert werden, sonst würden 99,9 Prozent der Bars und Restaurants dagegen verstoßen“, beschreibt Sanapo und appelliert damit auch an die italienische Politik.

Jedoch stellt er auch klar: „Ich bin nicht hier, um über das Bußgeld zu diskutieren, das wird in den zuständigen Ämtern erledigt und ich bin bereit, für meine Fehler zu bezahlen“, so Sanapo. Bereits als sein Café mit einem Espresso-Preis von 1,50 Euro an den Start ging, sorgte dies für eine große Kontroverse unter den Kundinnen und Kunden und habe sowohl positive als auch negative Reaktionen hervorgerufen. Doch eine Strafe habe er bis jetzt noch nie zahlen müssen. Im Rhein-Neckar-Kreis drohen Katzenbesitzern derzeit eine Strafe, wenn sie ihre Katze aus dem Haus lassen.

Café in Italien bietet Espresso für zwei Euro an: „Ein italienisches Nationalgut“

Außerdem macht Sanapo in seinem Video auch auf die aktuellen Produktionsbedingungen für Cafés aufmerksam und betont, wie hoch die Qualität seiner Produkte sei. Demnach dürfe sich niemand über zwei Euro für einen Espresso beschweren, da die Inflation, hohe Rohstoffpreise und Lieferkettenprobleme den Kaffeepreis ohnehin ansteigen lassen würden. Auf Facebook schreibt das Café: „Espresso ist ein italienisches Nationalgut, aber die Sorge um hochwertigen Kaffee und nachhaltige Beschaffung ist in Italien immer noch ein heikles Thema“.

Reaktionen zu hohem Espresso-Preis fallen unterschiedlich aus: „Ein zwei-Euro-Espresso ist höchstens etwas für Diebe“

Auf Facebook haben trotzdem nicht alle Verständnis für das Statement des Cafés. Ein User schreibt: „Zwei Euro für eine Handvoll Wasser mit Kaffeepulver, sind die verrückt geworden?“ Ein andere schreibt: „Die Arroganz derjenigen, die gegen das Gesetz verstoßen und sich dann beschweren und Gerechtigkeit fordern, ist unglaublich.“ Ein Dritter schreibt: „Was zum Teufel, ein zwei-Euro-Espresso ist höchstens etwas für Diebe.“

Doch Sanapo erhält auch Zuspruch: „Wenn man hört, wie die Produktionskosten steigen, geht zwei Euro für mich in Ordnung, zudem das Café ja offensichtlich hoch angesehen ist. Darf es nun gar keine Luxusartikel mehr geben?“ Ein anderer User schlägt einen Kompromiss vor: „Es gibt so viele Orte, an denen du für einen Euro einen Espresso bekommt, wieso muss es ausgerechnet das Café sein?“ Doch auf diese Frage wird der User vermutlich keine Antwort erhalten.

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