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„Wissen nicht, wie wir überleben sollen“: Oligarch steht ohne Putzfrau da

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Von: Tanja Kipke

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Russische Oligarchen im Sturm der EU-Sanktionen: Konten gesperrt, Yachten beschlagnahmt – Putin-Freund Pjotr Awen berichtet vom harten Leben ohne Luxus.

London - Die EU nennt ihn einen der „engsten Oligarchen von Putin“: Pjotr Awen. Der Multimilliardär baute zusammen mit Michael Fridman (ebenfalls russischer Oligarch) die Alfa-Group auf - Russlands größte Geschäftsbank. Rund 25 Superreiche stehen auf der EU-Sanktionsliste wegen des Krieges in der Ukraine. Die Strafen treffen die Superreichen genau dort, wo es ihnen wehtut. Konten werden eingefroren, Ferienwohnungen gesperrt. In einem Interview mit der Financial Times beschrieb Awen jetzt sein „neues Leben“.

Name:Pjotr Awen
Beruf:Präsident der AlfaBank (Russlands größte Geschäftsbank)
Vermögen:Rund 4,4 Milliarden USD
Studium:Staatliche Universität Moskau

Wegen EU-Sanktionen: Oligarch verzweifelt – er muss ohne Putzfrau und Fahrer leben

Bereits kurz nach den verhängten Sanktionen beschwerten sich die Oligarchen Awen und Fridman über die Entscheidung der EU. Die Vorwürfe seien „fadenscheinig und unbegründet“, teilten die beiden Unternehmer mit „Dies sind böswillige und vorsätzliche Unwahrheiten.“ Die Oligarchen wollen gegen die verhängten Maßnahmen vorgehen. Pjotre Awens Geschäftspartner Fridman beklagte sich bereits über sein „schmales“ Taschengeld von 3.000 Euro im Monat. : „Ich weiß nicht, wie ich leben soll, ich weiß es wirklich nicht“, resignierte er im Interview.

Auch Yachten von russischen Oligarchen haben Behörden bereits im Fokus, erst vor zwei Wochen wurde in Spanien eine russische Superyacht festgsetzt. Spekulationen über eine beschlagnahmte Mega-Yacht vom Putins-Freund Usmanov im Hamburger Hafen sorgten in den letzten Wochen immer wieder für Verwirrung. Bestätigt werden konnte eine Beschlagnahmung bisher nicht, die „Dillbar“ befindet sich aber noch in Hamburg – inzwischen unbemannt: Die Crew der Oligarchen-Yacht hat hingeschmissen und ist abgehauen.

Frau von Oligarch Pjotr Awens plünderte vor EU-Sanktionen noch schnell Bank-Konto

Pjotr Awnes Frau habe noch kurz vor Inkrafttreten der Sanktionen, so viel Bargeld wie möglich abgehoben, berichtet der Stern unter Berufung auf die Financial Times. „Unser Business ist komplett zerstört. Alles, was wir in 30 Jahren aufgebaut haben, ist jetzt komplett ruiniert. Und wir müssen irgendwie ein neues Leben anfangen“, sagte der 67-jährige Russe im Interview. Er wisse derzeit nicht, wie er seine Rechnungen bezahlen soll und ob er noch eine Reinigungskraft oder einen Fahrer haben dürfe. „Ich fahre gar nicht selbst…vielleicht fährt meine Stieftochter mich. Wir wissen nicht, wie wir überleben sollen“, beklagt sich Awen. Der Oligarch wohnt derzeit mit seiner Frau in einer Luxus-Wohnung in London. Er hat offenbar nicht damit gerechnet, sich in seinem Leben mal mit „Alltagsproblemen“ auseinandersetzen zu müssen.

Wir wissen nicht, wie wir überleben sollen.

Pjotr Awen
Der russische Oligarch Pjotr Awen weiß nicht, wie er ohne sein Vermögen leben soll.
Der russische Oligarch Pjotr Awen weiß nicht, wie er ohne sein Vermögen leben soll. © Valery Sharifulin/dpa

Russischer Oligarch Pjotr Awen aus eigenem Büro ausgesperrt, Mitarbeiter haben Angst, ihn zu treffen

Kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges, in dessen Angesicht die Bundesregierung nun einen eigenen Raketenschutzschild will, ist Awen von der in London ansässigen 22-Milliarden-Dollar-Investmentfirma LetterOne zurückgetreten. Das berichtet Business Insider. Laut Medienberichten trat er nach den Sanktionen sogar auch bei der AlfaBank als Vorstand zurück. Mitarbeiter der Unternehmen befinden sich in einer Zwickmühle. „Sie haben sogar Angst davor, mich persönlich zu treffen. Wir haben große Angst vor den Behörden“, erklärt der Oligarch Awen der Financial Times. Die Investmentfirma habe Fridman und Awen sogar aus den Büros ausgesperrt. „Rechtlich gesehen können wir das Geschäft nicht anfassen.“

Pjotr Awen mit Wladimir Putin bei einem Geschäftmeeting in 2005.
Pjotr Awen mit Wladimir Putin bei einem Geschäftmeeting in 2005. © imago/Archivbild

Britische Anwälte wollen russischen Oligarchen nicht vertreten

Der Oligarch will sich die verhängten Sanktionen nicht einfach gefallen lassen. „Nur weil man den Präsidenten getroffen hat, wird man sanktioniert“. Er fühle sich ungerecht behandelt und wolle dagegen vorgehen. Dafür bräuchte er allerdings erstmal einen Anwalt. „Britische Anwälte wollen nicht mit Russen arbeiten“, beschwert er sich. „Bei Putin habe ich die Alfa-Gruppe präsentiert, nicht mich selbst.“ Die Sanktionen seien laut ihm aufgrund des Krieges verständlich, jedoch nicht fair. Aber er wolle sich nicht beschweren, da anderswo Menschen sterben würden, zitiert ihn der Stern. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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