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Russischer Oligarch rechnet mit Putin ab: „Scheißland, Scheißarmee!“

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Von: Ulrike Hagen

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Ein russischer Oligarch wettert gegen sein Land und die Armee. Den Westen fordert er auf, Putin einen Ausweg zu ebnen, der ihn sein Gesicht wahren lässt.

London – Die Anzeichen mehren sich, dass Wladimir Putin nach der Invasion der Ukraine durch die russischen Streitkräfte langsam aber sicher auch der Rückenhalt seiner engsten Oligarchen-Freunde verloren geht – zumindest von einigen. Nachdem der milliardenschwere Unternehmer und Besitzer des französischen Fußballvereins AS Monaco, Dmitri Rybolowlew, sich solidarisch mit der Ukraine zeigte – der russische Oligarch spendete erhebliche Summen für ukrainische Kriegsopfer – kritisiert nun ein Oligarch Putin, Russland und die Armee aufs Schärfste – und das öffentlich.

Unternehmer:Oleg Jurjewitsch Tinkow
Geboren:25. Dezember 1967
Unternehmensgründungen:Tinkoff Bank, Darja, Tinkoff Brauerei
Wohnort:London
Vermögen:820 Millionen US-Dollar (2022), 4,7 Milliarden US-Dollar (2021)

Oligarch wettert gegen Putin und den Ukraine-Krieg: „Irrsinniger Krieg einer Scheißarmee“

Der russische Ex-Milliardär Oleg Tinkow – sein Vermögen schmolz laut „Forbes“ innerhalb kürzester Zeit von 4,7 Milliarden US-Dollar auf 820 Millionen US-Dollar zusammen – wettete in einem Instagram-Post gegen sein Land und den „irrsinnigen Krieg“. Eine kleine Sensation und eine deutliche Ansage gegen den Maulkorb, den Putin dem gesamten Land verordnet hat. Das Wort „Krieg“ in den Mund zu nehmen, ist unter Strafe verboten. Neue Gesetze sehen Haftstrafen von bis zu 15 Jahren und hohe Geldbußen für „Fake-News“ vor – also das, was Russland als Falschnachrichten versteht.

Oligarch Oleg Tinkov, telefoniert auf dem Internationalen Wirtschaftsforum St. Petersburg.
„Scheissarmee, Scheissland!“ – dem russischen Oligarchen Oleg Tinkov platzt auf Instagram der Kragen. © Imago/Alexander Ryumin/TASS

Oligarch wettert gegen Krieg von Putin: „Unschuldige Menschen und Soldaten sterben“

Tinkow, der Gründer der ersten Onlinebank Russlands, Tinkoff Bank, holt in seinem Post beherzt aus: „Ich sehe nicht EINEN Nutznießer dieses irrsinnigen Krieges! Unschuldige Menschen und Soldaten sterben“. Er wettert weiter gegen Putins Truppen: „Die Generäle sind mit einem Kater aufgewacht und haben festgestellt, dass sie eine beschissene Armee haben.“

Oligarch revoltiert gegen Putin: Tinkow spricht von Krieg, Vetternwirtschaft und Speichelleckerei

Tinkows Zorn richtet sich direkt gegen die russischen Staatsstrukturen und Machtinhaber. Während der ebenso in London unter Hausarrest residierende Oligarch Michail Fridmann, der über Sanktionen jammert: „Kann nicht mehr essen gehen“, wütet er: „Und wie sollte die Armee auch gut sein, wenn alles andere im Land scheiße ist, und in Vetternwirtschaft, Speichelleckerei und Unterwürfigkeit versinkt.“

Und das, obwohl für ihn als russischen (Ex-)Milliardär mittlerweile die Luft dünner wird, wie auch für Abramowitsch, der reiche Freunde um Geld anbettelt, weil er als Oligarch im Visier westlicher Länder, mit festgesetzter Jacht und Sanktionen zu kämpfen hat. Tinkow jedoch tickt ähnlich wie der Assistent von Oligarchen, der entsetzt hinschmiss – und verlacht die „Sorgen“ protegierter Staatsdiener: „Kremlbeamte sind schockiert, dass nicht nur sie, sondern auch ihre Kinder diesen Sommer nicht ans Mittelmeer fahren können.“ 

10 Prozent Idioten gibt es in jedem Land. Und 90 Prozent der Russen sind GEGEN diesen Krieg! 

 Oleg Tinkow, russischer Oligarch, auf Instagram

Russischer Oligarch wettert gegen Krieg, aber bricht eine Lanze für sein Land

Doch der russische Nur-noch-Millionär, findet auch versöhnliche Worte für seine Landsmänner und -frauen: „Natürlich gibt es Idioten, die Z zeichnen, aber Idioten gibt es in jedem Land zu zehn Prozent. Neunzig Prozent der Russen sind GEGEN diesen Krieg!“

Hunderttausende applaudieren dem Oligarchen: „Es gibt so viele von uns, nur viele haben Angst“

Die Reaktionen auf den spektakulären Post geben dem Mann recht: Innerhalb kürzester Zeit markierten über 129.000 Nutzer den Beitrag mit „gefällt mir“. Mehr als 27.000 User kommentierten ihn, darunter zahllose Russen und Russinnen: „Es gibt so viele von uns, nur viele haben auch Angst, sich zu äußern. Die Umfragen zeigen ein falsches Bild, um uns davon zu überzeugen, dass wir eine wertlose Minderheit sind, und um uns zu in die Irre zu leiten!“, pflichtet eine Nutzerin Tinkow bei. „Hurra! Die Meinung eines denkenden Menschen“, applaudiert ein anderer.

Tinkow appelliert an den Westen: Bietet Putin Ausweg an, der ihn sein Gesicht wahren lässt

Bei aller Kritik am Angriffskrieg des russischen Präsidenten richtet der Oligarch auch einen brennenden Appell an die westliche Welt, um das Grauen des Krieges zu beenden: „Lieber ‚kollektiver Westen‘, bitte bieten Sie Herrn Putin einen klaren Ausweg, mit dem er sein Gesicht wahren kann und durch den dieses Massaker beendet wird. Bitte seien Sie rationaler und humanitärer!“

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