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Restaurant lässt keine Tätowierten rein: „Damit sich Gäste wohler fühlen“

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Von: Bjarne Kommnick

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Das Restaurant Bedouin in Sydney erteilt tätowierten Gästen jetzt Hausverbund – um „einschüchternde Erscheinungen“ zu verhindern. Nun hagelt es Vorwürfe.

Sydney – Das beliebte Restaurant Bedouin im australischen Sydney lässt ab sofort keine Gäste mit sichtbaren Tätowierungen mehr rein. Die Geschäftsführung hat diese Entscheidung getroffen, da Personen mit sichtbaren Tattoos eine „einschüchternde Wirkung“ haben könnten, heißt es in der Erklärung der Geschäftsführung. Nun sei das Tattoo-Verbot Teil der Haus- und Kleiderordnung, dementsprechend habe das Personal ein Schild vor dem Restaurant angebracht, das auf die neuen Regeln hinweisen würde. Genau das Gegenteil ist in einer Kneipe in Hamburg der Fall: Dort können Gäste, die sich das Kneipen-Logo tätowieren lassen, für die Hälfte trinken – lebenslang. Währenddessen ist im Bedouin auch „Kleidung mit Designeretikett“ und „schwerer Schmuck“ seien demnach verboten, damit sich Kundinnen und Kunden beim Essen „wohler fühlen“.

StadtSydney
Bevölkerung5,312 Millionen
Fläche12.368 km²
Australischer BundesstaatNew South Wales

Restaurant lässt keine tätowierte Gäste rein: damit sich andere Gäste nicht unwohl fühlen

Die neue Regelung gefällt natürlich längst nicht jedem – unter den Betroffenen ist auch ein bisheriger Fan des Restaurants: Der britische Koch Michael Mcleroy wohnt seit 2016 in der Nähe von Sidney und esse selbst gerne bei der Konkurrenz im Bedouin. Doch damit sei es nun erstmal vorbei, denn er selbst ist von der Regelung betroffen: „Ich habe noch nie von so einer Richtlinie in Australien gehört, aber ich habe selber Kopf- und Armtattoos und nicht ein einziges Mal, wenn ich auswärts esse war, ist mir bis vor kurzem so etwas passiert“, sagte er gegenüber dem australischen Nachrichtenportal 7news.com.

Gäste in einem Restaurant und ein durchgestrichenes Tattoo
„Einschüchterndes Aussehen“: das Restaurant Bedouin in Sydney verwehrt Gästen mit Tattoos, übertriebenem Schmuck und Designer-Klamotten den Zutritt. (kreiszeitung.de-Montage) © Ali Haider/Marijan Murat/dpa

Restaurant weist Gäste wegen Tätowierung ab, Gäste entsetzt: „Beunruhigend, zu solchen Regeln zurückzukehren“

Beim letzten Mal sei es jedoch anders gekommen, als alles, was Koch Michael Mcleroy in seinem bisherigen Leben bei einem Restaurantbesuch erlebt hat. Das Restaurant habe ihm den Eintritt verweigert. Als er mit seinen Kolleginnen und Kollegen anschließend an seinem eigenen Arbeitsplatz darüber geredet hatte, habe er jedoch erfahren, dass solch eine Regelung vor einigen Jahren in der Branche gängige Praxis gewesen sei. „Zu hören, dass sie diese Regeln jetzt einführen, ist eine Schande, zu hören, dass wir zu diesen Regeln zurückkehren, ist beunruhigend“, kommentierte Mcleroy die neue Haus- und Kleiderordnung. Er sehe darin eine Diskriminierung. Er fürchte auch, dass andere Restaurants wieder nachziehen könnten: „Ich liebe es, in Restaurants zu essen, also wird sich das früher oder später auf meine Esserlebnisse auswirken.“ Aus der Gastronomie ausgeschlossen sehen sich auch Menschen mit sportlich-legerem Kleidungsstil: Ein Mühlheimer Wirt erteilt seinen Café-Gästen Jogginghosen-Verbot* – man sei schließlich kein „Ausflugslokal“.

Tattoo-Verbot im Restaurant: Vergrault das Bedouin seine Promi-Gäste?

Die Maßnahme des Bedouin Restaurants, das sich ab 22 Uhr auch immer in einen Nachtklub verwandelt, scheint verwunderlich zu sein, da es besonders ein beliebter Ort für Prominente sei. Zu den bekanntesten Stammgästen würden Stars wie Tennisspieler Nick Kyrgios, Sängerin Rita Ora, Regisseur Taika Waititi und US-Schauspieler Scott Eastwood gehören. Denkbar, dass aufgrund der neuen Haus- und Kleiderordnung nun wieder einige Stammgäste abspringen könnten, denn es ist kein Geheimnis, dass Tätowierungen, Designermarken und schwerer Schmuck bei nicht wenigen berühmten Personen eine maßgebliche Rolle im Look spielen.

Zu hören, dass sie diese Regeln jetzt einführen, ist eine Schande, zu hören, dass wir zu diesen Regeln zurückkehren, ist beunruhigend.

Michael Mcleroy, Koch aus Sydney

Das Restaurant will mit dem Tattoo-Verbot eine „einschüchternde Erscheinungen verhindern“

Bisher seien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht von der Regelung betroffen, Kündigungen seien nicht nötig gewesen aufgrund der neuen Kleiderordnung. Interessant könnte es aber für neue Bewerberinnen und Bewerber werden. Die Mitlizenznehmerin des Restaurants, Poata Okeroa, sagte gegenüber The Daily Telegraph, dass die Richtlinie eingeführt worden seien, um „einschüchternde Erscheinungen“ zu verhindern. In diesem Gespräch fügte sie hinzu: „Wir schätzen unsere Kunden und Interessengruppen in der Gemeinschaft und haben immer Hausregeln eingeführt, die eine Kleiderrichtlinie beinhalten, die einschüchternde Erscheinungen verhindert.“ Sicher ist sicher – man weiß ja nie, was die Menschen so erzürnt: Im englischen Oldham musste ein Restaurant sogar Schadensersatz zahlen, weil einem Kunden das Eis zu kalt war*.

Restaurant erteilt Hausverbot für Tätowierte: Netz reagiert empört

Warum genau das Bedouin davon ausgeht, dass Kundinnen und Kunden eingeschüchtert werden könnten, darauf ist das Restaurant auf Nachfrage noch nicht eingegangen. Im Netz ist die Wut darüber groß. Eine Nutzerin schreibt: „Das ist pure Diskriminierung und das in 2022, schäm dich, Bedouin Restaurant!“. Ein weiterer User kommentiert: „Ich habe gehofft, dass die Menschen heute etwas cleverer wären als damals.“ Einige können es kaum glauben, ein Nutzer schreibt: „Haben sich wirklich Kunden beschwert? Oder war das eine ‚grandiose‘ Idee der Geschäftsführung? Beides geht gar nicht!“

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Lesen Sie auch: In Deutschland sehen sich derweil sämtliche Tätowierer mit dem Tattoo-Farben-Verbot, das seit dem 4. Januar gilt, konfrontiert. Tätowiererin Maren Kindel aus Syke hält das neue Gesetz für „Willkür“. Im Landkreis Diepholz haben sich deshalb mehrere Tätowierer zusammengeschlossen und eine Petition gegen das Verbot der Farbpigmente „Blue 16“ und „Green 7“ gestartet. Der Tätowierer Peter Polus hingegen kritisiert eher, wie im Allgemeinen über das Tattoo-Farben-Verbot berichtet werde. *kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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