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„Radikale Vereinfachung“: Laut Ford-Chef werden E-Auto so billig wie nie

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Von: Bjarne Kommnick

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Ford-Chef Jim Farley prophezeit ein Preisdumping der Elektroauto-Hersteller. Der Grund: E-Autos zu produzieren, würde so billig wie niemals zuvor.

Detroit – Der Ford-Vorstandsvorsitzende Jim Farley erwartet, dass die Produktionskosten für E-Autos so weit sinken werden, wie niemals zuvor. Der CEO des US-Autoherstellers prophezeit, dass Produzenten in den kommenden Jahren um den Verkauf von Elektrofahrzeugen zu einem Preis von 25.000 US-Dollar, rund 23.300 Euro, kämpfen werden, wie die „Washington Post“ berichtet. „Ich glaube also, dass unsere Branche definitiv auf einen riesigen Preiskampf zusteuern wird“, erklärte Farley auf der Bernstein Strategic Conference vergangene Woche. Doch dagegen regt sich auch Widerstand.

Autohersteller :Ford
Gründung:16. Juni 1903, Detroit, Michigan, Vereinigte Staaten
Gründer:Henry Ford
CEO:Jim Farley (seit 1. Okt. 2020)

„Radikale Vereinfachung“ der Produktion: Ford-Chef erwartet Preiskrieg um E-Autos

Obwohl die Rohstoffpreise weiterhin steigen würden und einige Rohstoffe für die Produktion von E-Autos bereits knapp werden, ist sich Farley sicher, dass bereits in wenigen Jahren die Produktionskosten für ein Elektroauto nur noch bei rund 18.000 US-Dollar, knapp 16.800 Euro, liegen werden. Ihm zufolge würden große Kostensenkungen mit neuer Batterietechnik, die weniger teure und knapp zu werden drohende Rohstoffe für Elektroautos wie Lithium, nämlich Nickel und Kobalt verwendet, kommen. Außerdem werde der Bau von Elektrofahrzeugen weniger Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen, wodurch Geld gespart werde, so Farley.

Ford-CEO Jim Farley steht vor einem Ford-Modell mit hochgestreckten Daumen.
Der Ford-CEO Jim Farley erwartet stark sinkende Produktionskosten für Elektroautos in den kommenden Jahren. © Dominick Sokotoff / imago

Preiskrieg: Ford-Chef kündigt „radikale Vereinfachung“ der E-Auto-Produktion an

Derzeit würde alleine die Produktion des Akkus so viel Kosten, wie schon bald das gesamte Auto. Deshalb stellten immer mehr Autohersteller um. Ford entwerfe derweil die nächste Generation von Elektrofahrzeugen für eine „radikale Vereinfachung“ der Arbeit, die erforderlich sei, um sie zusammenzubauen, so Farley. Dazu gehören „die Hälfte der Vorrichtungen, die Hälfte der Arbeitsstationen, die Hälfte der Schweißnähte, dazu weniger Verbindungselemente“, erklärte er auf der Konferenz. „Weil es ein so einfaches Produkt ist, haben wir es entwickelt, um die Herstellbarkeit radikal zu verändern.“

Ford-CEO: Preiskrieg ist in China längst gestartet

Zudem würde die neue Generation von E-Autos auf eine „optimale Aerodynamik“ ausgelegt sein. Das bedeutet, die kleinstmögliche Batterie für die größtmögliche Reichweite. Dabei spiele auch die Karosserie eine Rolle, um den Luftwiderstand so gering zu halten wie möglich. Dank der zusätzlichen Reichweite könnten die Produktionskosten alleine um 3000 US-Dollar gesenkt werden, so Farley. „Die Überarbeitung des Fahrzeugs zur Minimierung der Batteriegröße, da sie so teuer ist, wird für diese Produkte der zweiten Generation eine Wende darstellen“, erklärte der CEO.

In China sei dieser Preiskrieg längst angekommen, so Farley. Dennoch glaubt er, dass chinesische Hersteller insgesamt am meisten von den sinkenden Produktionskosten profitieren werden. Doch bereits jetzt unterbieten sich die Produzenten bereits in Sachen Elektroauto-Preisen. Das beliebteste Modell in China vom Hersteller Wuling koste gerade einmal 8000 US-Dollar – umgerechnet noch nicht einmal 7500 Euro. Zuletzt stiegen jedoch auch die Verkaufszahlen von Wasserstoffautos stark an, ein chinesischer Autohersteller geht nun mit der größten Wasserstoffauto-Massenproduktion jemals an den Start.

Sinkende Produktionskosten für Elektroautos wohl frühestens 2026

Michelle Krebs, Executive Analyst bei Cox Automotive, sagte gegenüber der „Washington Post“, Ford habe noch einen langen Weg vor sich, um die von Farley skizzierten Kostensenkungen zu erreichen. „Es hört sich so an, als müssten viele Dinge zusammenpassen, damit dies geschieht“, sagte Krebs. Demnach habe Ford in den letzten Jahren Probleme mit der Qualitätskontrolle bei mehreren seiner neuen Fahrzeuge gehabt, was die Kosten in die Höhe trieb. Doch auch andere E-Autohersteller kämpfen noch mit Qualitätsproblemen, zuletzt zog ein Elektroautofahrer wegen Mängeln an seinem Neuwagen gegen Tesla vor Gericht.

Und auch Farley selbst sei sich darüber bewusst, dass seine Pläne frühestens 2026 erreicht werden können: „Es wird eine Weile dauern, aber ich setze mich selbst unter Druck, um mit diesen Fahrzeugen Geld zu verdienen“, so Farley. „Es wird eine gute Investition sein.“

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