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Polizisten ignorieren Raubüberfall wegen Handyspiel – beide sofort entlassen

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Von: Bjarne Kommnick

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Raubüberfall in einem Kaufhaus. Zwei Polizisten in der Nähe werden zum Einsatz gerufen. Doch sie schwänzen lieber und spielen Pokémon Go. Nun sind sie arbeitslos.

Los Angeles – Die Polizisten Eric Mitchell und Louis Lozano aus Los Angeles haben während eines Raubüberfalls auf die Warenhauskette Macy‘s lieber das berühmte Handyspiel Pokémon Go gespielt, als ihrem Dienst nachzukommen. Deshalb hat sie das Los Angeles Police Department (LAPD) nun entlassen, wie Sky News berichtet hatte. Eine Berufung gegen die Entlassung hat das California Courts of Appeal, also das zuständige Gericht in Los Angeles, ebenfalls abgelehnt. Im Urteil heißt es, dass die Kündigung aufgrund von „mehreren Vorfällen von Fehlverhalten“ rechtskräftig sei.

Stadt:Los Angeles
Bevölkerung:3,967 Millionen
Fläche:1.302 km²
Bürgermeister:Eric Garcetti

Wegen Handyspiel Pokémon Go: Polizisten ignorieren Raubüberfall

Eigentlich sollte der Vorfall ein Geheimnis von Mitchell und Lozano bleiben, dabei hatten sich die beiden zum Teil noch selbst überführt. Denn ausgerechnet Aufnahmen ihrer eigenen Auto-Dashcam hätten das Fehlverhalten vom Tag des Raubüberfalls aufgezeichnet. Als ein Vorgesetzter über den Kommunikations-Funk zum Raubüberfall mit mehreren Tätern gerufen hatte, hätten sich die beiden mit ihrem Polizeiauto in einer Gasse nur wenige Meter vom Tatort entfernt versteckt und das Handyspiel gezockt.

Ein Macy‘s Geschäft und ein Polizist, der auf ein Smartphone schaut
Los Angeles: zwei Polizisten wurden gefeuert, weil sie wegen eines Handyspiels einen Überfall ignorierten. (24hamburg.de-Montage) © G. Ronald Lopez/Ed Jones/afp

In einer ersten Anhörung beteuerten die beiden (inzwischen) Ex-Polizisten, sie hätten den Funk nicht hören können, da das Auto-Radio ihres Einsatzfahrzeuges beschädigt gewesen sei. Zudem gaben sie als möglichen Grund an, dass sie während des Raubüberfalls entlang eines gut besuchten Parks gefahren seien könnten, in dem extrem laute Musik dafür gesorgt haben soll, dass Mitchell und Lozano den Funk nicht hören konnten. Weil der zuständige Richter ihnen das nicht glaubte, wollte er das Video der Fahrzeug-Kamera überprüfen lassen, um „herauszufinden, was sie an ihrem durchschnittlichen Tag tun“, so der Vorsitzende Richter des California Courts of Appeal.

Pokémon Go statt Verbrecherjagd: Videoaufnahmen überführen zockende Polizisten

Die Bilder und Tonaufnahmen lügen nicht. „Ich habe dir heute ein neues Pokémon besorgt, Alter“, sagt einer der beiden Polizisten euphorisch auf dem Video, „die Jungs werden so eifersüchtig sein“, fügt er hinzu. Man könnte zwar meinen, dass die Sätze „lauf nicht weg, lauf nicht weg“ und „ich hab ihn gefangen“ der Verbrecherjagd dienen, in diesem Fall saßen die beiden jedoch seelenruhig in ihrem Auto und waren auf der Jagd nach virtuellen Pokémon-Monstern – und nicht nach Kriminellen.

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Als der Einsatz über den Polizeifunk kommuniziert wurde, habe Mitchell laut Gericht noch kurz Zweifel geäußert: „Ich will nicht, dass die denken, wir ignorieren den Funk“, soll er gesagt haben. Lozano hätte ihn jedoch schnell von seinen Zweifeln befreien können. Für eine mögliche Manipulation oder einen Zwang, den Dienst zu schwänzen, habe das Gericht keine Hinweise gesehen, deshalb wurden beide auch gleichermaßen beurteilt und dementsprechend entlassen. Als eine Bankerin in New York entlassen wurde, löschte sie kurzerhand die Kundendaten von mehr als 20.000 Personen.

Polizisten ignorieren Raubüberfall: Chef schöpft nach verpasstem Einsatz aber schnell Verdacht

Als man die beiden Ex-Polizisten kurz nach dem Einsatz mit ihrer Abwesenheit konfrontierte, hätten die beiden auf ihre Ausrede bestanden. Ihr Vorgesetzter habe dort jedoch zum ersten Mal Verdacht geschöpft, dass die beiden absichtlich nicht anwesend waren und lügen könnten. Später habe er die beiden nach mehreren Ungereimtheiten entlassen, das Gericht bestätigte diese Entscheidung nun.

Der verpasste Raubüberfall sei nur die Spitze des Eisberges gewesen, auch in anderen Schichten hätten die Arbeitskollegen Mitchell und Lozano ihre Dienstzeit lieber mit Freizeitbeschäftigungen verbracht als mit ihren Pflichten. Auch ein Beamter aus Schweden hatte keine Lust auf Arbeiten und hat deshalb seine Telefonleitung dauerhaft selbst belegt.* Zu einem kuriosen Urteil kam es ebenso in England, ein Gericht in Durham gab einem Mann Recht, der ein Auto wütend mit dem Trecker vom Hof geschmissen hatte. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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