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Polizei kauft Roboter für 66.000 Euro – und weiß selber nicht, wofür

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Von: Ulrike Hagen

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Die Polizei NRW schafft einen 66.000 Euro teurer Roboter-Hund an – und weiß selbst nicht, wofür sie ihn einsetzen soll. Nun hagelt es harte Kritik.

Duisburg – Steuergeld-Verschwendung oder in verspielte Naivität verpackter Blick auf die schöne neue Welt einer Roboter-Diktatur? Im neu eröffneten „Innovation Lab“ der Polizei in Nordrhein-Westfalen wird ein 66.000 Euro teuer Polizei-„Hund“ vorgestellt. Die Verwendung für das kostspielige Gimmick ist jedoch völlig unklar. In New York wurde die Roboter-Technologie bereits eingesetzt – und wegen scharfer Kritik an der „Militarisierung der Polizei“ wieder abgeschafft.

Robotik-Unternehmen:Boston Dynamics
Gründung:6. November 1992
Hauptsitz:Waltham, USA
Forschungsschwerpunkte:Autonome Laufroboter, u.a. für das US-Militär

Polizei-Roboter für 66.000 Euro angeschafft – und keinerlei Einsatz-Ideen

Gerade erst hat das neue Schwarzbuch entlarvt, wo Niedersachsen sinnlos Steuern vergeudet. Nun schickt sich das nächste Bundesland an, in den Fokus des „Bundes der Steuerzahler“ zu geraten: NRW-Innenminister Herbert Reul, der sich jüngst besorgt über die zunehmende Gewaltbereitschaft bei Corona-Leugnern äußerte, eröffnete in Duisburg das „Innovation Lab“ der Polizei – und stellte einen mehrere zehntausende Euro teuren Roboter-Hund vor, für den es aber noch überhaupt keinen Verwendungszweck gibt.

Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, schaut sich bei der Eröffnung des neuen „Innovation Lab“ der Polizei den Roboter-Hund „Spot“ von Boston Dynamics an.
Niedlich, überflüssig oder sogar gefährlich? Im „Innovation Lab“ der Polizei in Nordrhein-Westfalen wurde ein 66.000 Euro teuer Polizei-„Hund“ vorgestellt. © Rolf Vennenbernd /dpa

Roboter-Hund wurde von Polizei „aus keinem konkreten Grund“ angeschafft

Der vom amerikanischen Unternehmen „Boston Dynamics“ entwickelte, 35 Kilogramm schwere Roboter „Spot“, der bereits von der französischen Armee für Kampfeinsätze getestet wurde, so heißt es, sei aus keinem konkreten Grund angeschafft worden. „Niemand sagt, den brauchen wir jetzt akut“, so Innenminister Reul (CDU), „aber wir testen hier, in welchen Bereichen der Roboter uns in der Zukunft nutzen könnte.“

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Roboter-Hunde für Polizei in New York nach herber Kritik wieder abgeschafft

Als Ersatz für Polizeihunde, die in die Kategorie Tier fallen, die ein Politiker abschaffen will, weil große Hunde so klimaschädlich wie SUVs seien, taugt das mit Kameras, Sensoren und Mikrofon und autonomer Steuerung über Künstliche Intelligenz ausgestattete Gerät jedenfalls nicht. Die Einsatzbereiche waren zumindest bisher eher rauerer Natur: Vor etwa einem Jahr schaffte die New Yorker Polizei die Roboter-Hunde an und setzte sie bei Schießereien und bewaffneten Einbrüchen ein. Nach scharfer Kritik an der „Militarisierung der Polizei“ wurden die KI-Hunde jedoch wieder aus dem Verkehr gezogen. Unter anderem hieß es: „Es wird keine 5 Jahre dauern, bis die Dinger auf Menschen schießen.“

Scharfe Kritik im Netz an teurer Investition Roboter-Hund: Vorwurf, blind Steuergelder zu verschwenden

Auch in Deutschland regt sich Widerstand an den immensen Ausgaben für die Technik-Spielerei: „In dem Land,in dem die Digitalkompetenz der Entscheider irgendwo um 1994 stehen geblieben ist, nicht mal eID, Kontaktnachverfolgung oder der Faxversand an Gesundheitsämter funktioniert, sollte sich um Polizeiroboter nicht mal Gedanken gemacht werden“„ spottet ein User auf dem Twitter-Kanal des Innenministeriums NRW. „Der Ansatz, bei der man in eine Lösung investiert und dann nach einem Problem sucht, für das die Lösung überhaupt nützlich sein könnte, verträgt sich nicht so richtig mit der Tatsache, dass das steuerfinanziert ist.“, ätzt ein weiterer. „Hallo @IM_NRW, wie teuer ist dieses Projekt? Bitte in Luftfilter für Schulen umrechnen“, wütet der nächste.

Hallo @IM_NRW, wie teuer ist dieses Projekt? Bitte in Luftfilter für Schulen umrechnen

Lukas Heuser auf Twitter

Unbehagen über die autonomen Roboter-Hunde der Polizei: „Gruselige Kampfroboter“

Aber es wird auch vehementes Unbehagen gegenüber den neuen, noch ohne konkreten Verwendungszweck angeschafften „Viecher“, die sicher weniger Freund des Menschen oder sogar Lebensretter, wie die Hündin, die nach Autounfall Hilfe holte und ihrem Herrchen das Leben rettet, geäußert. „Verdammte Hacke. Hat denn von euch keiner Black Mirror gesehen???“, fragt sich ein Nutzer besorgt. „Der soll sicher älteren Damen die Handtasche über die Straße tragen. ,Dein Freund und Helfer und so... #Kampfroboter #Drohnen #polizeigewalt!“, orakelt ein anderer ´düster. „Gruselig“, lautet ein anderer Kommentar.

Wie viele der „Hunde“, deren Stückpreis laut Hersteller bei umgerechnet 66.000 Euro liegt, noch angeschafft werden könnten, verriet Minister Reul noch nicht. Intern nennen Beamte den Roboter jedoch bereits liebevoll „Herbie“. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ... *kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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