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Weil sie schlafen: Piloten verpassen Landung mit Passagierflugzeug – beurlaubt

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Von: Bjarne Kommnick

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Zwei Piloten der Ethiopian Airlines haben ihre geplante Landung verpasst. Der Grund: Die beiden sind auf dem Flug in 11.000 Meter eingeschlafen.

Addis Abeba – Zwei Piloten der Ethiopian Airlines haben vorerst ihren Job verloren. Denn die beiden Männer seien auf einem Flug mit einem bemannten Passagier-Flugzeug in die äthiopische Hauptstadt zuvor in 11.000 Metern Lufthöhe eingeschlafen und hätten deshalb ihren ersten Landeanflug verpasst, wie das Newsportal bbc.com zuvor berichtet hatte.

StadtAddis Abeba
Bevölkerung3.352.000
Fläche527 km²
Höhe2.355 m

Piloten schlafen im Cockpit und verpassen Landeanflug mit Passagierflugzeug

Demnach seien alle Versuche des Personals des Flugverkehrskontrollturmes erfolglos geblieben, die Piloten rechtzeitig zu kontaktieren. Erst vor einem zweiten Landeanflug, den das Flugzeug selbst durch seinen Autopiloten angesteuert hatte, hätten die Piloten wieder Kontakt zur Bodencrew aufgenommen und ihre Boeing 737 mit 154 Sitzplätzen sicher gelandet.

Flugzeug der Ethiopian Airlines auf der Landebahn.
Zwei Piloten der Ethiopian Airlines haben ihren Job verloren, weil sie auf einem Flug eingeschlafen sind. © dpa/Hani Al-Ansi

Normalerweise sollte der Flug zwischen dem sudanesischen Flughafen Khartum und Addis Abeba wie üblich rund zwei Stunden dauern. Weil die Piloten eingeschlafen sind, habe sich die Flugdauer jedoch erheblich verlängert, so bbc.com. Zwar hätten die Piloten durch den Vorfall bisher nicht endgültig ihren Job verloren, jedoch habe die Airline die Piloten laut der staatlichen Nachrichtenagentur Fana aufgrund laufender Ermittlungen beurlaubt und von weiteren Flügen freigestellt.

Netz streitet über schlafende Piloten: „Würde nicht speziell der Crew die Schuld geben“

„Angemessene Korrekturmaßnahmen werden basierend auf dem Ergebnis der Untersuchung ergriffen“, heißt es in der Presserklärung von Ethiopian Airlines. Weiter heißt es: "Sicherheit war schon immer unsere oberste Priorität und wird dies auch weiterhin tun." Die Airline stand aufgrund von Sicherheitsbedenken und Flugzeugabstürzen bereits in Vergangenheit immer wieder öffentlich in der Kritik.

Auch das Netz diskutiert über den Vorfall. Ein User schreibt in einem Flugzeug-Forum: „Ich würde hier nicht speziell der äthiopischen Crew die Schuld geben – das ist etwas, das jeder Crew auf der Welt passieren könnte, und es ist wahrscheinlich, dass es passiert. Die Schuld liegt beim Unternehmen und den Aufsichtsbehörden“.

Luftfahrtanalyst warnt: „Ermüdung von Piloten ist nichts Neues“

Der Luftfahrtanalyst Alex Macheras twittert: „Ermüdung von Piloten ist nichts Neues und stellt weiterhin eine der größten Bedrohungen für die Flugsicherheit dar – international“ und beschreibt den Vorfall als „zutiefst besorgniserregend“. Ein User schreibt: „Das ist kein Problem der Piloten, das ist ein Problem der Flugbranche“. Auch auf einem Flug von Rom nach New York ist zuletzt ein Pilot während des Flugs eingeschlafen.

Immer wieder häuften sich in der Vergangenheit Berichte über Personalmangel, Überstunden und sogar Piloten, die krank zur Arbeit gehen. Auch Unterbezahlung sei in der Flugbranche mittlerweile bei vielen Airlines üblich. Zuletzt erntete auch Vueling Airlines Kritik, weil das Personal ihre Passagiere nach einer Explosion im Flugzeug zurückgelassen hatte.

Piloten ernten Kritik auf Social Media: „Sollte sich seiner Verantwortung einfach bewusst sein“

Doch nicht alle sehen wollen darin ein systematisches Versagen der Flugbranche sehen. Ein User schreibt: „Es gibt vieles, was geht, aber das geht gar nicht“. Ein User schreibt: „Kündigung. Ende der Geschichte. Punkt.“ Ein anderer schreibt: „Es gibt Berufe, da sollte man sich seiner Verantwortung einfach bewusst sein. Selbst, wenn die Bedingungen so schlecht sind, wie beschrieben, muss ich mir zu 100 Prozent sicher sein, dass ich ein Flugzeug mit 150 Passagieren sicher starten, fliegen und landen kann“.

Einige sehen den Vorfall jedoch auch mit Humor, immerhin sind durch das Einschlafen der beiden Piloten glücklicherweise keine Menschen zu Schaden gekommen. „Da hat Schlafen am Arbeitsplatz im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Höhe erreicht“. Ein Nutzer kommentiert: „Wofür gibt es denn bitte den Autopiloten, wenn ein Nickerchen am Arbeitsplatz verboten sein soll?“. Immerhin kamen die Passagiere am Zielort an. Ein Pilot in Madrid sorgte für Aufsehen, weil er das Flugzeug vor Abflug für die Geburt seines Kindes stehen ließ.

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