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PETA will Fortpflanzungsverbot für fleischessende Männer – zu Recht?

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Von: Robin Dittrich

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Die People for the Ethical Treatment of Animals, kurz PETA, fiel mit einer erschreckenden Headline auf. Sie fordern ein Fortpflanzungsverbot für fleischessende Männer.

Stuttgart – „Wer kennt sie nicht, die mit Bierflasche und Grillzange hantierenden Vorstadt-Männer, die 70-Cent-Würstchen auf ihrem 700-Euro-Grill brutzeln.“ Zumindest die PETA scheint diese Männer zur Genüge zu kennen. Sie forderten jetzt ein Sex- und Fortpflanzungsverbot für (ebendiese) Männer – und meinen das ernst.

Organisation:PETA Deutschland
Gründung:1993
Ursprung:Rockville, Maryland, USA
Mitglieder weltweit:Rund 800.000

Kein Scherz: PETA fordert Fortpflanzungsverbot für fleischessende Männer

Männer müssen bei dieser Schlagzeile stark bleiben, aber genau dafür sind sie ja da. Die jahrzehntelang antrainierte Abwesenheit starker negativer Gefühle kommt ihnen jetzt durchaus gelegen: Die Tierschutzorganisation PETA fordert nämlich ein Sex- und Fortpflanzungsverbot für fleischessende Männer. Heißt: Entweder Hack oder F*ck. Die People for the Ethical Treatment of Animals, wie PETA ausgeschrieben heißt, stützt das auf eine 2021 veröffentlichte Studie. Es ist nicht das erste Mal, dass PETA auffällt: Im Jahr 2020 grillten sie einen Hund auf offener Straße.

Ein Pärchen sitzt genervt nebeneinander im Bett und das PETA-Logo
PETA fordert ein Sexverbot für fleischessende Männer. © PETA/Steve Brookland/imago/Montage

Nach der Studie sollen Männer rund 41 Prozent mehr Treibhausgase ausstoßen als Frauen – weil sie mehr Fleisch essen. In einem Statement zu ihrer heftigen Forderung sagte Daniel Cox, Teamleiter Kampagnen bei PETA Deutschland e.V., dass „die Grillmeister Deutschlands sich selbst und ihren Artgenossen ihre Männlichkeit durch ihren Fleischkonsum glauben beweisen zu müssen. Das geschieht nicht nur zum Leidwesen der Tiere.“ Einfach mal alle Männer über einen Kamm geschert, zum Wohle der Tiere und unserer Erde natürlich.

24hamburg.de-Interview: PETA äußert sich zu Fortpflanzungsverbot für fleischessende Männer

Auf 24hamburg-Nachfrage äußerte sich Daniel Cox erneut zu der Pressemitteilung. Dort hält er an seinen Aussagen fest, sie seien jedoch „absichtlich überspitzt dargestellt“. Mit der „plakativen Forderung eines Sexverbotes wollen wir darauf aufmerksam machen, dass der Ernährungsstil vieler Männer unendliches Leid bei den Tieren auslöst – und das für einen kurzfristigen Genuss“. Demnach verursachen insbesondere „grillende und fleischessende Männer den Tod von 2 Millionen Tieren pro Tag in Deutschland“. Laut Daniel Cox isst „der durchschnittliche Deutsche in seinem Leben 1500 Tiere“ – gemäß einiger Studien sind es knappe 1000.

Die von der PETA ausgewählte Studie zeigt tatsächlich, dass Männer deutlich mehr CO₂ ausstoßen als Frauen – und dass das insbesondere an ihrem höheren Fleischkonsum liegt. Zunächst „wäre deshalb eine saftige Fleischsteuer von 41 Prozent für Männer angebracht“. Wirklich zielführend ist jedoch laut PETA das Sex- und Fortpflanzungsverbot. Denn das ehemals starke Geschlecht schadet mit seiner „toxischen Männlichkeit“ nicht nur sich selbst, sondern auch dem Klima.

Forderung von PETA für fleischessende Männer: Vielzahl an Studien beweist gegenteiliges – wer hat recht?

Der PETA zufolge spart jedes nicht geborene Kind rund 58,6 Tonnen CO₂ pro Jahr ein – jedoch unabhängig davon, ob ihre Nicht-Eltern Fleisch essen. Laut Daniel Cox hätten vegan lebende Eltern jedoch einen erheblich niedrigeren CO₂-Fußabdruck. Die PETA hat eine klare Empfehlung für alle fleischessenden Männer, die sich bei der Fortpflanzung trotzdem nicht zügeln können: „Der Wandel des Lebensstils durch die Teilnahme an ihrem kostenlosen Veganstart-Programm.“ Alles nur Eigenwerbung?

Selbst im europäischen Ausland bedient sich die PETA an Quellen – und zwar in Frankreich. Dort sagte Grünen-Politikerin und Ökofeministin Sandrine Rousseau im letzten Jahr: „Wir müssen die Mentalitäten ändern, damit ein Entrecôte auf dem Grill nicht länger als Symbol der Männlichkeit gilt.“ Die Studienauswahl der PETA zu ihrem „Sexverbots-Artikel“ ist nicht überraschend: Wer suchet, der findet. Entgegen dessen gibt es eine Vielzahl an wissenschaftlichen Studien, die die Aussagen der PETA widerlegen.

Demnach verhalten sich Männer tatsächlich klimaschädlicher als Frauen, mit ihrem Fleischkonsum hat das allerdings nicht viel zu tun. Eine im Juli 2021 veröffentlichte Studie aus Schweden zeigte, dass der erhöhte CO₂-Ausstoß auf den deutlich höheren Kauf sowie den Verbrauch von Produkten wie Benzin und Diesel zurückzuführen ist. Ein Geschlechter-Unterschied der CO₂-Bilanz ist laut dieser Studie bei der Ernährung kaum zu erkennen. Welche Studie „richtig oder falsch“ ist, lässt sich wohl nicht sagen – für den eigenen Zweck findet sich immer etwas, das passt. Am Ende des 24hamburg.de-Interviews gibt Daniel Cox zumindest einen Lichtblick für Teilzeit-Veganer: „Wenn einmal im Monat Fleisch gegessen wird, ist auch einmal im Monat Sex drin.“

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