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Pädagogin meint: Kinder müssen alles dürfen – Eltern sollen nie bestrafen

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Von: Bjarne Kommnick

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Pädagogin und Bestsellerautorin Susanne Mierau fordert radikales Umdenken im Umgang mit Kindern. Sie seien nur ohne Druck und Strafen fit für die Zukunft.

Hannover – Wie sollten Kinder heutzutage erzogen werden? Die Diplom-Pädagogin und Bestseller-Autorin Susanne Mierau hat dazu eine klare Meinung: So wie es ist, kann es nicht weitergehen. Sie ist selbst Mutter von drei Kindern und bereits seit vielen Jahren Familienbegleiterin. Sie fordert, die Haltung Kindern gegenüber in der Gesellschaft grundsätzlich zu überdenken – und das am besten sofort. Denn der derzeitige Kurs könnte fatale Folgen für alle haben.

Person:Susanne Mierau
Geboren:1980 (Alter 42 Jahre)
Geburtsort:Berlin
Beruf:Pädagogin, Autorin, Familienbegleiterin

Pädagogin fordert Erziehung ohne Druck und Strafen: „Wir brauchen keine folgsamen Kinder mehr!“

„Es ist allerhöchste Zeit, dass wir unser Zusammenleben mit Kindern verändern“, erklärt Mierau gegenüber „Focus Online“. Denn für die Herausforderungen von heute – wie beispielsweise der sich zuspitzende Klimawandel – brauche es entsprechende Fähigkeiten, um die Aufgaben der heutigen Zeit bewältigen zu können. „Unser Erziehungsverhalten ist allerdings an vielen Stellen noch recht weit davon entfernt, sie wirklich für diese Zukunft zu stärken und ihnen in der Gegenwart mit dem Respekt zu begegnen, den sie als Menschen verdient haben und für eine gesunde Entwicklung brauchen“, schreibt sie in ihrem Erziehungsratgeber „Frei und Unverbogen“, der im vergangenen Jahr erschien.

Die Pädagogin Susanne Mierau fordert Umdenken im Umgang mit Kindern. Die Zeiten von „angepasster“ und „folgsamer“ Erziehung seien vorbei
Die Pädagogin Susanne Mierau fordert Umdenken im Umgang mit Kindern. Die Zeiten von „angepasster“ und „folgsamer“ Erziehung seien vorbei. (Symbolbild) © Irina Heß/imago

Susanne Mierau warnt: „Brauchen keine angepassten, folgsamen Kinder mehr“

„Damit unsere Kinder mit den Anforderungen der Zukunft zurechtkommen können, müssen wir sie heute, in der Gegenwart, anders sehen, behandeln und begleiten“, erklärt Mierau im Gespräch mit dem Nachrichtenportal. „Wir brauchen keine angepassten, folgsamen Kinder mehr, sondern flexible, kreative, in Gemeinschaft und global denkende Kinder. Wir brauchen unverbogene, frei denkende Kinder.“

Klimawandel und Corona-Pandemie: Pädagogin fordert, Kinder flexibel und kreativ zu erziehen

Neben dem Klimawandel habe auch die Corona-Pandemie gezeigt, dass Flexibilität in Zukunft die essenzielle Schlüsselkompetenz werden könnte: „Wir brauchen flexible und kreative Lösungen und nicht das Beharren auf festen Systemen“. Deshalb setzt sie auf ein Umdenken in Sachen Erziehung: „Wenn wir es schaffen, unsere Kinder darauf vorzubereiten, flexibel mit sich wandelnden Rahmenbedingungen umzugehen, dann können wir ihnen einen guten Weg für die Zukunft geben“.

Wie genau der „gute Weg“ aussehen sollte, darüber scheiden sich die Geister. Während einige Experten „Helikoptereltern“ die Schuld für eine „Generation lebensunfähig“ geben, meinen andere Pädagogen, dass der Begriff „Helikoptereltern“ verlogen, agressiv und diskriminierend sei. Laut Mierau sollten Erwachsene zumindest erstmal eine Bereitschaft dafür entwickeln, die Wahrnehmung von Kindern grundlegend zu überdenken.

Pädagogin Mierau meint: Druck, Reglen und Strafen schaden Kindern

„Kinder müssen die Chance bekommen, wirklich so gesehen und angenommen zu werden, wie sie sind, damit sie ein gutes Selbstbild aufbauen können und nicht immer das Gefühl haben, dass sie irgendwie falsch sind“, so Mierau gegenüber „Focus online“. Deshalb sei das wichtigste auch in Sachen Erziehung, das Kind so anzunehmen wie es ist. Dafür benötige es eine Erziehung ohne Druck, Macht und Gewalt. Und sie geht durchaus noch weiter: Auf Strafen sollen Eltern verzichten – weil Bestrafung das Verhalten des Kindes bewertet. Druck sollen sie auch keinesfalls ausüben, Kinder sollten selbst und frei entscheiden können, und zwar so ziemlich über alles.

Für viele klingt das nach Helikopterelterntum, bei dem Kindern alles dürfen, nichts müssen und ja nur nie „zu hart“ behandelt werden dürfen. Gegen diese Art von Erziehung wettert unter anderem prominent Albert Wunsch, der Pädagoge zerreißt diese Erziehung, sie habe aus Kindern „aufgeweichte Jammergestalten“ gemacht.

Susanne Mierau ist sicher: Weiche Eltern bringen nicht automatisch kleine Tyrannen hervor – ganz im Gegenteil

Der Glaube, dass Kinder streng erzogen werden müssten, sitze in der Gesellschaft noch tief. Eltern befürchteten, dass durch eine unautoritäre Erziehung viele kleine Tyrannen herangezogen würden. Ähnlich dachte wohl auch eine Mutter, die ihre Tochter zur Strafe im Zelt schlafen lässt oder der Vater, der seine Tochter zur Bestrafung acht Kilometer zur Schule laufen ließ. Genau hier liege der Knackpunkt laut Mierau: „Kinder sind nicht von sich aus böse, oder tyrannisch… sondern sie sind einfach Kinder“. Sie gibt in „Frei und Unverbogen“ zu bedenken: „Die Beziehung von Eltern und Kind beeinflusst das gesamte Leben eines Kindes. Als Eltern legen wir einen Samen dafür an, wie unser Kind seelisch, emotional und körperlich wächst.“

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