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Oligarch jammert über Sanktionen: „Kann nicht mehr essen gehen“

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Von: Ulrike Hagen

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Der russische Milliardär und Oligarch Michail Fridman klagt in seiner 77-Millionen-Villa: „Muss zu Hause essen“ – und fordert Ende der Sanktionen.

London – Der Ukraine-Krieg, in dem auch schon indirekt mit Atomwaffen gedroht wurde, tobt weiter. Und die Auswirkungen des Ukraine-Konfliktes treffen Abermillionen von Menschen – direkt oder indirekt. Doch ausgerechnet Michail Fridman, einer von Putins Oligarchen, den reichen Freunden von Russlands Präsidenten, und milliardenschwerer Gründer eines der größten russischen Finanzunternehmen Alfa Group, jammert darüber nun zum wiederholten Mal. Der in London lebende Geschäftsmann wurde von der EU auf die schwarze Liste gesetzt wurde. Nun beklagt er in einem Interview, dass er „nicht einmal jemanden ins Restaurant einladen“ könne – und gezwungen sei, zu Hause zu essen.

BankerMichail Maratowitsch Fridman
Geboren:21. April 1964 in Lwiw, Ukraine
Vermögen:12,2 Milliarden US-Dollar
Funktionen:Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Alfa Group und LetterOne (u.a.)
Wohnort:London

Oligarch klagt in Millionenvilla: „Muss zuhause essen“ – und will Ende der Sanktionen

Bereits im März klagte Fridman gegenüber dem US-Medienunternehmen Bloomberg wegen der ihm zugeteilten “schmalen“ 3.000 Euro Taschengeld über Sanktionen für russische Oligarchen jammerte: „Ich weiß nicht, wie ich leben soll. Ich weiß es wirklich nicht“, jammerte er i Interview. Nun breitet er seinen „existentiellen“ Kummer erneut vor der Presse aus. Mehr oder weniger geduldiger Zuhörer ist diesmal die spanische Tageszeitung El País. Fridmann machte deutlich, dass ihm das Verständnis für die Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Krieg, mit eingefrorenen Konten und gesperrten Kreditkarten für Oligarchen, fehle: „Die Behörden in Großbritannien müssen mir einen bestimmten Betrag zuweisen, damit ich Taxis nehmen und Lebensmittel kaufen kann, aber das wird ein sehr begrenzter Betrag sein, wenn man sich die Lebenshaltungskosten in London ansieht“, zetert Fridman.

Oligarchen-Stress: Plötzlich ein Leben ohne Putzkraft, Sterne-Restaurants und „Exzesse“

Gegenüber Bloomberg berichtete der Milliardär letzten Monat, dass er bei der britischen Regierung einen Antrag stellen müsse, um Geld ausgeben zu dürfen, und dass es sich um magere 2.500 britische Pfund monatlich, umgerechnet 2900 Euro, handeln würde. Friedman bekräftigte nun im Gespräch mit El País: „Ich weiß immer noch nicht, ob es ausreicht, um ein normales Leben ohne Exzesse zu führen. Ich kann ja nicht einmal jemanden in ein Restaurant einladen. Ich muss zu Hause essen und stehe praktisch unter Hausarrest“. Hausarrest in einem immerhin fünf Hektar großen 77 Millionen Euro-Anwesen in London.

Der russische Oligarch Michail Fridmann traurig und frustriert
Der russische Oligarch Michail Fridmann leidet unter den Sanktionen: „Ich muss zu Hause essen“ klagt er, weil er kein Geld mehr für Restaurant-Besuche habe. © imago

Oligarch meint, es sei „idiotisch“ zu glauben, russische Milliardäre könnten Putin aufhalten

„Ich bin seit acht Jahren in London, ich habe Milliarden von Dollar in Großbritannien und anderen europäischen Ländern investiert, und die Antwort darauf ist, dass man mir alles wegnimmt und mich rauswirft“, beschwert er sich. Fridman erklärt, dass er es für „idiotisch“ hält, zu glauben, dass Oligarchen den russischen Präsidenten zwingen können, den Krieg zu beenden – ein Wort allerdings, das er laut El País vermeidet und stattdessen mit Ausdrücken wie „Katastrophe“ und „was (in der Ukraine) passiert“ beschreibt. Wohlweislich, denn Wladimir Putin hat es verboten.

Ich weiß nicht, ob es ausreicht, um ein normales Leben ohne Exzesse zu führen. Ich kann nicht einmal jemanden in ein Restaurant einladen. Ich muss zu Hause essen!

Michail Fridman, Oligarch und Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Alfa Group

Oligarch Fridman findet Sanktionen gegen Oligarchen „machen keinen Sinn“

Fridman räumt ein, dass einige Wirtschaftssanktionen effizient sein können, weil sie Druck auf die russische Wirtschaft ausüben und dadurch die Meinung der nationalen Führung beeinflussen. „Aber Sanktionen gegen Privatunternehmer machen keinen Sinn, denn die meisten von ihnen haben ihr Geschäft durch Talent, Anstrengung und persönliche Qualifikation aufgebaut“, so der Multimilliardär.

Michail Fridman steht wie 25 andere russische Superreiche auf schwarzer Liste der EU

Wie auch sein Geschäftsfreund Pjotr Awen, der zusammen mit ihm die Alfa-Group, Russlands größte Geschäftsbank, aufbaute, steht Michail Fridman zusammen mit 25 anderen Superreichen auf der schwarzen EU-Sanktionsliste. Das Leben ohne Luxus trifft die Putin-Freunde hart. Auch Awen beklagte bereits: „Wir wissen nicht, wie wir überleben sollen“,weil der Oligarch ohne Putzkraft dasteht.

EU-Sanktionen gegen russische Oligarchen: eingefrorene Konten, beschlagnahmte Yachten

Obendrein stehen die Yachten von russischen Oligarchen im Fokus der Behörden. Erst vor kurzen wurde in Spanien eine russische Superyacht festgesetzt. Spekulationen über eine beschlagnahmte Mega-Yacht vom Putins-Freund Usmanov im Hamburger Hafen sorgten zuletzt für Verwirrung. Bestätigt wurden sie bisher zwar nicht, die Crew der Oligarchen-Yacht „Dillbar“ hat aber bereits hingeschmissen und ist abgehauen. Und die Luft für die russischen superreichen Hobby-Skipper wird immer dünner, denn inzwischen ortet ein Teenager Oligarchen-Yachten – und zeigt deren Standorte live auf Twitter.

Populismus ist sehr attraktiv, aber aus praktischer Sicht sind die Sanktionen kontraproduktiv, sie bringen Unternehmer dazu, nach Russland zurückzukehren

Michail Fridman, russischer Multimilliardär

Kein Geld, keine Reisen, kein Luxus. Schwere Zeiten also. Und dennoch eine ziemlich verhältnismäßige Not für die russische Milliardärselite in Zeiten einer humanitären Katastrophe mit ganz anderen Dimensionen infolge des Ukraine-Konfliktes. Auch für Michail Fridman, einem nach Bloomberg Billionaires Index der 500 reichsten Menschen der Welt. Auf sein geschätztes Nettovermögen von 12,2 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 12,4 Milliarden Euro, kann er jedoch derzeit nicht zurückgreifen. Im Zuge der Sanktionen gegen den Krieg in der Ukraine wurde Russland sogar der Zugang zu Swift abgestellt.

Russischer Multimilliardär behauptet: „„Es gibt keinen Klub der Oligarchen“

Eine schwere Ungerechtigkeit, wie der russische Banker gegenüber der spanischen Zeitung beklagt, denn es gebe kein unsichtbares Band, das die Oligarchen verbinde: „Es gibt keinen Klub der Oligarchen. Wir sind alle unterschiedliche Menschen“, sagt er. „Wir haben uns ausschließlich auf das Geschäft konzentriert und wollten nie in die Nähe der Macht kommen.“

Fridman fordert darum eine Aufhebung der Sanktionen: „Die Dinge werden für den Westen nicht besser, wenn er viele brillante und interessante Unternehmer dazu zwingt, nach Russland zu gehen, anstatt sie stärker zu integrieren und zu versuchen, sie dazu zu bringen, Stellung zu beziehen, auch wenn es offensichtlich ist, dass die Privatwirtschaft keinerlei Einfluss auf Putin hat“,erklärt er.

Sanktionen bringen Oligarchen angeblich nur dazu, nach Russland zurückzugehen

„Populismus ist sehr attraktiv, aber aus praktischer Sicht sind die Sanktionen kontraproduktiv, weil sie diese Unternehmer dazu bringen, nach Russland zurückzukehren, da sie nirgendwo anders hingehen können“, äußert der Oligarch. Äußerungen, die man durchaus auch als subtile Drohung verstehen könnte. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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