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Ölkonzerne bezahlen E-Auto-Fahrern bis zu 450 Euro im Jahr – pro Fahrzeug

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Von: Bjarne Kommnick

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Wer ein Elektroauto fährt, kann damit richtig Geld machen. Ausgerechnet Ölkonzerne bezahlen dafür nämlich bis zu 450 Euro im Jahr. Was steckt dahinter?

Hannover – Wer ein Elektroauto fährt, ist damit nicht mehr auf Diesel und Benzin angewiesen. Das könnte große Mineralkonzerne verärgern. Oder etwa nicht? Denn ausgerechnet Shell, Total, Aral und Co. zahlen Fahrerinnen und Fahrern von Elektroautos genau dafür, also fürs bloße Fahren von Elektroautos, bis zu 450 Euro im Jahr, wie „rnd.de“ zuvor berichtet hatte. Wie kann das möglich sein?

StadtHannover
Bevölkerung532.163
Fläche204 km²
BürgermeisterBelit Onay

Mineralölkonzerne bezahlen Elektroauto-Fahrern bis zu 450 Euro im Jahr

Die großen Mineralölkonzerne seien aufgrund der Treibhausgasminderungsquote der EU darauf angewiesen, jedes Jahr den Verkauf von fossilen Brennstoffen als Klimaschutzmaßnahme zu verringern. Das Ziel lasse sich in der Praxis auf verschiedene Wege erreichen. So könnten die Unternehmen beispielsweise durch das Verkaufen von Elektroauto-Strom oder höhere Umsätze in Sachen Biosprit die Vorgaben einhalten.

Ein Mann lädt sein Auto an einer Ladesäule für Elektroautos und 100-Euroscheine
Um die strengen Klimaziele zu erreichen, müssen viele Mineralölkonzerne langfristig auf Stromverkauf umsteigen. Daher bieten sie neuen Elektroauto-Fahrern bis zu 450 Euro im Jahr für den Umstieg. © Sina Schuldt/dpa/imago/Montage

Der Bundestag schreibt dazu: „Die Förderung von erneuerbaren Energien im Verkehr erfolgt seit 2015 durch die Treibhausgasminderungs-Quote. Diese verpflichtet Unternehmen, die Kraftstoff in Verkehr bringen, die Treibhausgasemissionen ihres Kraftstoffes um einen bestimmten Prozentsatz zu senken“.

Elektroauto-Fahrer sparen Emissionen – Mineralölkonzerne kaufen den Nachweis

Ein weiterer Weg sei jedoch auch, dass Mineralölkonzerne, denen zuletzt vorgeworfen wurde, den Tankrabatt zum Teil einzubehalten, mit Hilfe von Elektroauto-Fahrern ihre Treibhausgase verringern. Die Unternehmen müssten dafür lediglich Geld auf den Tisch blättern – und das machen sie auch. Denn wer Elektroauto fährt, spart laut Bundesregierung automatisch Emissionen. Das können sich Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos vom Umweltbundesamt verbriefen lassen.

Die Ölkonzerne können diesen Nachweis erwerben und somit ihre Klimaziele erreichen. Und für private Personen ist der Erlös sogar steuerfrei. Das Unternehmen eQuota, das bei der Abwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote unterstützt, erklärt: „Für Privatpersonen ist die Prämie, welche sie von eQuota für den Handel ihrer CO₂-Ersparnis erhalten, steuerfrei.  Hintergrund ist ein entsprechender Beschluss auf Bund-Länder-Ebene, welcher im März 2022 verabschiedet wurde“.

Mineralölkonzerne bezahlen Elektroautofahrer: So erhalten Privatpersonen ihr Geld

Zwar würden die Unternehmen derzeit pro Elektroauto rund 400 bis 450 Euro bieten, jedoch würden sie in der Regel nicht von Privatleuten kaufen. Doch auch das scheint für Elektroautofahrer keine Hürde darzustellen, da sich Privatpersonen dafür lediglich bei Unternehmen wie dem ADAC, Huk, Lichtblick oder Elektrovorteil anmelden, um von der Treibhausgasminderungs-Quote zu profitieren.

Der Vermittler registriere dann den Fahrzeugschein für die Treibhausgasminderungs-Quote und verkauft sie gewerblich an die Mineralölkonzerne. Wer daran nicht teilnehme, überlasse das Geld dem Staat. Die Preise der Vermittler variieren, so bieten einige das Registrieren für einen Festpreis an, andere würden abhängig vom Verkaufserfolg zahlen.

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