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o2 baut einfach Sendemast ab – Hamburgs Norden seit Wochen ohne Netz: „Peinlich“

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Von: Anika Zuschke, Bona Hyun

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o2-Nutzer in Hamburg klagen seit Wochen über Netz-Ausfälle und schlechtes Internet. Jetzt ist klar, warum: Der Anbieter hat einfach einen Sendemast abgebaut.

Hamburg – „o2 can do“ – der Markenslogan des Mobilfunkbetreibers o2 scheint im Moment geradezu ironisch. Denn bereits seit Wochen müssen Kunden der Telefonica AG in Teilen Hamburgs mit extrem schlechtem Netz zurechtkommen. Der Grund dafür war lange nicht ersichtlich und wurde auch nicht kommuniziert, doch nun ist klar: o2 hat einen Sendemast in Langenhorn abgebaut, wodurch der Stadtteil kurzerhand zum Funkloch wurde. Die Reaktionen darauf wechseln zwischen Entrüstung, Belustigung und schierem Unglauben.

Unternehmen:Telefónica O2
Hauptsitz:Slough, Vereinigtes Königreich
CEO:Mark Evans (1. Aug. 2016–)
Gründer:John Carrington

o2 baut einfach Sendemast in Hamburg-Langenhorn ab – kein oder lahmes Netz in Hamburgs Norden

Schon seit mindestens Ende letzten Jahres müssen sich Nutzer des o2-Betreibers in dem Hamburger Stadtteil Langenhorn mit schlechtem Netz herumschlagen. Sowohl Telefonieren als auch mobiles Surfen im Internet funktionieren entweder nur extrem verlangsamt und unzuverlässig, teils fallen die Angebote sogar komplett aus. Kunden erhielten lediglich eine Fehlermeldung, dass eine Basisstation nicht einwandfrei funktioniere.

Der Grund dafür ist inzwischen bekannt und wurde 24hamburg.de durch den Pressesprecher Telefónica Germany GmbH & Co. OHG, Jörg Borm, bestätigt: In Langenhorn musste eine Mobilfunkanlage von einem Dach abgebaut werden. Für Anwohner, die o2-Nutzer sind natürlich eine Katastrophe. Denn Telefonate mit dem Handy brechen momentan regelmäßig wegen einer fehlenden Netzabdeckung ab. Bereits im vergangenen Oktober gab es in Hamburg eine Störung bei o2, sodass zahlreiche Hamburger ohne mobiles Internet dasaßen. Auch das mobile Internet ist kaum oder gar nicht verfügbar, wie Anwohner berichten – darunter auch das verärgerte Ehepaar Rahmini aus Nordhorn. Natalie Rahimi bringt die Situation drastisch auf den Punkt: „Es geht nichts!“

o2 lässt Hamburgs Norden mit fehlendem Netz und schlechtem Internet hängen

Auf der Plattform „AlleStörungen.de“ trudeln regelmäßig Beschwerden über ausfallende Internetverbindungen oder Netzwerkstörungen von o2-Kunden ein. Von fehlendem mobilen Netz ist wohl besonders die Postleitzahl 22417 in Hamburg betroffen. Dabei ist eine stabile Internetverbindung aus dem alltäglichen Leben eigentlich nicht mehr wegzudenken. Ob zum Einchecken mit der Luca-App – wobei die Kontaktdatenverfolgung ab kommendem Samstag, 5. Februar 2022, sowieso vom Senat gestrichen wird –, dem digitalen Bezahlen, Musikhören, Lesen und für Social Media – für alles benötigt man heutzutage mobiles Internet.

Lösung für Netzausfall in Langenhorn? Noch ist nichts passiert – Kundenservice gibt vage Auskunft

Ob dieser nervige Ausfall von o2 bald behoben wird? Pressesprecher Jörg Borm teilt mit, dass die Verbindung „so schnell wie möglich aufgebaut“ werden soll und der Anbieter bereits „händeringend nach Ersatz sucht“. Auch zahlreichen Versuche, beim Kundenservice weitere Informationen zum Netzausfall zu erhalten, blieben erfolglos. Die o2-Kunden Natalie und Siar Rahimi, haben auf ewiges Nachfragen lange den wahren Grund für den Ausfall nicht erfahren. Immerhin: Das Ehepaar bekam 150 Euro Entschädigung vom Anbieter, diese wurde allerdings nicht einfach angeboten, Siar Rahimi hat die Summe zäh verhandelt. o2 erstattet derzeit nach eigenen Aussagen keinerlei Kosten und vergibt auch keine Gutschriften oder sonstige Entschädigungen für die geplagten Kunden, die weiterhin den vollen Preis gemäß ihres Vertrages zahlen müssen.

Ein Straßenschild mit einem Pfeil zu „Funkloch“ und dem Wort „Stadt“ durchgestrichen und ein Handy ohne Netz.
o2-Kunden haben seit Wochen kein Netz in Hamburg-Langenhorn – der Grund dafür ist jetzt klar. © Ralph Peters/onw-images/Imago

o2 will Kapazitäten des eigenen Netzes erhöhen – und baut stattdessen Sendemast in Langenhorn ab

Ironisch erscheint dabei eine Pressemitteilung des Unternehmens Telefónica von Mitte Januar, in dem für o2 eine große Neuerung bekannt gegeben wurde – die Kapazitäten des eigenen Netzes sollen nämlich erhöht werden. Wie es in der Pressemitteilung heißt, setzt der Anbieter für seine Kunden künftig auf zusätzliche sogenannte „Small Cells“. Dabei handelt es sich um kleine Mobilfunkzellen, die beispielsweise in Großstädten an zusätzlichen Standorten angebracht werden können. Für Kunden soll das bedeuten, dass die Geschwindigkeiten und Verfügbarkeit von 5G und 4G verbessert wird. Das eigentliche Netz mit großen Funkmasten soll dabei aber nicht ersetzt, sondern nur durch die Mini-Zellen ergänzt werden.

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o2-Kunden in Langenhorn können über diese Mitteilung vermutlich nur lachen. Schließlich müssen sie seit Wochen mit kompletten Netzausfällen leben – von 4G oder 5G kann da keine Rede sein. Auch auf sozialen Netzwerken brüskieren sich User über den Vorfall bei o2: „Wenn das so weiter geht, haben wir bald alle wieder ein Kabel am Handy“, prophezeit ein User pessimistisch. Weitere Kommentierende stimmen mit den Worten „Deutschland nähert sich der 3. Welt immer weiter an“ sowie „Und das in Hamburg, wie peinlich“, zu. Bezüglich einer umfassenden Netzabdeckung scheint Hamburg also bisweilen recht rückständig, doch in Sachen Umwelt möchte die Hansestadt nun auf die Tube drücken: Ein Video heizte nämlich die Forderungen nach einer autofreien Hamburger Innenstadt an.

Abbau des Sendemastes von o2 in Hamburg sorgt in sozialen Netzwerken für Belustigung und Entsetzen

Andere User nehmen den peinlichen Dauerausfall mit Humor – scheinen aber auch keine o2-Nutzer zu sein: „Prima, ich wechsele sofort zu O2. Keine Spammer und Scammer, keine betrügerischen Anrufe. Super!“, schreibt ein Nutzer ironisch, ein weiterer ergänzt mit lachenden Smileys: „Wenn ich O2 Nutzer höre, ist es doch anscheinend kein großer Unterschied, ob der Sendemast da ist oder nicht.“ Doch vor allem die Beschwerden häufen sich in sozialen Netzwerken: „In keinem anderen Netz hatte ich so viele Funklöcher und Verbindungsabbrüche wie bei O2“, äußert ein o2-Kunde. „Ich hatte bis vor ein paar Monaten noch richtig gutes Netz mit o2, aber seitdem ist es eine Katastrophe“, schreibt ein weiterer User genervt, einem anderen fällt es nun wie Schuppen von den Augen: „Ach, deswegen ist hier in Langenhorn Funkstille.“

o2 kassiert Spott für abgebauten Sendemast: „o2 can‘t do, it‘s nothing new!“

Doch vor allem über den Mobilfunkbetreiber selbst fallen viele negative Kommentare: Aussagen wie „o2 can do: Leider nicht immer oder überall“, „O2 stört das wahrscheinlich weniger und kassiert weiter“, „Typisch o2“ oder „O2 can‘t do, it‘s nothing new!“ reihen sich aneinander. Für erhitzte Gemüter kann aber nicht nur eine schlechte Internetverbindung sorgen – das schaffte auch ein obszönes Kunstwerk, bei dem die Frage aufkam „Ist das überhaupt erlaubt?“.

Die Telefonica AG gilt als eine der drei größten Mobilfunkbetreiber Deutschlands, laut Verbraucherportal „DLS Web“ sei o2 mit über 43 Millionen Verträgen mittlerweile der kundenstärkste Netzbetreiber in Deutschland. Derzeit bleibt zu hoffen, dass auch alle Langenhorner bald wieder verlässlich darauf zugreifen können. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde am 10. Februar aufgrund neuer Rechercheergebnisse und Stellungnahmen geändert

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