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Nur noch „schmale“ 3.000 Euro Taschengeld: Oligarch heult wegen Sanktionen

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Von: Felix Busjaeger

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Ist nun von westlichen Sanktionen betroffen: der russische Oligarch Michail Fridman
Ist nun von westlichen Sanktionen betroffen: der russische Oligarch Michail Fridman © Artyom Geodakyan/Tass/Imago

Geld weg, Vorstandsposten weg: Der russische Oligarch Michail Fridman leidet unter westlichen Sanktionen. Ihm bleiben nur knapp 3.000 Euro Taschengeld.

London – Das Leben als superreicher Oligarch ist derzeit nicht einfach: Während Wladimir Putin weiter seinen Angriffskrieg in der Ukraine führt, ist die russische Elite derzeit von scharfen Sanktionen des Westens betroffen. Anders als noch vor einigen Wochen können Oligarchen nicht mehr nach Belieben ins Ausland fliegen und auch der Zugriff auf ihr Vermögen hat sich deutlich erschwert. In Deutschland machten vermehrt Nachrichten die Runde, dass russischen Oligarchen der Zugang zu ihren Superyachten, die diese gerne in der Bundesrepublik bauen lassen, verwehrt wurde.

Oligarch Michail Fridman von westlichen Sanktionen betroffen: Milliardär lebt von „schmalem“ Taschengeld

Superyachten werden festgesetzt, wie jetzt in Spanien, kaum Geld und keine Reisen: Eine schwere Zeit also für die russische Elite in Zeiten einer humanitären Katastrophe in der Ukraine. Das muss nun auch der Oligarch Michail Fridman bitter erfahren. Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs treffen ihn persönlich. Nicht, dass er in der Ukraine sein Leben riskieren oder aus zerbombten Städten fliehen müsste. Nein. Vielmehr nagt er am Hungertuch – jedenfalls empfindet er seine jetzige Situation so. Anstatt über seine Milliarden zu verfügen, muss sich Fridman nämlich mit einem „schmalen“ Taschengeld begnügen.

Michail Fridman, der es in Moskau zu Geld gebracht hat und zuletzt vermehrt in London lebte, zeigte sich wegen der Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Krieg, die auch ihn treffen, frustriert. Gegenüber dem US-Medienunternehmen Bloomberg erklärte der Milliardär, dass er pro Monat aktuell ein Taschengeld von 3300 US-Dollar, umgerechnet etwa 2900 Euro bekäme – und obendrein eine Erlaubnis der britischen Regierung brauche, um Geld ausgeben zu dürfen. Eine Reiche-Leute-Leben sieht natürlich anders aus – ein „schmales“ Taschengeld allerdings auch.

Russischer Oligarch leidet unter Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs: „Ich weiß nicht, wie ich leben soll“

Inzwischen sei auch seine letzte funktionierende britische Bankkarte eingefroren worden. „Ich weiß nicht, wie ich leben soll“, soll Fridman im Gespräch mit Bloomberg in Bezug auf die Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs, in dem auch schon indirekt mit Atomwaffen gedroht wurde, wörtlich gesagt haben. Und dann dramatisch nachzulegen: „Ich weiß es wirklich nicht.“ Eigentlich besonders prekär an der Situation: Michail Fridman ist gebürtiger Ukrainer, stammt aus der westukrainischen Stadt Lwiw, die zuletzt wegen russischen Raketenangriffen in den Schlagzeilen war. Als Fridman vor 57 Jahren geboren wurde, war seine Heimatstadt noch Teil der Sowjetunion.

Das ist Michail Fridman

Michail Maratowitsch Fridman gilt als einer der einflussreichsten Wirtschaftsführer Russlands. Der 57-jährige Oligarch wurde in der westukrainischen Stadt Lwiw geboren und soll über weitreichende Beziehungen zur russischen Wirtschaftselite verfügen. Vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs soll sein Vermögen mindestens 14 Milliarden US-Dollar betragen haben. Durch Sanktionen des Westens ist dies inzwischen erheblich geschrumpft. Gegenwärtig wird angenommen, dass Fridman mindestens einen wirtschaftlichen Verlust von vier Milliarden US-Dollar erlitten hat.

Bitter: Oligarch Michail Friedman ist gebürtiger Ukrainer – und angeblich Kriegsgegner

Michail Fridman sei ein Gegner des Kriegs, wie er beteuert. Kurz nach der russischen Invasion der Ukraine hatte er sich gegenüber seinen Mitarbeitern kritisch über Wladimir Putins Angriffskrieg geäußert und erklärt, dass Krieg niemals die Antwort sei. Er forderte zudem in einem Brief an seine Belegschaft ein Ende des Blutvergießens. „Meine Eltern sind ukrainische Staatsbürger und leben in Lemberg, meiner Lieblingsstadt“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den russischen Superreichen vor einigen Tagen. Doch alles hat offensichtlich nichts genützt, um sich weit genug von Putin und seinem Krieg abzugrenzen: Am 28. Februar trafen Fridman die Sanktionen der Europäischen Union und am 15. März legte die britische Regierung nach.

Wir haben aufrichtig geglaubt, dass wir so gute Freunde der westlichen Welt sind, dass wir nicht bestraft werden können

Michail Fridman, russischer Oligarch

Sanktionen gegen Oligarch Michail Fridman: Milliardär verliert Vorstandsposten bei Alfa-Bank

Die Sanktionen gegen Putins Oligarchen Michail Fridman, der auch Gründer des Konglomerats Alpha, eines der größten russischen Industrie- und Finanzunternehmen, ist, haben für den Milliardär inzwischen weitreichende Folgen: Abgesehen davon, dass er nicht mehr über sein gesamtes Vermögen, sondern nur über 2.900 Euro pro Monat verfügen kann, trat der Geschäftsmann am Tag nach der verhängten Sanktionen von seinem Vorstandsposten der Alfa-Bank zurück. Die Alfa-Bank gilt als eine der größten russischen Finanzgruppen.

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Bloomberg schätzt, dass Fridmans Vermögen durch die Sanktionen bereits um etwa vier Milliarden Euro gesunken ist. Auch die Beteiligungen des Milliardärs an seiner Londoner Firma Letter One wurden eingefroren. Während die EU in Fridman einen der wichtigsten Finanzier von Wladimir Putin sieht, fühlt sich dieser ungerecht behandelt. Putins Tochter Marija soll laut FAZ ein Wohltätigkeitsprojekt betreut haben, das von Fridmans Bank in der Vergangenheit finanziert worden sei.

Oligarch Fridman ist von Sanktionen wegen Putins Krieg in der Ukraine überrascht

Dass ihn die westliche Politik wegen Putins Krieg in der Ukraine durch Sanktionen so abstraft, überraschte den Oligarchen. Durch seine Verbindungen nach Amerika und in andere westliche Nationen wog er sich in Sicherheit. In den vergangenen Jahren war er auch immer wieder als Vergeber von Stipendien in westlichen Staaten in Erscheinung getreten. „Wir haben aufrichtig geglaubt, dass wir so gute Freunde der westlichen Welt sind, dass wir nicht bestraft werden können“, sagte er Bloomberg.

Während die Ukrainer, die noch nicht aus den hart umkämpften Regionen fliehen konnten, offenbar akut in Lebensgefahr schweben und sogar Wasser aus Heizungen trinken müssen, mokiert sich Fridman im Interview ausschließlich über sein eigenes „Leid“. Sicher auch dies ein Grund, warum die Schadenfreude der Menschen gegenüber russischen Oligarchen aktuell bei weitem noch eventuelles Mitgefühl zu überwiegen scheint.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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