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„Noch mehr Schließtage“: Verband fürchtet Vier-Tage-Woche von Rostocker Gastronom

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Ein Rostocker Gastronom sucht mit einer innovativen Vier-Tage-Woche nach neuem Personal – und erntet dafür Kopfschütteln und Kritik.

Hamburg/Rostock – Neue Arbeitsplätze, bessere Bezahlung, mehr Freizeit: Der Rostocker Unternehmer Dittmar Birkhahn fährt auf der Suche nach neuem Personal schwere Geschütze auf. Er lockt mit einer modernen Vier-Tage-Woche – bei gleichbleibendem Lohn. Mit der verkürzten Arbeitswoche liegt Birkhahn voll im Trend: Auch ein Hamburger Unternehmen macht beim großangelegten Modellversuch 4 Tage Arbeit für volles Gehalt mit.

Verbandsname:Deutscher Hotel- und Gaststättenverband
Mitglieder:70.000
Sitz in Mecklenburg-Vorpommern:Rostock
Präsident DeHoGa MV:Lars Schwarz

Nachdem während der Coronakrise viele Fachkräfte die Branche gewechselt haben und eine Welle Neu-Bewerber ausgeblieben war, wurde Birkhahn klar, dass eine kleine Revolution in den Arbeitsbedingungen fällig sei, wie er dem NDR erklärte. „Die Branche muss sich modernisieren. So wie wir in der Vergangenheit gearbeitet haben, können wir nicht arbeiten“, lautet sein klares Urteil. Auch eine Hotelkette in Hamburg hatte auf der Suche nach Personal schon auf die 4-Tage-Woche gesetzt.

4-Tage-Woche in Rostocker Restaurant: Gastro-Verband ist nicht begeistert

Dem Gastro-Dachverband gefällt das aber ganz und gar nicht: Das wird „unsere Probleme nicht lösen“, kritisierte DEHOGA-Präsident Lars Schwarz gegenüber den „Norddeutsche Neueste Nachrichten“. Er sprach dabei diplomatisch von einer „interessanten Unternehmensentscheidung“, machte aber deutlich, dass Birkhahns Entscheidung vor allem dazu führe, dass er den Konkurrenten in der Gastronomie die gut ausgebildeten Mitarbeiter stehle.

„Wenn wir das alle machen würden, hätten wir noch mehr Schließtage und bräuchten deutlich mehr Mitarbeiter“, klagt Schwarz im Gespräch mit den „NNN“.

Ein Rostocker Gastronom führt die 4-Tage-Woche ein und verärgert damit den gesamten Gastro-Verband
Ein Rostocker Gastronom führt die 4-Tage-Woche ein und verärgert damit den gesamten Gastro-Verband. © Christian Charisius/dpa/Eckhard Stengel/imago/Montage

Dieser Vorwurf prallt an Birkhahn allerdings ab. Er kontert nüchtern: „Wenn jeder Hotelier oder Restaurantbesitzer sich bemüht, seine Mitarbeiter zu motivieren, für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen sowie eine vernünftige Auslastung der Arbeitszeit sorgt und zudem gute Löhne bezahlt, dann ist es auch kein Verdrängungswettbewerb.“

Rostocker Gastronom führt 4-Tage-Woche ein: Kopfschütteln der Konkurrenz

Laut Birkhahn scheint ein Nachrüsten der Mitbewerber aber aktuell unwahrscheinlich – zumindest was das Modell der Vier-Tage-Arbeitswoche angeht: „Viele haben den Kopf geschüttelt und Unverständnis gezeigt“, erzählte er dem NDR, „und einige sind da skeptisch und fragen, ob das was wird.“ Dabei gibt es, etwas aus Island, viele positive Erkenntnisse aus Modellversuchen mit der 4-Tage-Woche.

Doch Birkhahns Belegschaft gefällt‘s und der Großteil der 50 Mitarbeiter plant, das Angebot der Vier-Tage-Woche anzunehmen. Denn ein kompletter Tag mehr Freizeit für die Angestellten bedeutet mehr Zeit für die Familie, Hobbys oder Erledigungen und ist damit auch eine Investition in die Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter, die sich auf Birkhahns Rostocker Hotel und zwei Restaurants verteilen.

Auch die Anzahl der Bewerbungen hat laut dem Unternehmer bereits stark zugenommen. Deshalb ist Dittmar Birkhahn trotz des Gegenwindes von seinem neuen Weg mit freundlicheren Arbeitsbedingungen überzeugt: „Wir können auch sozial!“

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