1. 24hamburg
  2. Stories

„Nicht Euer Ernst?!“: Studenten fordern Tampons auf Männerklos – Shitstorm

Erstellt:

Von: Anika Zuschke

Kommentare

Studierende von der TU Berlin fordern kostenlose Menstruationsprodukte auf allen Uni-Toiletten – auch für Herrenklos. Im Internet ernten sie dafür Spott und Häme.

Berlin – Menstruationsprodukte wie Binden und Tampons sind besonders für Studenten nicht billig. Aus dem Grund fordert der Studierendenausschluss an der Technischen Universität in Berlin kostenlose Hygieneprodukte auf allen Uni-Toiletten. Und damit meinen die Studierenden tatsächlich auf allen Toiletten – auch auf Herrenklos. Die ungewöhnliche Forderung löst in sozialen Netzwerken eine empörte und hitzige Debatte aus. Ebenfalls für Aufregung sorgte in Sachsen ein Antrag der SPD, der Mülleimer für menstruierende Männer einführen sollte*.

Hochschule in Berlin:Technische Universität Berlin
Adresse:Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin
Präsident:Christian Thomsen
Gründung:9. April 1946, Berlin

Kostenlose Binden und Tampons auf Herrentoiletten: Berliner Studenten stellen ungewöhnliche Forderung

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) ist eine Interessenvertretung an der TU Berlin. In einer öffentlichen Pressemitteilung stellte sie die Forderung an alle Berliner Hochschulen und das Studierendenwerk Berlin, „kostenlose Menstruationsprodukte – konkret Tampons und Binden – auf allen Toiletten der Hochschulen, der Universitätsbibliotheken, Mensen und sonstigen angeschlossenen Institutionen bereitzustellen“, schreibt der Ausschuss in der Mitteilung.

Dabei schließt Asta explizit auch Herrentoiletten mit ein. Hintergrund der Aktion soll dabei die Gleichberechtigung aller Geschlechter sein. Denn neben Frauen seien auch trans-, inter-geschlechtliche und/oder nicht-binäre Menschen auf Menstruationsprodukte wie Tampons oder Binden angewiesen, heißt es. Mit deutlichen Worten fordert Asta von der TU Berlin, „dass diese nicht nur auf Frauentoiletten bereitgestellt werden, sondern auf allen Toiletten für alle Geschlechter. Auf Frauentoiletten, Männertoiletten und Toiletten, die für andere und/oder alle Geschlechter zur Verfügung stehen.“

Zugegebenermaßen ist die Periode – auch bei Frauen – immer noch ein großes Tabu-Thema. So wurde eine Schülerin in Australien sogar von einem Lehrer bestraft, weil sie ihre Tage hatte*.

Binden und Tampons sind teuer – deswegen wollen Studierende kostenlose Hygieneprodukte für alle Geschlechter

Kostenlose Menstruationsprodukte sollten dem Asta-Statement zufolge jederzeit und überall verfügbar sein, da diese unumgänglich seien, um am öffentlichen Leben teilzunehmen. Einer britischen Umfrage nach geben menstruierende Personen in ihrem Leben durchschnittlich 20.700 Euro für Hygieneprodukte aus. Das läuft auf etwa 500 Euro im Jahr hinaus. Für viele Menschen ist das eine Menge Geld. Deswegen soll es bei der Forderung auch nicht „nur“ bei Uni-Toiletten bleiben.

Ein Symbol für Damen- und Herrentoiletten und viele verpackte Tampons.
Berliner Studenten fordern kostenlose Tampons und Binden für alle Uni-Toiletten – auch für Herrenklos. (24hamburg.de-Montage) © McPHOTO/Imago/Sebastian Kahnert/dpa

Auch der Berliner Senat wird dazu angehalten, Menstruationsprodukte auf allen öffentlichen Toiletten in Berlin bereitzustellen. Hierzu sei der Senat den Studierenden zufolge sowohl durch das Grundgesetz, die Berliner Landesverfassung, das LADG (Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz) und den neuen Koalitionsvertrag verpflichtet. Die Hochschulen hätten dabei aber einen gesellschaftlich progressiven Auftrag und „müssen mit gutem Beispiel vorangehen“, heißt es in der Pressemitteilung.

„Nur ein sehr kleiner Schritt“: Kostenlose Tampons für alle auf dem Weg zu einer „gleichberechtigten Gesellschaft“

Bleiben Sie mit unserem Newsletter über Nachrichten aus Hamburg und Umgebung stets auf dem Laufenden.

„Auf dem Weg hin zu einer gleichberechtigten und queer-/feministischen Gesellschaft, in der kapitalistische, patriarchale, frauen-, trans-, inter- und queerfeindliche Ausschlüsse abgebaut werden, ist dies nur ein sehr kleiner Schritt. Der sich aber sehr einfach umsetzen lässt“, statuiert Asta von der TU Berlin. Mehr Sicherheit für queere Menschen sollen auch Regenbogen-Parkplätze* schaffen, die letztes Jahr in Hanau eingeweiht wurden.

Forderung nach kostenlosen Tampons auf Männerklos sorgt im Internet für Entsetzen und Hohn

In sozialen Netzwerken sind viele Kommentierende jedoch deutlich anderer Meinung. Die Kommentare schwanken dabei zwischen höchst empörten bis belustigten Personen, die ihren Gefühlen Ausdruck verleihen. Ein Facebook-User schreibt beispielsweise entsetzt: „Wenn die Zeit haben, sich um so nen Quatsch Gedanken zu machen: runter schmeißen von der Uni, um Platz für wirklich Lernwillige zu machen. Das soll mal unsere Elite werden? Da bekommt man ja Angst.“ Ein anderer stimmt mit den Worten zu: „Kein Wunder, dass es immer weiter bergab geht!!!“. Streit um Gleichberechtigung gab es auch schon in Hamburg: In dem Gender-Zoff ging es um ein 460.000-Euro-WC an der Alster.

Erboste Kommentare wegen Tampon-Forderung: „Dieser queere Müll kann doch nicht euer Ernst sein“

Einige scheinen sich bei den Geschlechterrollen nun unsicher zu sein: „Ich dachte immer, dass die Periode ein Frauending ist“, schreibt ein User, hat aber eine Antwort darauf offenbar schon selbst parat: „Ein Tampon für die Nase und wenn aus beiden Löchern Blut kommt, ne Binde.“ Ein anderer fügt fragend hinzu: „Für was soll das gut sein bei richtigen Männern?“. Doch ein User sieht das Ganze wohl pragmatisch: „Naja bei den ganzen Memmen heutzutage, finde ich das ganz angebracht“. Ebenfalls stark polarisiert hat ein LGBTQ-Statement von Penny, in dem eine Schoko-Figur als „Zipfelmensch“ statt Weihnachtsmann* bezeichnet wurde.

Mit Kommentaren wie „Der Niedergang Berlins mit all seinen Facetten“, „Hier in Deutschland ist mittlerweile der völlige Irrsinn ausgebrochen“, „Was ist die Steigerung von gaga?“, „IHR SEID ALLE ETWAS KRANK“ und „Dieser queere Müll kann doch nicht euer Ernst sein“, fassen aufgebrachte Facebook-User ihre Gefühlswelt in Worte. Ein Nutzer versucht hingegen, das Ganze mit Humor zu nehmen und schreibt: „Ich würde es ganz gut finden, wenn auch der tägliche teure ‚Männerbedarf‘ wie z. B. Bier, Jägermeister und Spielekonsolen den Menschen gratis angeboten werden.“ Ob sich das durchsetzen lässt, ist hingegen mehr als fraglich. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare