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„Nein und basta“: Trotz Personalnot – Bauer lässt keine Veganer auf den Hof

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Von: Anika Zuschke

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Ein Bauernhof sucht einen neuen Praktikanten – stellt aber von Anfang an fest: Veganer sollen sich nicht bewerben. Im Netz sorgt das für gemischte Reaktionen.

Österreich – Veganer haben es nicht immer leicht: Aufgrund der teilweise umstrittenen Ernährungsweise will beispielsweise ein Spitzenkoch keine Veganer mehr in seinem Restaurant haben. Ein Schweizer Wirt sieht es ähnlich und weist Veganer seit einem „Vegan-Theater“ in seinem Restaurant konsequent ab. Dass die tierfreie Ernährung nicht immer auf Begeisterung trifft – und mitunter sogar Diskriminierung erfährt – beweist nun auch ein Stelleninserat von einem Bauernhof. Denn Landwirt Christian Bachler sucht einen neuen Praktikanten – schließt Veganer aber schon im Vorhinein aus.

Landwirtschaftsbetrieb in Krakau:Bergerhof Krakauebene
Adresse:Krakauhintermühlen 39, 8854 Krakau, Österreich
Betrieb:Tiere
Inhaber:Familie Bachler

Bauer braucht Verstärkung – doch bloß keine Veganer: „Mit solchen Leuten kann nicht arbeiten“

Der in Österreich bereits bekannte Bauer Bachler führt den Bergbauernhof „Bergerhof Krakauebene“ im österreichischen Krakau – und sucht derzeit einen neuen Praktikanten. Das geht aus einer Stellenausschreibung auf Facebook hervor, in der es heißt: „Da uns ein Praktikant aus gesundheitlichen Gründen leider kurzfristig absagen musste, suchen wir für den restlichen Sommer noch nach Verstärkung.“

„Überflüssig“: Bauer sucht neuen Praktikanten – er will keine Veganer

Doch hat der Landwirt offenbar sehr genaue Vorstellungen davon, wer sich überhaupt erst auf die Stelle bewerben darf. Denn neben den Voraussetzungen, dass man sich „gerne draußen“ aufhalten und bereit sein sollte, etwas über eine andere Form der Landwirtschaft zu lernen, sollten Bewerber auch keine Veganer sein. Mitglied bei der Österreichischen Volkspartei sowie beim Bauernbund dürfen potenzielle Praktikanten des Bauernhofs übrigens auch nicht sein. Doch ist Bauer Bachler mit einer solchen Ausschreibung nicht der Erste: Ein Hamburger Chef stellt schon keine jungen Leute mehr ein, da diese „nach 6 Stunden zum Yoga“ müssten.

Inserat von Bauer Bachler sorgt für Diskriminierungs-Debatte – „bei Stellenausschreibungen untersagt“

Das sehr spezielle Online-Inserat kommt jedoch, wie zu erwarten, nicht überall gut an. Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle von Österreich, stellte laut der Kleinen Zeitung fest, „dass es sich hier natürlich um eine Diskriminierung nach dem Gleichbehandlungsgesetz handelt, die bei Stellenausschreibungen untersagt ist“.

Ein öffentliches Posting auf Facebook sei demnach als öffentliche Stellenausschreibung zu werten. Tatsächlich können Inserate dieser Art ziemlich nach hinten losgehen. Das musste auch eine Baufirma feststellen, die mit der Aussage „Wir suchen coole Typen“ eine Klage kassierte – und 6000 Euro Entschädigung zahlen musste.

Veganer dürfen sich nicht bei Bauernhof bewerben – wegen Arbeit mit Fleisch

Grabovac zufolge könne es zu Beschwerden bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft, Abmahnungen und im schlimmsten Fall auch zu Verwaltungsstrafen kommen. Doch das ist dem Landwirt offenbar recht egal. Mit dem Neoliberalismus, der bei der ÖVP vorherrsche, habe Bachler laut Kleiner Zeitung nichts am Hut: „Wir liegen da weltanschaulich zu weit auseinander. Mit solchen Leuten kann ich am Hof nicht arbeiten. Das sind unsere Regeln und basta“, so der direkte Bergbauer.

Dass Veganer nicht am Hof beschäftigt werden können, liege daran, „dass wir hier mit Fleisch arbeiten – und das geht sich bei Kost und Logis mit Veganern auch nicht aus“, erklärt Landwirt Christian Bachler. Auf Ablehnung stoßen Veganer auch beim Berliner Adlon-Restaurant – im Netz sorgte das für Spott.

Kühe fressen Mischfutter in einem Stall und ein Schild mit der Aufschrift „Für eine bessere Welt Go Vegan“
Ein Bauernhof sucht einen neuen Praktikanten – Veganer kriegen jedoch von Beginn an keine Chance. (24hamburg.de-Montage) © Soeren Stache/Bernd Settnik/dpa

Stellenausschreibung vom Bauernhof sorgt für gemischte Reaktionen auf Facebook

Das Stelleninserat des Bauernhofes löst auf Facebook derweil gemischte Reaktionen aus. Während einige Kommentierende dem Bauernhof schlicht viel Erfolg bei der Praktikanten-Suche wünschen, stößt die Diskriminierung von Veganern und ÖVPlern anderen Nutzern übel auf. „Lieber Christian Bachler, sollte des eine ernst gemeint Stellenausschreibung sein (wovon ich ausgehe) und du hier potenziell Interessierte aufgrund politischer Ansichten von vorneherein ausschließt, is des rechtlich eher als pikant anzusehen. Nur so als Tipp“, heißt es von einem Facebook-User.

Eine andere merkt an: „Als Veganerin mit der bösen ÖVP in einem Atemzug genannt zu werden, ist schon a bissi hart und etwas überflüssig“ und ergänzt: „Welcher Veganer würde sich bitte für diesen Job melden.“ Eine dritte Nutzerin beschwert sich mit den Worten: „Schade, dass ich mich zwar an der Spendenaktion zur Rettung des Hofes beteiligen durfte und regelmäßig Goodies für mich und meine Hunde bestelle, aber als Hof Praktikant werde ich so quasi ausgelistet“ und fügt hinzu: „Werde meine Airbnb Buchung nochmal überdenken müssen.“

Streit mit linksliberaler Zeitung machte Landwirt zur Berühmtheit – zuvor drohte Bankrott

Tatsächlich hat der „Bergerhof Krakauebene“ schon einige Hochs und Tiefs überstanden. Dem österreichischen Nachrichtenportal 5min.at zufolge stand der Bauernhof vor zwei Jahren sogar kurz vor dem Aus. Doch machte ein Streit mit dem Chefredakteur der linksliberalen Wochenzeitung Falter aus Wien den Landwirt zur Berühmtheit – als sogenannten Wut-Bauer. Zusammen mit einer Spendenkampagne konnte auf diese Weise die Existenz des Bauernhofs gerettet werden.

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