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Mutter bringt ihre Kinder aus Ukraine – und bleibt für Straßenhunde zurück

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Von: Denny Konzack

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Eine ukrainische Mutter bringt ihre Kinder in Sicherheit – und lässt sie dann dort bei Fremden zurück, um Straßenhunde zu retten. Mutige Frau oder Rabenmutter?

Dnipro – Seit Beginn des Krieges und dem Angriff von Russland auf die Ukraine sind rund 1,3 Millionen Menschen auf der Flucht aus ihrem Heimatland. Die Staaten Belarus, Ungarn, Slowakei, Rumänien, Moldawien und Polen dienen den verzweifelten Kriegs-Flüchtlingen als erstes Asyl. Viele lassen ihr ganzes Leben hinter sich zurück – samt aller Habseligkeiten, Erinnerungsstücke und oft genug auch Freunden oder sogar Familie. Doch eine Frau will ihr Herzensprojekt nicht im Stich lassen: die Rettung von Straßenhunden. Dafür nimmt sie sogar in Kauf, ihre Kinder allein über die Grenze zu schicken.

Millionenstadt in der Ukraine:Dnipro oder Dnipropetrowsk
Fläche:\t405 km²
Einwohner:966.400
Bürgermeister:Borys Albertowitsch Filatow

Ukrainische Mutter bringt ihre Kinder aus dem Land – und lässt sie allein, um Straßenhunde zu retten

Marina Dilly, eine ukrainische Mutter, will ihre Kinder vor dem Angriffskrieg der Russen auf die Ukraine in Sicherheit bringen. Jedoch bringt sie es nicht über das Herz, die heimatlosen Vierbeiner, für die sie sich einsetzt, allein zu lassen. Also schickt sie in Zusammenarbeit mit einem Team ihren Nachwuchs über die Grenze nach Polen – in die Obhut einer über 1200 Kilometer entfernt lebenden fremden Familie, um sich in der Ukraine weiterhin um die Rettung der Streuner kümmern zu können. Und das ist nicht ohne: Ihr Tierheim liegt in Dripno, inmitten der inzwischen von russischen Streitkräften besetzten Städten. Nun wird dieses Thema ebenso kontrovers diskutiert wie die Fleischverordnung per Gericht für das Baby einer Veganer-Mutter.

Mutter aus der Ukraine hat sich entschieden: erst Kinder in Sicherheit bringen, dann Straßenhunde retten

Marina arbeitet schon lange für vernachlässigte Straßenhunde in der Ukraine. Sie sorgt für deren Nahrung, warme, sichere Schlafplätze – und kommt den zahlreichen Neu-Aufnahmen kaum hinterher. Der Krieg verschärft die Situation. Die Tierfreundin hat allein in den letzten Tagen über Hundert Hunden eine Unterkunft ermöglicht. Doch das Futter sowie benötigte Medikamente werden immer knapper. Trotz dieser riesigen Herausforderung weigert sich Marina, neue Hunde abzuweisen. Dank solch engagierter Menschen, wie eben Maria Dilly, die das Wohl der Tiere als oberste Priorität betrachtet, bekam eine geflüchtete Familie aus der Ukraine sogar ihre Katze wieder.

Im Hintergrund sind Strassenhunde zu sehen. Hervorgehoben sind zwei Kinder, die zusammensitzen und auf einen Transport warten
Ukrainische Mutter gibt Kinder in die Obhut von fremder, polnischer Familie, um sich in der Ukraine um Straßenhunde zu kümmern. (Symbolbild, 24hamburg.de-Montage) © Mikhail Tereshchenko/ZUMAwire/Imago

Mutter aus Ukraine bringt sich mit Hunderettung in Gefahr – im Netz wird sie dafür auseinandergenommen

Der Mut von Maria Dilly ist bemerkenswert. Doch nicht nur aufgrund der Gefahr, die diese Unternehmung mit sich bringt, ist die Hilfsaktion für viele Menschen schwer nachvollziehbar. Ihre Kinder sind obendrein ohne ihre Mutter auf Hilfe in einem fremden Land, in einer ihnen fremden Familie angewiesen. Das bringt ihr im Netz neben viel Lob für ihre Selbstlosigkeit auch scharfe Kritik ein: „Was für eine Mutter riskiert das eigene Leben, damit das Kind evtl. als Waise aufwächst. Wo ist das Jugendamt,.wenn man es mal braucht?“, kommentiert ein User.

Eine andere wütet: „Lese ich da richtig: ,mutige MUTTER lässt KINDER zurück, um Vierbeiner zu retten´. Und hier jubeln auch noch welche? Eine Mutter, die ihre Kinder im Krieg zurücklässt, gehört bestraft.“ Obwohl ein Pädagoge die heutige Kinder-Erziehung zerreißt, dürfte auch das Mutterherz von Maria angesichts dieser schwierigen Situation schmerzen. Dennoch: Sie hat sich klar für ihr Fellnasen-Projekt in der Ukraine entschieden.

Mutter hofft auf baldiges Ende des Krieges und hat bereits Zukunftspläne – mit ihren Kindern und den Streunern

Ihre Hoffnung setzt Maria nun in die Zukunft. Der Krieg in der Ukraine sollte im besten Falle positiv für ihr Heimatland enden, sagte Dilly im Interview mit der britischen Tageszeitung „daily mirror“: „Wenn wir gewinnen und der Krieg endet, werde ich zuerst nach Polen gehen, um den Polen zu danken, die sich um meine Kinder kümmern. Ich werde dann meine Kinder nach Hause bringen und mit meinem Tierheim ein Zuhause für Hunderte von Tieren in Not bieten.“

Genau wie die Mutter, die ihr Baby mit rohem Steak füttert oder die Frau, die aus dem Kinderzimmer ein „Mini-Gefängnis“ baute, erntet auch Maria Dilly teils harsche Kritik für ihr Vorgehen. Ihren ganz besonderen Traum gibt sie allen Widerständen zum Trotz aber nicht auf: „Dann erfülle ich mir meinen Traum, in meinem Tierheim Zwinger mit Heizung für die vielen Tiere, die da noch kommen werden, zu bauen, wie ich es letztes Jahr geplant hatte.“ *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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