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Möbelhäuser sollen montags schließen – um Energie zu sparen

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Von: Kevin Goonewardena

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Vorschlag vom Unternehmerverband: Durch den sogenannten „Green Monday“ soll Energie eingespart werden. Die Möbelhäuser selbst sind zwenig begeistert.

Frankfurt / Rhein-Main – Als Spitzenverband der deutschen Wirtschaft vertritt der Mittelstandsverbund (ZGV) das Interesse von mehr als 230.000 mittelständischen Unternehmen. Jetzt sorgt der Verband mit einem ungewöhnlichen Vorschlag zum Thema Energiesparen für Aufsehen. Für ihre Interessen eintreten, darunter dürften sich zumindest die im Verbund organisierten Möbel- und Küchenhäuser etwas anderes vorstellen.

„Green Monday“: An Montagen sollen Möbelhäuser geschlossen bleiben – zum Energiesparen

Denen schlägt der ZGV nämlich vor, im Rahmen eines „Green Monday“ ihre Geschäfte ab November 2022 montags geschlossen zu halten. Über die dunkle Jahreszeit hinweg soll so bis März 2023 Energie eingespart werden. Die Möbel- und Küchenhändler zeigen sich wenig begeistert von dem Vorschlag. Zuletzt knipsten in Norddeutschland die Bäcker das Licht aus, um gegen die hohen Strompreise zu protestieren.

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Energiesparen: Verband appelliert an Mitglieder - 12.000 Möbelhäuser wären von Schließung betroffen

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, dass sich der Appell des ZGV an rund 12.000 Möbelhäuser und Küchenmärkte richte. 180 davon verfügen über eine besonders große Ladenfläche von 25.000 Quadratmetern und damit einhergehend fallen dort entsprechend hohe Kosten für das Heizen und die Beleuchtung an. In einer Pressemitteilung erläutert der Verbund das Ziel des „Green Monday“ wie folgt:

Durch ein Herunterfahren der Heiz- und Stromsysteme im stationären Handel von Samstagabend bis Dienstagmorgen sollen entsprechende Einsparpotentiale gehoben werden.

Aus der Pressemitteilung des Mittelstandsverbund (ZGV)

Energiesparen: Idee des Green Monday stößt bei Händlern auf wenig Gegenliebe

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Die Begeisterung bei den Händlern über den Vorschlag hält sich bisher in Grenzen, auch wenn die Einbußen bei einer Montagsschließung gering ausfallen würden – Möbelhändler und Küchenstudios fahren den Großteil ihres Wochenumsatzes am Wochenende ein. Bindend wäre die Umsetzung der Verbandsidee für die Händler sowieso nicht – sie sind zwar als Teil von Regionalgruppen im Verband organisiert, operieren aber ansonsten weitestgehend selbstständig.

Ikea Standort Große Bergstraße Hamburg Altona
Ikea Hamburg-Altona: Bleibt die erste innerstädtische Ikea-Filiale weltweit von November 2022 an montags geschlossen, um Energie zu sparen? © stock&people / Imago

Egal ist das Thema Energiesparen den Unternehmen dennoch nicht – so verweisen sie auf F.A.Z.-Nachfrage dann auch auf eigene Energiesparmaßnahmen - ein Schließungstag gehört jedoch nicht dazu.

Auch Social-Media-Echo nicht begeistert über Montagsschließung von Möbelhäusern

Auch in den Sozialen Medien ist das Echo auf die Idee nicht gerade begeistert: „Wie viel Energie wird eigentlich durch das Verbreiten solcher „Ideen“ verbraucht?“, fragt ein Facebook-Nutzer provokant. Auch Kritik an den vermeintlich immer an allem Schuldigen ist natürlich schnell kommentiert: „Am besten schließt man das Regierungsgebäude in Berlin!“ Aha ... „Die sind alle nicht mehr ganz dicht“, meint ein weiter User – unklar, wer da so mitgemeint ist. „Es wird sich bald keiner mehr teure Möbel leisten können. Da werden noch so einige dicht machen müssen“, blickt ein weiterer Kommentator düster in die Zukunft. Einigen scheint der Sinn verständlich: „Spart Strom“, fasst ein Facebook-User das Ganze fix zusammen. Andere nehmen es mit Humor: „Autofreier Sonntag hatten wir schon mal. Möbelfreier Montag ist was neues.“ Ja, das wäre es wohl.

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Energiesparen bei Möbelhaus Ikea: Diese Maßnahmen setzt der Branchenführer um

Der Brachenprimus IKEA sieht sich selbst gerne als Vorreiter in Puncto Nachhaltigkeit. Auf Nachfrage der F.A.Z. geben die Schweden dann auch bereitwillig Auskunft über ihre bisherigen Maßnahmen, um Strom- und AGs zu sparen. So sollen etwa alle Gasheizungen durch Wärmepumpen ersetzt werden und die Rolltreppen nur bei Bedarf in Betrieb gehen. So wie etwa an den Stationen der S-Bahn Hamburg, bei denen die Rolltreppen erst mit Betreten durch Fahrgäste anspringen. Auch Photovoltaikanlagen will das Unternehmen auf den Dächern seiner Filialen installieren. 54 Filialen betreibt Ikea in Deutschland; darunter mit Altona, Schnelsen und Moorfleet drei Standorte in Hamburg.

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Möbelhäuser XXXLutz und Höffner gegen Montagsschließung: „Wir haben so etwas nicht vor!“

Auch die Kette XXXLutz, Nummer Zwei in Deutschland, verweist auf Anfrage auf die „Vielzahl an Maßnahmen zur Energieeinsparung“, so die Frankfurter Tageszeitung. Zusätzliche Maßnahmen würden derzeit geprüft. Auch hier gehört ein Schließungstag in der Woche nicht dazu. „Eine tageweise Schließung unserer Möbelhäuser zählt hierzu aktuell nicht“, bestätigt dann auch ein Sprecher dem Blatt gegenüber. Abgesprochen auf den Green Monday und die damit verbundene Montagsschließung äußert Höffner-Geschäftsführer Thomas Dankert gegenüber der F.A.Z. kurz und unmissverständlich: „Wir haben so etwas nicht vor!“, so Dankert.

Green Monday – Schließung der Möbelhäuser am Montag: Nicht alle sagen „Nein“ zur Energiespar-Maßnahme

Während die großen Ketten wohl alle nicht am Green Monday teilnehmen werden, sieht es beim Kasseler Familienunternehmen Möbelhaus Schaumann anders aus. Wie die F.A.Z. zu berichten weiß, betont Geschäftsführerin Lena Schaumann auf ihrem Facebookkanal durch die Teilnahme am Green Monday der Verantwortung zum Energiesparen gerecht werden zu wollen. Auch sei der Verzicht auf den Montag als Öffnungstag ein Vorteil für all diejenigen in der Belegschaft, die regelmäßig an Samstagen arbeiten würden und so nun zwei freie Tage hintereinander bekommen könnten.

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