Currywurst statt Kaviar

Sylt in Sorge vor den Billig-Touris – Dortmund nimmt sie gern

  • Yannick Hanke
    VonYannick Hanke
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Sylt befürchtet wegen des 9-Euro-Tickets einen riesigen Ansturm. Doch nun bringt sich Dortmund als Alternative ins Spiel. Mit Bier und Döner als Lockmittel.

Dortmund/Sylt – Kühler Champagner, deftige Fischbrötchen, weite Strände – für all das steht Sylt. Möglicherweise droht der nordfriesischen Insel in diesem Sommer ein großer Ansturm. Schließlich kann mit dem 9-Euro-Ticket kostengünstig durchs Land gereist werden. Ob die Heerscharen selbst aus Bayern die lange Reise Richtung Sylt auf sich nehmen und dort ihren Urlaub 2022 verbringen? Tipps für den Urlaub auf Sylt 2022 gibt es jedenfalls genug. Für den Ernstfall stünde aber auch Dortmund bereit. Die Stadt im Ruhrpott will der Insel nämlich Touristen abnehmen. Klingt nach Spaß, ist aber wirklich ernst gemeint.

Stadt:Dortmund
Einwohnerzahl:588.000
Fläche:281 Quadratkilometer
Entfernung zu Sylt:623 Kilometer (über A7 und A2)

Mit 9-Euro-Ticket nach Sylt: Ausgerechnet Dortmund bietet Alternative für Urlaub 2022

„Wer nicht nach Sylt möchte, kann gerne zu uns kommen“, sagt Sigrund Späte, Sprecherin von Dortmund-Tourismus, gegenüber den „Ruhr Nachrichten“. Man könne eine Entlastung für die nordfriesische Insel darstellen, der durch das 9-Euro-Ticket eine Invasion an Touristen drohen könnte. Wird Sylt jetzt überrannt? Durch das 9-Euro-Ticket droht Chaos, das die Insulaner für den Urlaub 2022 gern vermeiden würden.

Ob Sylt-Urlauber nun ausgerechnet nach Dortmund fahren wollen, ist noch unklar. Die Stadt freut sich schon mal.

„Wir sind Großstadt und wir sind große Menschenmengen, die Spaß haben wollen, gewohnt – wir machen das eher gerne“, heißt es von der Dortmunder Seite. Auf die Reaktion der Sylter Pressestelle habe man indes eher verwundert reagiert. Sylt sieht sich für eine mögliche Touristen-Invasion nicht gewappnet, es wird gar mit Chaos gerechnet. Kein Problem, Dortmunds Verkehrsunternehmen DSW21 habe schon ganz andere Herausforderungen gemeistert.

Urlaub 2022 in Dortmund statt auf Sylt – Lockmittel für Touristen mit 9-Euro-Ticket

Das 9-Euro-Ticket stellt für die Sprecherin von Dortmund-Tourismus auf jeden Fall ein Geschenk dar. „Und es richtet sich ja auch an jüngere Leute und Familien“. Gültig ist das besondere Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel ab 1. Juni, bis zum 31. August 2022 hat es Bestand. In Hamburg ist der HVV vom Ansturm auf das 9-Euro-Ticket überrascht – mehr als 100.000 Vorbestellungen gibt es dort bereits. Mit dem 9-Euro-Ticket wird auch der Zeitraum der Sommerferien abgedeckt – und Familien könnten für kleines Geld einen tollen Tag in Dortmund verbringen.

Wir sind für viele ein hidden place, was den Freizeittourismus betrifft.

Sigrund Späte, Sprecherin von Dortmund-Tourismus, schwärmt gegenüber den „Ruhr Nachrichten“ von ihrer Stadt

Man könne zwar auch in Dortmund seine Ruhe haben, das besondere hier sei aber das Großstadtfeeling. Kaviarbrötchen und Champagner oder Sylt-Promis der Marke Dieter Bohlen oder Günther Jauch kann man im Ruhrpott zwar nicht erwarten. Dafür würden veganer Döner und eine Flasche Bier auf der Mauer am Westpark locken. „Ich mag kein Bier und trotzdem würde ich lieber da sitzen“, heißt es von Späte.

Dortmund will Sylt Urlauber abluchsen – „Hier ist das richtige Leben“

Dortmunds vermeintliches Problem? Das Image der von Industrie geprägten Ruhrgebietsstadt, „der Stadt des alten, weißen Mannes“. Doch hätte sich Dortmund längst „in eine völlig andere Richtung entwickelt“. Ob Open-Air-Kinos, Musikveranstaltungen oder die entspannten Menschen auf Decken in den Park – all das nennt Späte als Pluspunkte.

Hier ist das richtige Leben. Und wer am Kanal rausfährt oder auf der Wiese im Westfalenpark liegt, findet auch hier Eskapismus.

Dortmund-Tourismus-Sprecherin Sigrund Späte verspricht den Besuchern ihrer Stadt Realitätsflucht

Dortmund sei mehr als nur Hochkultur und Industrie, allein das kulinarische Angebot hätte sich zuletzt extrem weiterentwickelt. Die Industriekultur preist Späte aber auch als Highlight an, sei es die Zeche Zollern oder der Westfalenpark. „Trotz aller Probleme können wir toll sein“, verspricht die Wahl-Dortmunderin. Und den großen Verein der Stadt, Borussia Dortmund, hat sie noch nicht einmal ins Spiel gebracht. Dafür aber ihre Stadt als gute Alternative zu Sylt. Ruhrpott-Romantik statt (möglichen) Insel-Irrsinn eben – der übrigens auch für die Sylter bald unangenehm werden könnte: Denn die Chaostage der linken Szene könnte dort bald Realität werden. Linke Gruppen drohen mit Chaostagen: „Sylt für alle, sonst gibt’s Krawalle“, fordern sie.

Rubriklistenbild: © Rupert Oberhäuser/Imago und dpa

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