1. 24hamburg
  2. Stories

Mann gibt Kellnerin 3000 Euro Trinkgeld – nun erstattet Lokal Anzeige

Erstellt:

Von: Steffen Maas

Kommentare

Eine Kellnerin bekommt von einem Fremden ein riesiges Trinkgeld von etwa 3.000Euro. Nur Wochen später setzt es statt Freude eine Anzeige – gegen den Gast.

Scranton, Vereinigte Staaten – „Second Thoughts“, nennt es der Amerikaner, wenn man sich etwas doch anders überlegt: sich zweite Gedanken machen also. Die hatte wohl ein Mann im US-Bundesstaat Pennsylvania, nachdem er in einem Restaurant die Rechnung für eine 13-Dollar-Teigtasche mit einem 3.000-Dollar-Trinkgeld garnierte hatte. Ein Akt riesiger Großzügigkeit, der nicht nur das Restaurant freute, sondern vor allem Kellnerin Mariana Lambert, die ihr Trinkgeld vom Arbeitgeber ausgezahlt bekam. Soweit eine echte Feel-Good-Story. Doch die nimmt im weiteren Verlauf eine unschöne Wendung – und wird vielleicht gar vor Gericht enden.

Name:Scranton
Einwohner:76.328
Bezirk:Lackawanna County
Bundesstaat:Pennsylvania

Gast gibt 3.000 Euro Trinkgeld – und fordert es kurz später zurück: Anzeige ist raus

Doch irgendwann im Anschluss bekam der vermeintliche Gönner kalte Füße, kontaktierte sein Kreditunternehmen und zog die Zahlung zurück. Das Restaurant steht mit einem 3000 Dollar großen Loch in seiner Bilanz da – und zeigt den Trinkgeld-Antäuscher jetzt an. Dabei sah erstmal alles nach einer willkürlichen aber unschuldigen guten Geste aus.

„Tips for Jesus“: Mann gab großzügiges Trinkgeld im Namen eines Social-Media-Trendes

Der Mann, der in Scranton im Nordwesten von New York nur auf der Durchreise war, spendierte das Extra-Geld in vierstelliger Höhe laut eigener Angabe im Namen der Religion und des Social-Media-Trends „Trinkgelder für Jesus“, wie der amerikanische TV-Lokalsender WNEP berichtete.

Auch wenn die Restaurant-Manager zunächst skeptisch waren: Die Kreditkartenzahlung ging anstandslos durch. Kellnerin Mariana, die sich seit der High School in der Gastronomie um Gäste kümmert und die im Gegensatz zu einer Bedienung in Wales keine Probleme mit dem Kunden hatte, war überwältigt: „Das hat wirklich sehr mein Herz berührt“, sagte sie dem TV-Sender.

Es hat mir wirklich eine Menge bedeutet, denn jeder hat gerade so seine Probleme. Das hat wirklich sehr mein Herz berührt.

Mariana Lambert, Kellnerin und Empfängerin des großzügigen Trinkgeldes

Kellnerin zahlt von 3.000-Euro Trinkgeld Rechnungen – und will Kollegen beschenken

Das Geld wäre bei der Kellnerin auch wahrlich nicht schlecht aufgehoben gewesen; sie wollte davon Rechnungen bezahlen, vielleicht einen Kurzurlaub mit der Familie machen – und beim nächsten Restaurant ebenfalls ein großzügiges Trinkgeld geben, um einen anderen Kollegen glücklich zu machen.

Hitziges Wortgefecht auf Facebook, dann ist klar: Doch kein Trinkgeld mehr

Dazu wird es wahrscheinlich sogar gekommen sein, denn Lambert bekam das Geld vom Arbeitgeber ausgezahlt. Doch der hatte anschließend ein dickes Minus in den Büchern, denn der Spender – als Eric Smith identifiziert – hatte die Belastung seiner Kreditkarte in der Zwischenzeit angefochten und zurückgezogen. Zunächst glaubte man in der Restaurant-Führungsetage noch an ein Missverständnis.

Eine Kellnerin bedient Restaurant-Gäste
Etwas mehr als ein paar Euro in die Kaffee-Dose gab es für eine Kellnerin in den USA: Ein Mann spendierte ihr 3.000 Dollar Trinkgeld. Später kriegt der Gönner kalte Füße und zieht die Großzügigkeit zurück – das Restaurant klagt. (Symbolbild; 24hamburg.de-Montage) © Owen Humphreys/dpa & Stephanie Pilick/dpa

Restaurant stinksauer über Trinkgeld-Rückzieher: „Eine ganze Menge Nonsens und Drama!“

Doch nach einem hitzigen Austausch auf Facebook war klar: Eric Smith hat es sich anders überlegt. „Wir dachten, hier will jemand einfach wirklich etwas Gutes tun“, schüttelte Restaurant-Manager Zachary Jacobson vor der Kamera von WNEP, die Wochen später für das traurige Nachspiel zurückkehrten, den Kopf. „Jetzt ist davon nichts mehr übrig.“ Na ja, nicht ganz: „Eine ganze Menge Nonsens und Drama“ habe das Hin-und-Her erzeugt. Von Nonsens ganz anderer Art ist ein anderes Lokal geplagt: Das Restaurant lässt keine Gäste unter 18 mehr rein. Ähnlich macht es auch ein Café in Niedersachsen und lässt gar keine Kinder mehr rein – Schuld seien die heutigen Eltern.

Entscheidung fällt vor dem Bezirksgericht: Wohlfühlstory endet vor dem Richter

Wie das Drama jetzt endet, entscheidet das Bezirksgericht. Denn die hitzige Auseinandersetzung zwischen Restaurant und Gast fand mit einem nüchternen Austausch den Abschluss: „Er hat uns gesagt, dann sollen wir ihn verklagen“, berichtet Jacobson. „Also machen wir das wohl.“ Irgendwo muss der Ärger ja hin – und den verursachen Restaurant-Gäste immer wieder: Weil Touri-Gäste fies zum Personal, waren, machte eine Wirtin ihr volles Lokal dicht und auch ein anderer Wirt erteilte Pöbel-Gästen Hausverbot und schenkte der Kellnerin die Rechnungssumme.

Schade nicht nur ums Geld, das das Restaurant als Teil einer durch Corona gebeutelten Industrie schmerzlich vermissen wird. Schade auch um die Wohlfühl-Story rund um die hart arbeitende Kellnerin, die in einer Zeit, in der ein Wirt bereits Eintritt für sein Restaurant verlangt, weil überall Krisen zu lauern scheinen, ein positives Zeichen hätte sein können. Zachary Jacobsen hofft jedoch noch auf ein Mini-Happy-End:

Ich hoffe, er steht zu seinen Taten, kommt auf uns zu und zahlt das Geld noch.

Zachary Jacobsen, Restaurant-Manager

Wie gut die bestellte Teigtasche oder der Service der Kellnerin war, ist nicht bekannt. Unklar ist auch, was Jesus, in dessen Namen die gütige Spende ja zunächst ausgeschüttet wurde, über den Rückzieher denkt. Die Social-Media-Jünger des christlichen Trinkgeld-Trends dürften allerdings bitter enttäuscht sein. Mindestens so wie die Facebook-Nutzer, die zum Boykott gegen Ikea aufrufen, weil das Restaurant Pommes streicht.

Auch interessant

Kommentare