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Malermeister wettert: „Junge Generation ist absolut arbeitsunwillig“

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Von: Bona Hyun

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Ein Malermeister rechnet knallhart mit der jungen Arbeitnehmer-Generation ab. Ihm und anderen Ausbildern fehlt Nachwuchs – für das Handwerk sieht er schwarz.

Brandenburg – Ein Dilemma für viele Ausbilder in Deutschland: Überall mangelt es an Nachwuchs, doch für viele kommen Jugendliche als Arbeitnehmer nicht mehr infrage. So will ein Hamburger Chef keine jungen Leute mehr einstellen, weil sie nach sechs Stunden zum Yoga müssen und seine Anforderungen nicht erfüllen können. Auch ein Malermeister aus Brandenburg möchte keine Jugendlichen mehr ausbilden, weil sie in seinen Augen „keine Disziplin und Ordnung mehr“ haben. Auf dem Arbeitsmarkt könnte der Mangel an jungen Nachwuchskräften zu erheblichen Problemen führen.

Land im Nordosten der Bundesrepublik Deutschland:Brandenburg
Fläche:29.479 km²
Bevölkerung:2,512 Millionen (2019)
Hauptstadt:Potsdam

Malermeister rechnet mit junger Generation ab: „Werden zuhause in Watte gepackt“

Thomas Thümmel aus Brandenburg ist Unternehmer und Malermeister. In einem Gespräch mit dem Frühstücksfernsehen begründet er, warum er keine Jugendlichen mehr ausbilden möchte. „Sie sind teilweise nicht mal mehr in der Lage, eine Baustelle mit dem Besen zu reinigen. Funktioniert nicht, kriegen sie nicht mehr hin. Wirklich durchziehen und mal arbeiten geht nicht“, beklagt sich der 33-Jährige. Acht Stunden Arbeit am Tag sei für viele mittlerweile ein Problem. „Die werden zu Hause in Watte gepackt, gehen dann auf dem Arbeitsmarkt mit Sack und Pack unter“, so der Handwerker gegenüber Sat. 1.

Ein Mann mit einem Malerroller und ein junger Maler, der auf dem Boden sitzt
Ein Malermeister möchte keine Jugendlichen mehr ausbilden – Disziplin und acht Stunden Arbeit am Tag wären schon ein Problem. (24hamburg.de Montage) © YAY Images/ingimage/Imago

Die werden zu Hause in Watte gepackt, gehen dann auf dem Arbeitsmarkt mit Sack und Pack unter.

Malermeister Thomas Thümmel über die junge Arbeitnehmer-Generation

Handwerkerkollegen bestätigen: „Generation, die absolut arbeitsunwillig ist“

„Die Leute, die versuchen eine Ausbildung anzufangen, brechen in der Regel ab, oder, sobald sie ihren Gesellenbrief haben, sind sie weg“, so der Unternehmer gegenüber rbb. Nach der fertigen Ausbildung würde keiner seiner Lehrlinge bleiben – auch wenn er jederzeit neue Leute einstellen und gebrauchen könnte. „Ich habe so viele Zuschriften von anderen Handwerkern bekommen, die alle das Gleiche bestätigen. Es ist eine Generation, die absolut arbeitsunwillig ist.“

Im Gespräch mit dem Frühstücksfernsehen warnt er: „Wer soll es denn machen? Wer soll der Generation noch Häuser bauen, wer soll der Generation Brötchen backen? Die gehen irgendwann in den Laden und es gibt kein Brot oder Brötchen mehr, weil das Backhandwerk ausstirbt. Das Backhandwerk wird das erste sein, das ausstirbt – eine jahrhundertealte Tradition wird es einfach nicht mehr geben“, so Thümmel.

„Ich habe so viele Zuschriften von anderen Handwerkern bekommen, die alle das Gleiche bestätigen. Es ist eine Generation, die absolut arbeitsunwillig ist

Malermeister Thomas Thümmel hält nicht viel von den „neuen Jungen“

Malermeister fehlt Nachwuchs, weil junge Leute zu faul sind: „Hast nur noch Dachlatten hier auf dem Markt“

Obwohl Thümmel mit seinem Zwei-Mann-Betrieb aus dem letzten Loch pfeifen muss, bleibt er standhaft. Denn die Auswahl auf dem Markt junger Auszubildender ist unzureichend: „Du hast nur noch Dachlatten hier auf dem Markt“, sagte der Unternehmer. Dem schließt sich auch eine Friseurin an, die keine Azubis mehr ausbilden will, aus Mangel an Respekt und Leidenschaft.

Ein Forscher argumentiert, dass Eltern die „Generation lebensunfähig“ produziert haben und den Kindern bereits im frühen Alter zu viel Verantwortung abgenommen wird. Das spiegelt sich stark beim Verhalten auf der Arbeit wider oder auch bei Restaurant-Besuchen. Ein Burger-Laden will deshalb keine Kinder und Teenager mehr rein lassen, weil die jungen Leute das Lokal im unmöglichen Zustand hinterließen. Die Gründe für Verhaltensauffälligkeiten der „Generation Z“ könnten verschieden bedingt haben –Fakt ist aber, dass die aktuelle Lage auf dem Ausbildungsmarkt viele in Sorge versetzt.

Viele junge Leute fehlen in der Ausbildung – 63.200 unbesetzte Ausbildungsstellen im Jahr 2021

Friedrich Hubert Esser stellt fest, dass es immer weniger junge Auszubildende gibt. Es fehle ein großes Spektrum der Fachkräfte und der Rückgang der Ausbildungsvertragszahlen müsse gestoppt werden, so der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) gegenüber focus.de. „Sonst haben wir in naher Zukunft niemanden mehr, der Windkraftanlagen baut oder moderne Heizungs- und Solaranlagen installiert.“ Zusätzlich könnten die hohen Energiepreise und die drohende Gasknappheit Unternehmen zusätzlich belasten. Eine Erholung auf dem Ausbildungsmarkt werde wohl doch nicht eintreten.

„Uns fehlen in der Ausbildung sehr viele junge Leute“, wird auch Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer von focus.de zitiert. Nach Ansicht von Wollseifer müsste die Politik Ausbildungsangebote attraktiver machen – es fehle an Wertschätzung, Anerkennung und einer auskömmlichen Finanzierung. Im vergangenen Jahr, 2021, waren 63.200 Ausbildungsstellen unbesetzt. Das seien mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Gleichzeitig blieben über 24.600 Bewerber unversorgt.

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