1. 24hamburg
  2. Stories

„Mädels zum Knechten gesucht“: Wirt sucht Personal und erntet Shitstorm

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ulrike Hagen

Kommentare

Eine Stellenanzeige vor der Gaststätte „Krone“ sorgt für heiße Debatten. „Mädels zum Knechten gesucht“ – ist das noch lustig oder schon frauenfeindlich?

Illertissen – Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Dennoch gibt es eine Grenze des guten Geschmacks. Das dachten nicht wenige, die im bayerischen Illertissen über die selbstgebastelte Stellenausschreibung eines lokalen Gasthauses stolperten. Der Text auf der handgeschriebenen Tafel vor dem Lokal machte unmissverständlich klar, was gefragt ist: „Mädels zum Knechten gesucht“ hieß es da unverblümt. Nun streitet man im Netz, ob das (noch) witzig ist – oder schlicht unverstellter Sexismus.

„Mädels zum Knechten gesucht“: Stellenausschreibung löst heftige Debatten aus

Wie die „Augsburger Allgemeine“ berichtet, sorgte die Tafel vor dem Restaurant „Gasthof Krone“ nämlich nicht für Lacher, sondern vor allem für Unmut – wie die Malereien auf Volksfestbuden, deren „sexistische“ Darstellungen die Gemüter erhitzten. Zwar beschwichtigt der betroffene Wirt, er habe es wirklich nur „lustig“ gemeint. Doch einigen weiblichen Passanten blieb das Lachen im Halse stecken. Eine von ihnen wendet sich an die Lokalpresse, um den Fall öffentlich zu machen.

Das unkonventionelle Schild vor dem Gasthaus Krone in Illertissen
Das Schild des Gasthofs Krone in Illertissen sorgt für Aufruhr. © Sara Berger

Beraterin für Frauen in Krisensituationen bleibt das Lachen im Halse stecken

Margot Moll arbeitete 30 Jahre lang in einer Beratungsstelle für Frauen in schwierigen Lebenssituationen und reagiert darum empfindlich auf solch unsensible Wortwahl, wie die Karlsruherin erklärt. Und nicht nur sie, auch Nachbarn und Bekannte, denen sie ein Foto von dem Aufsteller schickte, seien empört. Hätten die ihr gesagt, das sei nur ein „Jux“, sie solle sich nicht so haben, hätte sie sich nicht an die Presse gewandt, so Moll gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“. Sie selbst - so wie nicht wenige andere - findet das ganze „Unverschämt“ und ganz klar „frauenfeindlich“.

Wirt kontert auf Vorwürfe: „Kann gar nicht frauenfeindlich sein. Ich suche doch Frauen“

Auf den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit kontert Kronen-Wirt Peter Hamp auf Nachfragen des Blattes mit einer etwas seltsamen Argumentation: Frauenfeindlich sei das nun wirklich nicht gemeint gewesen. Schließlich suche er ja gerade Frauen, so der Gastronom gegenüber der Zeitung. 

Netz ist gespalten über krasses Stellenangebot: „humorvoll“ oder „widerliche Diskriminierung“?

Das Netz ist jedenfalls geteilter Meinung. „Schön, dass es noch Menschen mit Humor gibt“, findet der eine. „Widerliche Diskriminierung“, meint eine andere. Ein User startet sogar einen Aufruf: „Liebe Männer, bitte bewerbt Euch auf diese Stelle. Wenn ihr ’ne Absage bekommt, weil ihr keine Frau seid, dann geht vor Gericht. Es gibt dann 3 Monatsgehälter Entschädigung für die Diskriminierung.“ Gar nicht so weit hergeholt, die Idee. In einem vergleichbaren Fall klagte eine Frau wegen der Job-Anzeige „Coole Typen gesucht“ und bekam 6.000 Euro „Entschädigung“.

Derer bedarf es laut einigen Facebook-Kommentatoren allerdings in diesem Fall kaum: „Die Emanzen sollen sich nicht so aufspielen. Wer den Scherz nicht kapiert, hat eh keinen Humor. Wenn er jetzt ‚Burschen zum Knechten …‘ geschrieben hätte, hätte er sicher mehr Lacher auf seiner Seite …“ Offenbar finden einige das Ganze durchaus komisch: „Endlich ein Chef mit Humor“ heißt es und gar „ein ehrliches Unternehmen!“

Liebe Männer, bewerbt Euch auf diese Stelle. Wenn ihr ’ne Absage bekommt, geht vor Gericht!

Kommentar auf Facebook zum Wirtshaus-Schild mit der Aufschrift „Mädels zum Knechten gesucht“

Auch Gaststätten-Gewerkschaft kritisiert Wortwahl der kontroversen Personalsuche: „Entgleisung“

Ein Vertreter der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten nennt das Stellenangebot auf Nachfragen der „Augsburger Allgemeinen“ eine „Entgleisung“. Zwar sei das „Gejammer“ in der Gastronomie aufgrund des chronischen Personalmangels „immer sehr groß“, auch Nachwuchssorgen plagen das Gewerbe, sodass erste Wirte bereits gegen die junge Generation wettern: „Haben es nicht nötig, zu arbeiten“. Doch diese Art der Personalsuche gefällt auch ihm nicht: „So löst man das Problem Fachkräftemangel jedenfalls nicht“.

Auch interessant

Kommentare