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Avocados sind nicht vegan – schmerzhafte Fakten zur Lifestyle-Frucht

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Von: Yannick Hanke

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Die Avocado gilt als Superfrucht, der Avocado-Toast ist nahezu DAS Trendgericht der woken Lifestyle-Esser. Nun das: Strikte Veganer dürften sie gar nicht essen.

London – War alles nur eine Lüge? Die Avocado hat in den letzten zehn Jahren einen regelrechten Hype erlebt, allein in Deutschland ist das Lorbeergewächs beliebt wie nie. Die Frucht ist gesund, schmeckt und ist - wie man es von einer Frucht natürlich annimmt - vegan. Letzteres wird in der britischen TV-Sendung „QI“ der BBC jedoch angeblich widerlegt. Die unglaublich scheinende Behauptung: Avocados sind gar nicht vegan. Wie das sein kann, wird auch erklärt – die Wahrheit ist schmerzhaft für Tier- und vor allem Bienenfreunde. Durch die Vegan-Gemeinde dürfte ein Aufschrei gehen, gefolgt von bitteren Tränen, denn: Strikte Veganer müssen auf die schmackhaft-buttrige Frucht wohl verzichten.

BBC-Quizshow behauptet: Avocados sind gar nicht vegan – wegen „Ausbeutung“ von Bienen

Fakt ist: Avocados sind reich an ungesättigten Fettsäuren und Kalium. Angeblich können die Früchte sogar vor Herzinfarkt und Krebs schützen. Hinzu kommt der unvergleichbare Geschmack der Avocado, die auch „Butter der Tropen“ genannt wird. Allesamt Faktoren, welche die Avocado für Veganer zu einem ihrer absoluten Lieblingslebensmittel machen. Zu denen gehören viele klassische Haute-Cousine-Speisen eher nicht, weswegen ein Spitzenkoch keine Veganer im Lokal haben will: „Kein Essen für Schnösel und Bobos“ heißt es dazu von ihm. Ähnlich sah man es offenbar zuletzt im Berliner Adlon-Restaurant, das Veganer als Gäste wollte. Das lässt sich natürlich gut verschmerzen, geht man halt nicht hin– ungleich schwerer dürfte es vielen fallen, plötzlich keine Avocado mehr zu essen.

Aine aufgeschnittene Avocado, beide Hälften mit Kern gut erkennbar
Avocados nicht vegan – das postulierte zuletzt eine BBC Quizshow. Tierschützer wissen längst: Strikte Veganer dürften die Frucht nicht essen, denn für die Zucht werden Honigbienen auf „unnatürliche Weise“ benutzt. © YAY Images/Imago

Darauf könnte es nun aber hinauslaufen. Denn in der britischen TV-Sendung „QI“ der BBC wird felsenfest behauptet, dass die Avocado ganz streng genommen eben doch nicht vegan ist. In der populären Quizsendung kam die Frage, für welche Lebensmittel strikte Veganer sich entscheiden könnten, ohne dass dafür Tiere leiden müssen. Neben Avocados standen auch Kiwis, Melonen, Mandeln und Butternuss-Kürbisse zur Auswahl. So weit, so gut.

Avocados müssten für strikte Veganer Tabu sein – Bienen auf „unnatürliche Weise“ benutzt

Die vier Kandidaten der Quizshow mussten nicht lange überlegen. „Alle“, platzte es aus ihnen heraus. Ihrer Ansicht nach wären alle fünf genannten Lebensmittel mit dem „Kodex“ von strikten Veganern vereinbar. Doch ganz so einfach sollte es dann doch nicht sein. Eine Person, die sich dem Veganismus zu hundertprozentig verschrieben hat, dürfte streng genommen keines dieser Nahrungsmittel zu sich nehmen. Zwar droht ihnen kaum das Schicksal der Influencerin, die sich durch jahrelange vegane Ernährung krank gemacht hat, aber als Tierfreund steht man als Avocado-Esser offenbar nicht da.

Die Ungläubigkeit stand den Kandidaten der BBC-Show buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Licht ins Dunkle bringen sollte kurz darauf Moderatorin Sandi Toksvig. Der Grund seien schlichtweg Bienen. Denn diese Tiere würden für die Zucht der Pflanzen auf „unnatürliche Weise“ benutzt.

Tierschutz-Organisation Peta beklagt dramatischen Umgang mit Honigbienen

Bedeutet laut der BBC-Moderatorin konkret: „Weil die Pflanzen schwer zu kultivieren sind, müssen Bienen auf Lastern weite Wege durchs Land gefahren werden“. Die Völker würden zur Bestäubung ausschwärmen, werden danach in Kisten verstaut und weiter zu den nächsten Feldern transportiert.

Das passiert laut Sandi Toksvig aber nicht nur bei Avocados. Dieses Prozedere werde auch bei Gurken, Kirschen, Brokkoli und Salat durchgeführt. Nicht zu leugnen ist auf jeden Fall, dass große Tierschutz-Organisationen wie „People for the Ethical Treatment of Animals“ (Peta) schon seit Jahren auf den zum Teil dramatischen Umgang mit Honigbienen aufmerksam machen.

Bienen als „Opfer genetischer Manipulation“ – Peta deckt Missstände auf

In einem Artikel auf der Peta-Homepage werden acht Gründe aufgeführt, warum Honig nicht nur vegan ist– sondern gar nicht mehr verzehrt werden sollte. In diesem Kontext wird explizit auf die missliche Lage und schlichte Ausbeutung der Bienen eingegangen. Die Situation erinnert ein wenig an die Lage der Esel auf der griechischen Insel Santorin: Weil die Tiere Jahrzenhnte lang unter übergewichtigen Reit-Touristen litten, gilt nun in Griechenland ein Esel-Reitverbot für Menschen über 100 Kilogramm Gewicht.

Damit das natürliche Schwärmen der Tiere unterbunden werden könne, werden Bienenstöcke oftmals manipuliert. Oder aber die Flügel der Bienenköniginnen würden gestutzt. Dadurch seien sowohl die Königinnen als auch der Schwarm an das vom Menschen bereitgestellte „Zuhause“ gebunden.

In der Honigindustrie werden Bienen Opfer von unnatürlichen Lebensbedingungen, genetischer Manipulation und stressvollen Transporten.

Die Tierschutz-Organisation Peta erklärt auf ihrer Homepage, aus welchen Gründen Honig eben nicht vegan ist

Diskussion um womöglich doch nicht vegane Avocado – „Vegan Society“ widerspricht Quizshow

Doch zurück zur BBC-Quizshow und die Diskussion, die durch die Veganer-Frage samt überraschender Antwort losgetreten wurde. „Vegan Society“, eine britische Veganer-Organisation, hat der Quizsendung entschieden widersprochen. „Veganer vermeiden es, so weit es geht, Tiere zu benutzen. Wir wissen, dass viele Formen der Landwirtschaft Tieren indirekt Leid zufügen“, sagte eine Sprecherin der Organisation gegenüber „Plant Based News“.

Gegenwärtig sei es jeoch noch nicht möglich, dies komplett zu verhindern. Im Umkehrschluss würde das aber auch nicht bedeuten, dass man sich gar nicht mehr um das Wohlergehen von Tieren kümmern sollte. Ganz im Gegenteil: „Veganer leisten einen großen Beitrag dazu, die Tieren zugefügte Grausamkeit zu verringern. Wir begrüßen alle Änderungen an landwirtschaftlichen Praktiken, die das unterstützen.“ Und die Avocado? Wird von Veganern nun womöglich mit anderen Augen betrachtet. Wie auch die Schnitzeljagd, die manchen Kindern durch ihre Veganer-Eltern untersagt wird.

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