1. 24hamburg
  2. Stories

Experte meint: Eltern sollen Kindern nie auffordern, sich zu entschuldigen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Yannick Hanke

Kommentare

Das wird viele Eltern verblüffen: Laut Experten sollen sich Kinder eben nicht entschuldigen, wenn sie unartig waren. Doch was ist die Alternative?

Michigan (USA) – An der Erziehung von Kindern scheiden sich bekanntlich die pädagogischen Geister. Manche Eltern wollen ihren Nachwuchs am liebsten 24/7, rund um die Uhr, im Auge behalten. Ihnen haftet das Prädikat der „Helikopter-Eltern“, deren „Überbehütung“ eine Form von „Vernachlässigung“ sei, an. Andere Erziehungsberechtigte hingegen sind darauf bedacht, dass ihr Kind möglichst früh eigenständig wird. Die beste Lösung liegt womöglich in der goldenen Mitte.

Für Experten aus den USA steht eines aber bereits fest: wenn der Sohn oder die Tochter unartig waren, sind Entschuldigungen nicht der richtige Weg.

Universität in Ann Arbor, Michigan:University of Michigan
Adresse:500 S State St, Ann Arbor, MI 48109, Vereinigte Staaten
Telefon:+1 734-764-1817
Fußballstadium:Michigan Stadium
Fußballmannschaft:Michigan Wolverines Football Mannschaft
Aufnahmequote:26,1% (2020)
Studiengebühren:Studiengebühren für Einwohner des Staats 15.948 USD, Nationale Studiengebühren 52.266 USD (2019 – 20)
Aktuelle Basketball-Trainer:Juwan Howard, Kim Barnes Arico
Studentenzahl:44.718 (2016)

Wenn Kinder sich entschuldigen, schadet das ihrer Entwicklung – sagt ein Experte

Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der University of Michigan, die in einer Studie gezielt das entsprechende Verhalten von Kindern zwischen vier und neun Jahren untersucht haben. Ein Kind, das gegen seinen Willen dazu gezwungen wurde, sich zu entschuldigen, würde gegenüber dem Kind, dem die Entschuldigung gilt, eine umso größere Ablehnung entwickeln. Von „aufgeweichten Jammergestalten“, wie ein Pädagoge die heutigen Kinder schimpft, ist da nicht die Rede.

Im großen Bild wird ein Mädchen von ihrer Mutter zurechtgewiesen. Im kleinen Bild zieht ein Mädchen eine Grimasse.
Wenn Kinder sich streiten, sollten Eltern sie nicht zu einer Entschuldigung zwingen. Zu diesem Schluss kommen Forscher der University of Michigan. (24hamburg.de-Montage) © imago

Und Kinder, die dazu gezwungen werden, sich zu entschuldigen, würden sich selbst schlecht damit fühlen. Doch woran liegt das? Die Forscher argumentieren, dass der eigentliche Sinn der Entschuldigung, Reue zu zeigen und sich mit seinem Gegenüber zu versöhnen, durch den Zwang nun mal verloren geht.

Aufgezwungene Entschuldigungen bei Kinder bringen nichts – Mitgefühl kommt dadurch abhanden

Das ist jedoch noch längst nicht alles. Denn das Kind, das zu einer Entschuldigung gezwungen wird, würde ebenso wenig lernen, ehrliches Verständnis für das verletzte Kind aufzubringen. Die Konsequenz: In seinem späteren Leben könnte es Schwierigkeiten damit haben, wirkliches Mitgefühl zu entwickeln. Erzwungene Entschuldigungen würden dem Kind, genauso wie mitunter die eigenen Großeltern, nur schaden.

Und auch das verletzte Kind würde schnell realisieren, dass die Entschuldigung nicht wirklich ernst gemeint war, sondern vielmehr aus Zwang entstanden ist. Das Kind, das sich lediglich unehrlich entschuldigt, würde auch weniger von anderen Kindern gemocht werden. Ein pädagogisches Dilemma ohne Ausweg? Nicht ganz, denn die Forscher aus Michigan haben einen Lösungsansatz parat.

Experte meint: Kinder sollen selbst über ihr Fehlverhalten nachdenken – Lerneffekt viel größer

Die viel effektive Lösung nach Ansicht der Forscher der University of Michigan: Dem Kind soll Zeit zugestanden werden, um seinen Fehltritt selbst einzusehen und daraus resultierend Empathie gegenüber dem verletzten Kind aufzubringen. Das würde letztendlich viel nachhaltiger wirken. Der oft beschworene Lerneffekt wäre gegeben. Vielleicht auch eine wichtige Lektion für Helikoptereltern, die nach einer Studie erfolgreicher, aber auch unglücklicher als andere Eltern sind.

Sei dir erst sicher, dass dein Kind versteht, warum sein Verhalten falsch war, versichere dich zunächst, dass es sich selbst entschuldigen möchte. Erst dann ist der richtige Zeitpunkt erreicht, dem Kind vorzuschlagen, sich zu entschuldigen.

Craig Smith, Studienautor am University‘s Center for Human Growth and Development in Michigan

Im Optimalfall erkläre man seinem Kind in Ruhe, warum genau sein Verhalten falsch war und dass es damit einem anderen Kind wehgetan hat. So lautet zumindest der Expertenrat aus Michigan. Und vor allem bei Kindern müsse es nicht immer eine verbale Entschuldigung sein, auf die es ankommt. Eine Aktion, beispielsweise eine Aufforderung zum gemeinsamen Spielen, könne die Wogen zwischen Kindern bereits glätten.

„Manchmal bringt es sogar mehr als Wörter“, sagt Craig Smith,Studienautor am University‘s Center for Human Growth and Development in Michigan. Auch gut zu wissen für Rasenmäher-Eltern, die aus ihren Kindern „schwache Persönlichkeiten“ machen würden und jeden Konflikt im Keim ersticken.

Auch interessant

Kommentare