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Rügener Lokal gibt Kindern Hausverbot: „Erziehen keine fremden Kinder“

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Von: Ulrike Hagen

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Das Ostseelokal „Omas Küche“ in Binz sorgt mit einem Hausverbot für unter 14-Jährige ab 17 Uhr für Diskussionen. Das Restaurant jedoch bleibt dabei.

Binz/Rügen – Vor kurzem sorgte das Restaurant „Schipperhus“ in Dierhagen mit seinem Hausverbot für Kinder unter zwölf Jahren für Schlagzeilen: „Eltern sind schuld“: Ostsee-Restaurant lässt keine Kinder mehr rein. Doch knapp 100 Kilometer die Küste hinunter haben die Besitzer von „Omas Küche“ im Ostseebad Binz auf Rügen bereits vor Jahren entschieden, Kindern abends konsequent den Zutritt zu ihrem Restaurant zu verweigern. Und dabei bleibt man auch heute auch, trotz Shitstorm und Hassnachrichten – aus Gründen.

Insel in Mecklenburg-Vorpommern:Rügen
Fläche:926,4 km²
Hauptort:\tBergen auf Rügen
Einwohner:70.000
Küstenlänge:574 km

Restaurant auf Rügen erteilt Kindern unter 14 Jahren Hausverbot: „spezialisiert auf Ruhe“

„Spezialisiert auf Ruhe, Erholung und entspanntes Genießen begrüßen wir unsere Gäste am Abend erst ab 14 Jahren!“, heißt es auf einem Schild vor der Tür des Lokals in Mecklenburg-Vorpommern. Der Grund: In der Vergangenheit machte die „fehlende Erziehung“ der jüngeren Gäste den Gastronomen und ihren Angestellten das Leben schwer, so der Betreiber. Auch ein Pädagoge zerreißt die heutige Kinder-Erziehung „Aufgeweichte Jammergestalten“ – und wirft Eltern vor, zu wenig Regeln aufzustellen.

Vor der hübschen Restaurant-Terrasse steht ein Schild, „Adult-only Restaurant“ steht darauf
Das Restaurant „OmasKüche und Quartier“ in Binz auf Rügen verbietet Kindern unter vierzehn Jahren ab 17:00 Uhr den Zutritt: Seit 2018 – und trotz Inhaberwechsel bis heute. (24hamburg.de-Montage) © Stefan Sauer/dpa

Restaurant auf Rügen bleibt abends kinderfrei – seit 2018: Heftige Diskussionen reißen nicht ab

Die Entscheidung für die „kinderfreie“ Zone in dem deutschen Speiselokal an der Ostsee sorgt seit längerem für Schlagzeilen und Krawall in den Kommentarspalten der sozialen Medien. Davon kann auch ein Lokal in Orlando ein Lied singen: Die Pizzeria lässt keine Gäste unter 18 mehr rein: „Alle respektlos“, lautet die Begründung.

Unsere Mitarbeiter sind da, um unsere Gäste kulinarisch zu verwöhnen und nicht um anderer Leute Kinder zu erziehen.

Rudolf Markl, ehemaliger Betreiber von „Omas Küche“ in einem Facebook-Post

Restaurant „Omas Küche“ in Binz auf Rügen lässt keine Kinder unter vierzehn rein

Dabei ist das Restaurant „Omas Küche“ von Klaus Pede und Sigrun Gonschior schon seit knapp vier Jahren am Abend nur noch für Gäste über 14 Jahren geöffnet. Damals hatte Vorgänger Rudolf Markl beschlossen, den Schritt zu gehen, weil es den „lieben Kleinen“ an guter Kinderstube und Erziehung mangele, befand der Gastronom. In den elf Jahren, in denen er das Lokal betreibe, sei es immer schlimmer geworden. Dabei habe er schon Ausmalbilder, Rätsel und Spiele bereitliegen. „Doch die Kinder wissen sich einfach nicht zu benehmen“, sagte er damals gegenüber merkur.de.

Ab 17.00 kein Zutritt für Kinder: Anfangs „immense Umsatzeinbrüche“, jetzt enormer Zulauf

Das „Adults only“-Konzept scheint inzwischen wirtschaftlich aufzugehen – auch wenn am Anfang waren „die Umsatzeinbrüche im Restaurant immens“ waren, wie Sigrun Gonschior betont. Am kinderfreien Abendbetrieb wird sich – eben sowenig wie beim Café, das Kindern unter fünf Jahren Hausverbot erteilt „weil Eltern nicht aufpassen“ – auch in „Omas Küche“ erstmal nichts ändern, wie eine Angestellte des Lokals auf aktuelle Nachfrage von 24hamburg.de bestätigte.

Geschäftsführerin Sigrun Gonschior sagt dazu, dass sie die Entscheidung, ab 17 Uhr nur Kinder ab 14 Jahren in das Lokal zu lassen, getroffen hätten, „da wir in unseren Ferienwohnungen – und später auch im Hotel – schon seit 2002 Kinder erst ab 14 Jahren aufnehmen. Mittlerweile haben wir so einen Zulauf, dass wir abends zwei Runden einführen mussten, um möglichst vielen Gästen die Chance zu geben, bei uns zu Abend zu essen.“

Restaurant-Verbot für unter Vierzehnjährige: Viele Gäste freuen sich über „Ruhe“

Viele Gäste begrüßen diese Entscheidung, und teilen ihre Meinung in aktuellen Bewertungen im Netz: „Richtig so. Plärrende Wänste haben in einem Restaurant absolut nichts zu suchen. Weder vor 17 Uhr, noch danach. Wer Geld für teures Essen und Getränke ausgibt, hat ein Anrecht darauf, dies in Ruhe und Gemütlichkeit tun zu können“, schreibt ein User auf Google.

„Ich glaube nicht, dass die Kinder zu Hause auch Tische bemalen dürfen, Getränke umschmeißen und schreiend um den Tisch rennen dürfen. Aber ein Restaurant scheint für viele Eltern eine rechtsfreie Zone zu sein. Der Wirt hat alles richtig gemacht. Er hat das Hausrecht und fertig“, pflichtet ein anderer bei.

Eltern und Freunde sind mit sich beschäftigt, was die Kleinen machen ist doch scheißegal.

Rudolf Markl, ehemaliger Betreiber von „Omas Küche“ in einem Facebook-Post

Im Netz hagelt es Kritik für das Kinder-Hausverbot auf Rügen: „Soll man das Kind draußen anbinden?“

Aber auch die Kritiker sind zahlreich: „Als eine junge Frau mit ihrem Kind kam, fertigte man sie ab mit den Worten ‚Sie können rein, ihr Kind bleibt draußen‘. Soll sie es draußen anbinden?“. Ein anderer meint: „‘Wir sind ab 17:00 Uhr erwachsenenfreundlich!´ – da vergeht mir mit Kind leider auch vor 17 Uhr der Appetit. Schade, dass Kinder keinen Diskriminierungsschutz haben!“ 

Die ehemaligen Betreiber des Rügener Restaurants sahen sich zudem zahlreichen Hassnachrichten via Mail und Facebook ausgesetzt. Die scheinen sie allerdings weniger erschüttert zu haben, als die von ihren Eltern unbeaufsichtigten Kinder.

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