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Jetson One: Abheben im „fliegenden E-Auto“ – ganz ohne Pilotenschein

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Von: Anika Zuschke

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Ohne Pilotenschein fliegen: Ein Traum, der dank Elektro-Helikopter „Jetson One“ Wirklichkeit werden kann. Doch einen Haken hat das „fliegende E-Auto“.

Stockholm – Das schwedische Unternehmen „Jetson Aero“ möchte mit diesem kleinen Multicopter die Art des Reisens verändern. Der sogenannte „Jetson One“, eine übergroße Drohne mit Platz für einen Passagier, ist bereits frei verkäuflich und sogar ohne Pilotenschein nutzbar. Zudem können Besitzer des Leichtbaufliegers mit bestem Gewissen durch die Luft sausen, der Elektro-Heli fliegt nämlich komplett emissionsfrei. Das klingt zu schön, um wahr zu sein? Viele Vorteile haben sich bestimmt auch Käufer eines E-Autos erhofft – und stehen nun vor dem großen Haken, dass es weit und breit keine Lademöglichkeiten gibt*. Und auch der „Jetson One“ hat definitiv einen großen Haken.

Luftfahrzeug:Multikopter
Auftrieb oder Vortrieb durch:Mehrere in einer Ebene angeordnete, senkrecht, oder annähernd senkrecht, nach unten wirkende Rotoren oder Propeller
Funktionsprinzip:In bemannter und unbemannter Luftfahrt
Erster Multikopter:11. November 1922 von französischem Luftfahrtpionier Étienne Œhmichen

Multicopter „Jetson One“: Ein fliegendes E-Auto, das sich ohne Pilotenschein fliegen lässt

Im Jahr 2018 wurde der „Jetson One“ vom schwedischen Unternehmen „Jetson Aero“ erstmals vorgestellt – inzwischen ist der futuristische E-Flieger käuflich zu erwerben. Das Fahrzeug gilt offiziell als „Personal Electric Aerial Vehicle“, sieht aber simpel ausgedrückt aus wie ein Quad in der Luft. Das ist tatsächlich kein Zufall, der Aluminium-Carbon-Rahmen des Multicopters wurde nämlich von Rennwagen-Sicherheitszellen inspiriert.

Auch von den Maßen her erinnert das Fluggerät eher an ein Quad als an einen Hubschrauber: Voll aufgefaltet misst der auf 90 Zentimeter zusammenklappbare Multicopter laut „efahrer.de“ 2,85 mal 2,40 mal 1,03 Meter und wiegt nur etwa 86 Kilogramm. Das ist sogar weniger, als der Pilot maximal wiegen kann: Der oder die darf bis zu 95 Kilogramm schwer sein. Das ist aber immer noch mehr, als so manch ein Pferde-Fan auf die Waage bringen darf: Wer zu viel wiegt, darf auf diesem Reiterhof nicht aufs Pferd*, maximal-Gewicht ist 90 Kilo.

Kleinsthubschrauber Jetson One fliegt 1.500 Meter Höhe hoch

Zurück zu luftig-leichten Höhen: Der Kleinsthubschrauber „Jetson One“ ist mit vier Doppelrotoren und acht insgesamt 120 PS starken Motoren ausgestattet und erreicht immerhin eine Höhe von bis zu 1500 Metern. Mit einer maximalen Geschwindigkeit von 102 Kilometern pro Stunde kann der Senkrechtstarter mit einem tatsächlichen Helikopter zwar nicht mithalten, aber die Reichweite von 25 bis 30 Kilometern ermöglicht sicherlich einiges an Spaß. Zum Steuern wurden zwei Pedale, ein Schubregler sowie ein Joystick in den kleinen Flug-Flitzer eingebaut – und natürlich ein Passagiersitz für den stolzen Besitzer. Etwas mehr Reichweite bringt ein ebenfalls nahezu bahnbrechendes Fortbewegungsmittel mit sich: Forscher entwickelten in Washington ein Wasserstoffflugzeug, das 800 Kilometer weit fliegen kann*.

Emissionsfreier Mini-Flieger „Jetson One“ kann sogar ohne Pilotenschein bedient werden – aber nur über Privatgelände

Der Besitzer eines „Jetson One“ benötigt zum Fliegen tatsächlich noch nicht einmal einen Pilotenschein – unter anderem wegen der begrenzten Maximalgeschwindigkeit, aber auch weil der Leichtbauflieger laut „n-tv.de“ ausschließlich über privates Gelände pilotiert werden darf. Das eigene Blumenbeet kann der Pilot dann aber immerhin satte 20 Minuten aus der Luft betrachten, für die Flugzeit reichen die Lithium-Batterien ungefähr aus. 20 Minuten im Himmel sind dabei aber sicherlich spaßiger als 13 Stunden in einem unbeheizten E-Auto von VW – so lange brauchte eine arme Reporterin nämlich für schlappe 650 Kilometer Strecke.

Der Multicopter „Jetson One“ von dem Unternehmen „Jetson Aero“ wird von einem Passagier über eine Sandwüste geflogen.
Ist das die Zukunft des Reisens? Emissionsfreier Multicopter „Jetson One“ für einen Passagier kann jetzt käuflich erworben werden. © Screenshot Instagram @jetsonaero

Winziger E-Copter „Jetson One“ setzt auf Sicherheit: Sogar ein Fallschirm ist eingebaut

Damit Flug-unerfahrenen Besitzern des Multicopters nichts zustößt, wurde das Fluggerät mit vielen Sicherheitsfeatures ausgestattet. Dazu zählen „efahrer.de“ zufolge eine Sicherheitszelle, ein Fallschirm sowie ein Bordcomputer, der den Mini-Flieger im Ernstfall per Autopilot sicher landen kann. Außerdem ist ein Kollisionsverhinderer auf Basis von Lidar-Sensoren immer mit an Bord. Mit diesen ganzen Sicherheitsvorkehrungen ist ein Multicopter im Zweifel noch das sicherere Fortbewegungsmittel als 25 Teslas, die ein 19-Jähriger aus Deutschland offenbar problemlos hacken konnte.

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Unternehmen „Jetson Aero“ verkauft den E-Multicopter „Jetson One“ für knapp 80.000 Euro

Doch nun der große Haken: Ein „Jetson One“ ist nicht nur aufgrund der Rarität sehr schwer zu ergattern, der futuristische E-Copter ist auch extrem teuer. Auf der Website des Anbieters können Fliegerfans, die immer schon einmal selbst im „Cockpit“ sitzen wollten, den emissionsfreien Leichtbauflieger vorbestellen – für umgerechnet knapp 80.000 Euro! Sogar bei der Vorbestellung wird schon eine Gebühr von 19.000 Euro fällig. Die Preise sind nahezu frech für ein Fortbewegungsmittel dieser Größe – bedenkt man vor allem die geringe Reichweite. Aber immer noch weniger frech als Deutschlands frechster Autohändler, der seine Kunden mit Aussprüchen wie „Du nerviger Bauer“ beschimpft.

Trotzdem gehen die lustigen Riesen-Drohnen weg wie warme Semmeln. Einer öffentlichen Bestellliste zufolge hat sich ein Kunde aus dem Münchner Nobelvorort Grünwald einen „Jetson One“ bereits unter den Nagel gerissen, ebenso ein Kunde aus Santa Maria a Monte in Italien sowie zehn weitere Personen aus aller Welt. Die zwölf ersten zum Verkauf stehenden Modelle für das Jahr 2022 sind damit schon ausverkauft. Aktuell werden wohl noch Vorbestellungen für das nächste Jahr entgegengenommen, laut „efahrer.de“ sind aber auch in dem Bestand nur noch drei Multicopter verfügbar.

Beliebt scheinen die „Jetson One“ also zu sein. Aber ob diese tatsächlich unsere Art zu reisen revolutionieren werden, sei mal so dahingestellt. Bisher scheinen sie eher ein teures Spielzeug für die Superreichen darzustellen. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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